Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

Der dritte Sonntag im Advent ist der Tag des Feuers. Am dritten Advent zünden wir drei Kerzen an. Drei ist die Zahl der Bewegung, die ihren eindrücklichsten Ausdruck im lodernden Feuer findet.

Die Texte des dritte Advent sprechen von der Taufe des Johannes und davon, dass einer kommen wird und mit heiligem Geist und mit Feuer taufen wird (Lk 3,16).

Zum Wasser des 2. Advent kommt am 3. Advent das Feuer. Feuer und Wasser gehören zusammen. Feuer und Wasser sind als dynamische Polarität Ausdruck der Ganzwerdung des Menschen.

Wenn also im Evangelium des 3. Advent von der Taufe mit Wasser und Feuer die Rede ist, dann geht es hier um die Erfahrung der Ganzheit, um die Begegnung mit dem dunklen und dem hellen Gott, mit dem ganzheitlichen Gott, der unser Vater und unsere Mutter ist.

Taufe mit Wasser und Feuer bedeutet die Vereinigung der Gegensätze. Menschwerdung geschieht dort, wo in uns das Himmlische und das Irdische, das Bewusste und das Unbewusste, das Männliche und das Weibliche vereinigt werden.

Feuer ist Symbol für den dynamischen Aspekt Gottes. Im Unterschied zum mütterlichen Erd-Symbol ist das Feuer Symbol des väterlichen Gottes.

„Der ewige Gott ist ein verzehrendes Feuer (Deuternomium 4,24). Dieses verzehrende Feuer verzehrt alles, was unser Leben verfremdet und zerstört. Gott handelt durch sein Wort. Der Feueraspekt Gottes wird deshalb auch auf sein Wort übertragen.

Das Feuer begegnet uns besonders im Bild der Sonne, dem mythologischen Ursprung des Feuers, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Gott mit der Sonne in Verbindung gebracht wird.

Nun nähern wir uns von dem Aspekt des Feuers in Gott dem Aspekt des Feuers im Menschen. Dem Feuer sind die Symbole Widder, Löwe und Schütze zugeordnet. Feuermenschen brauchen Bewegungsfreiheit. Für Feuermenschen ist das Leben voller Möglichkeiten, die sie intuitiv erahnen.

Intuition ist die große Begabung der Feuermenschen. Sie haben Visionen, wie das Leben sein sollte, sein könnte, und tun etwas dafür, dass es so wird. Feuermenschen sind rastlos unterwegs, aber sie haben Schwierigkeiten mit der äußeren Realität, wenn sie sich ihren Visionen und Intuitionen entgegenstellen.

Besondere Schwierigkeiten haben Feuermenschen mit starren, konservativen Elementen. Das ist einleuchtend, denn der Gegenpol des Feuermenschen ist die Erde. Die fehlt oft den Feuermenschen.

Der dritte Advent bietet dem Feuermenschen die Möglichkeit, sich selber und seine beiden Geschwister näher kennen zu lernen und zu meditieren. Die anderen haben die Möglichkeit, sich mit einem ihnen weniger vertrauten Aspekt ihrer Psyche zu befassen.

Wenn wir die drei Feuersymbole des Tierkreises bestimmten Feuer-Aspekten zuordnen wollen, dann könnte der Widder für die ungestüme Gewalt des Feuer stehen, die in Hochöfen Eisen zum Schmelzen bringt oder unbändigen Schaden anrichten kann.

Der Löwe dagegen steht für den wohltuenden, wärmenden und leuchtenden Aspekt des Feuers. Er steht für das Feuer der Sonne, das die Welt durchstrahlt und wärmt.

Das Feuer des Schützen ist der Feuer-Aspekt des göttlichen Geistes, der verwundet und heilt.

Der Widder ist das erste Zeichen des Tierkreises. Er bricht dem Neuen Bahn. Er ist der nach vorwärts stürmende, „rücksichtslose“ (= der nicht zurück-schauende) Mensch im Sinne des Jesus-Wortes: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“ Er ist der todesverachtende Mensch, der voll dem Leben zugewandt ist.

Widdermenschen brauchen immer etwas  worauf sie ihren Tatendrang richten können, was sie „anfeuert“. Oft verpuffen sie aber auch ihre Kräfte in einem „Strohfeuer“. Für die Widdermenschen bietet die Welt lauter unentdeckte Möglichkeiten. Widdermenschen geben oft Anstoß zu einem wesentlichen Fortschritt. Manchmal sind sie aber auch „anstößig“, je nachdem, wie Menschen sich zum Tatendrang der Widdermenschen einstellen.

Ein zweites Feuerzeichen ist der Löwe. Traditionell verbindet man den Löwen-Menschen mit Stolz, Eitelkeit, aber auch mit Würde, Selbstsicherheit und Kraft. Löwen-Menschen stehen gerne im Mittelpunkt,

Wenn ein Löwe-Mensch den Weg zur Selbsterfahrung und Selbstwerdung beschreitet, dann kann sein natürliches Gefühl für Würde und Strahlkraft auch auf andere übergreifen.

Der Löwenmensch ist Symbol für ein ICH, das mit sich selber ringt, bis es von seinem wahren SELBST besiegt wird.

Der Schütze ist der Kentaur, eine Verbindung von Tier und Mensch, der mit dem Pfeil nach oben, nach dem Göttlichen zielt.

Er ist der Mensch, der sich aus dem Tier heraus erhebt und nach dem Göttlichen strebt. In diesem Schützenaspekt steckt eine ungeheure Dynamik. Der Schütze fragt nach dem Sinn des Lebens und seiner Handlungen. Bei ihm ist die Intuition oft besonders stark ausgebildet, so dass er andere „erleuchten“ kann – wenn sie sich erleuchten lassen. Der Schütze kann mit seiner Direktheit auch schockieren. Er kann andere verletzen, ohne dass er es selbst merkt. Aber er kann auch heilen. Als Kentaur ist er der verwundete Heiler.

In der Adventszeit können wir die einzelnen Feuerzeichen meditieren und beim Widder fragen: Bin ich bereit, den mir von meinem wahren Selbst (= vom Christus in mir) vorgezeichneten Weg mit „Vorsicht“ aber ohne „Rücksicht“ gehen, auch wenn ich dadurch für andere „anstößig“ werde?

Beim Löwen geht es um die Frage: Wo kann ich durchlässig werden für meine „Sonnenseite“? Spürt man Umwelt etwas von der Wärme des in uns wohnenden Christus?

Bei der Meditation des Schützen können wir fragen: Lassen wir das Feuer Gottes so durch uns wirken, dass es verwundet oder heilt? Wage ich es, dem anderen die Wahrheit zu sagen – selbst wenn es schmerzt und verwundet?

Feuer ist das Element, das am stärksten zur Verwandlung und Reifung beiträgt. Es verwandelt und erneuert uns Menschen und die Welt. Vielfältige Erfahrungen können also beim dritten Advent bei uns angestoßen werden und wir können einen Gott erfahren, der wie Feuer in uns brennt und in uns leuchtet und uns alle Angst nimmt.

Georg Koch

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