Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

Am zweiten Advent zünden wir zwei Kerzen an. Die Zahl zwei ist Symbol für die Gegensatzstruktur alles Geschaffenen.

Das Element Wasser soll uns dabei inspirieren. Während das Erd-Element die bergende Mütterlichkeit und Zuverlässigkeit Gottes zum Ausdruck bringt, kennzeichnet das Wasser-Element den nicht fassbaren Gott. Er erscheint uns manchmal hell und belebend, manchmal jedoch dunkel und bedrohlich. Das Wasser bringt somit die Gegensatzstruktur Gottes zum Ausdruck.

Das Wasser hat einen doppelten Aspekt: einmal ist es bedrohlich, ein andermal ist es lebensspendend.

So kommt in den Evangelien des 2. Adventssonntag die Taufe Jesu zur Sprache. Das Untertauchen im Wasser ist Symbol für das Sterben und den Tod, das Auftauchen aus dem Wasser ist Symbol für die Auferstehung und das Leben.  Wir erfahren so nicht nur den lieben Gott, sondern auch den nehmenden und fordernden Gott, der all das in den Tod hineinzieht wie ein Strudel, was dem Leben hinderlich ist.

Dem Element Wasser sind die Symbole Krebs, Skorpion und Fische zugeordnet. Wasser ist ein besonders wandlungsfähiges Element. Es verändert sich je nach Temperatur. Es kann kalt, warm oder heiß, fest, flüssig oder gasförmig sein.

Psychologisch ist Wasser der Gegenpol zu Luft. Während die Luft nach oben steigt, zieht es das Wasser nach unten. Während die Luft das Denken symbolisiert, ist das Wasser Symbol für die Gefühle.

Für einen Wassermenschen ist das, was er fühlt, die eigentliche Realität. Gefühle kann man nicht erklären. Es ist deshalb einem richtigen Gefühlsmenschen fast unmöglich, etwas logisch zu erklären.

Im Unterschied zum Luftmenschen haben Wassermenschen Tiefgang. Sie sind selten oberflächlich. Sie können sich gut in andere Menschen einfühlen, sie sind sensibel und empathisch.

Ihre Gefühle sind jedoch wie Wasser, sie kommen und gehen, es gibt keine beständigen Gefühle. Wassermenschen urteilen nicht nach „richtig“ oder „falsch“, sondern nach „angenehm oder unangenehm“. Ihre Urteile sind nicht objektiv, sondern subjektiv und deshalb manchmal auch unfair. Wassermenschen leben oft in einer Traumwelt. Im Unterschied zum Erdmenschen sind sie nicht an harter Arbeit interessiert, sondern eher am Spiel.

Die drei Symbole des Wasserzeichen sind Krebs, Skorpion und Fische. Sie machen deutlich, das wir es beim Wasser mit einem „fremden“ Element zu tun haben, mit einer uns Menschen verborgenen Welt.

Krebs, Skorpion und Fische sind Kaltblüter und leben in Regionen, in denen Menschen normalerweise nicht leben und auf die Dauer nicht leben können.

Die unterschiedliche Aspekte bei den Wassersymbolen sind: Im Krebs begegnet uns das Wasser als Regen, Quelle oder auch als Bach, also als erquickendes und fruchtbar machendes Wasser.

Im Skorpion begegnet uns das Wasser als Moor oder Strudel, als dunkles, hintergründiges und bedrohliches Wasser.

In den Fischen begegnet uns das Wasser als Ozean.

Das Wasser begegnet uns zunächst als Krebs. Der Krebs ist dem Mond zugeordnet, der „Luna“. Krebsmenschen sind deshalb „lunisch“, launisch, d. h. sie haben etwas von der Wechselhaftigkeit des Mondes.

Der Mond ist Ausdruck des Urweiblichen. Der Krebs sehnt sich nach Geborgenheit und Sicherheit. Ohne Geborgenheit fühlt sich der Krebs nackt und verletzlich. Er hat ein großes Bedürfnis nach Zärtlichkeit. Ein Krebs fürchtet überlegene Kritik, vor allem von Denkmenschen. Er kann sich der Schwachen annehmen und eine starke Empathie entwickeln. Er kann Menschen zu ihrer Entfaltung verhelfen, ihnen Mut einflößen, und wird dann für solche Menschen wie ein Trunk frisches Wassers. Krebs-Menschen sind empfindsam, sensibel und besitzen ein beharrliche Kraft. Wie Wasser passt sich die Krebsmensch den Situationen an. Ein Krebsmensch setzt sich durch Nachgeben durch und kann dadurch viel erreichen.

So könnte mit diesen Eigenschaften der Krebsmensch einen Gott entdecken, der sich der Schwachen annimmt, der ein köstlicher Trunk sein kann.

Ein weiteres Wasser-Zeichen ist der Skorpion. Im Skorpion kommt die Wandlungsfähigkeit des Wassermenschen besonders deutlich zum Ausdruck. Der Skorpion begegnet uns in der Überlieferung auch noch in zwei weiteren Gestalten, nämlich in seiner niederen, unerlösten Form als Schlange und in seiner erlösten Form als Adler.

Der Skorpion ist in besonderer Weise dazu aufgerufen, mit sich selber zu ringen. Er hat eine unerhörte Spannweite in sich. Es geht beim Skorpion-Menschen, der sich nach „oben“, zur Ganzheit hin entwickelt, immer darum, dass er die Schlange in sich selber, den nach unten ziehenden Aspekt, wahrnimmt und sich damit auseinandersetzt. Wenn ein Skorpion dies nicht tut, dann kommt seine Schlangen- und Drachenqualität zum Vorschein: Er kann fanatisch, dogmatisch, sadistisch und masochistisch sein.

Er hat eine besondere Fähigkeit, die Fehler anderer Menschen aufzuspüren und sie mit scharfem Stachel zu brandmarken. Er kann Menschen „eins auswischen“. Andererseits kann er aber auch – wenn er sich in Richtung „Adler“ entwickelt – eine enorme Selbstdisziplin entfalten.

Wenn ein Skorpion sich auf den Weg zur Ganzheit begibt, dann kann er große Willenskraft, Selbständigkeit und vor allem Tiefgang entwickeln.

Wenn ein Skorpion in seine eigene Tiefe hinabsteigt und sich auf die innere Reise begibt, dann kann er sich in einen Adler verwandeln, in das Haupt-Symbol des Wasserzeichen, das dem Evangelisten Johannes, dem ehemaligen „Donnersohn“ und dem späteren Apostel der Liebe zugeordnet ist.

Das dritte Wasserzeichen sind die Fische. Fische-Menschen haben eine hohe Empfindsamkeit und Verletzlichkeit, sie fühlen sich durch die Übermacht der auf sie einstürmenden Eindrücke oft überwältigt. Caspar David Friedrich hat ein Bild gemalt, auf dem ein einsamer Mönch vor einem riesigen Ozean steht. Das ist das Bild eines Fischmenschen.

Fischmenschen fühlen sich ausgeliefert an eine größer Macht, entweder an die Unterwelt oder an die eigene Tiefe. Fischmenschen haben hohe Ideale und Sehnsucht nach einer vollkommenen Welt. Sie leiden an der Diskrepanz zwischen diesen Idealen und der Realität.

Wenn wir in der Adventszeit uns auf den Weg der Meditation begeben, um uns und Gott besser kennen zulernen, dann können wir beim Krebs fragen: Wie steht es mit der Entfaltung unserer Gefühle (eine Frage, die besonders für die Luft-Menschen wichtig ist). Wir können weiter fragen: Gibt es in meinem Leben genügend Zeiten, in denen ich mich – wie ein Krebs – zurückziehen kann?

Beim Skorpion frage ich: Kenne ich die Abgründe meiner Seele? Kenne ich meine Schlagen- und Drachenseite? Wie kann ich mich mit den „dunklen“ Gestalten in meiner Seele auseinandersetzen. Dass aus dem Hin- und Hergerissen-Werden zwischen Himmel und Hölle die Gestalt des Adlers entsteht?

Oder wenn wir die Fische meditieren, können wir uns fragen, wo wir in unserem Leben verletzt worden sind und welche Wunden noch schmerzen. Wir können uns auch unseren „ozeanischen“ Gefühlen hingeben und uns unsere Träume und Sehnsüchte bewusst machen.

Die Meditation des Wasser-Elements in der zweiten Adventwoche ruft uns nicht so sehr zu Aktivitäten auf, sondern vielmehr zur Hingaben an unsere Gefühle, an Schmerz und Trauer, aber auch an Freude und Hoffnung, an Sehnsucht und Liebe.

So können uns die Betrachtung der vier Elemente helfen, zur Ganzheit unsers Daseins zu kommen und damit Gott erkennen lernen, der ja den ganzen Menschen symbolisiert.

Ein weiterer Aspekt wäre, dass das Kreuz all diese Element zusammenhält. Denn wenn wir nur nach einem Element unser Dasein ausrichten, dann kann es sein, dass wir zum Beispiel als Erdenmensch nur der Schwerkraft verhaftet sind und unser Leben sich nicht weiter entwickeln kann.

Vier Elemente

Verbinden Sie die Elemente mit einem Kreuz, dann wird Ihnen optisch deutlich, was zusammengehalten wird und was jeweils der Gegenpol ist. Der Gegenpol ist wichtig, weil in ihm die Sehnsucht verborgen ist, die uns jeweils fehlt. (Der sture Stier (Erde) benötigt den strahlenden Löwe (Feuer), um nicht einseitig zu leben)

Georg Koch

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