Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

Der vierte Sonntag im Advent ist der Tag der Luft oder des Geistes. Am 4. Advent zünden wir vier Kerzen an. Die Vier ist eine Ganzheitszahl. Sie steht für die vier Himmelsrichtungen, für die vier Jahreszeiten oder für die vier Elemente. Die vier verweist somit hin auf die ganze oder heile Schöpfung.

Dem 4. Adventsonntag ist das Evangelium von der Ankündigung der Geburt Jesu zugeordnet. Engel verkünden Josef im Traum und Maria die Geburt des göttlichen Kindes.

Engel sind „Wind-Götter“. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ist das Wort für Wind identisch mit dem Wort für Geist.

Dem Propheten Elia begegnet Gott in einem sanften, stillen Sausen, und an Pfingsten kommt Gottes Geist in einem gewaltigen Sturmwind.

In der Vision des Ezechiel wird der Luft- oder Geist-Aspekt Gottes durch das Gesicht eines Menschen dargestellt.

In der Gestalt des Jesus von Nazareth zeigt Gott sein Angesicht von vorne. Im Menschen Jesus hat sich Gott am vollkommensten geoffenbart – in ihm zeigt er sein eigentliches Wesen.

Bei dieser Menschwerdung Gottes durch den Geist spielen Engel eine besondere Rolle.

Die Begegnung der Maria mit dem Engel Gabriel, der die Geburt Jesu ankündigt, wird vielfältig in der Kunst dargestellt.

Die Entstehung des Kindes ist verbunden mit der Botschaft des Engels. Psychologisch kann diese Botschaft als „Einfall“ oder als „Intuition“ gedeutet werden, die uns „beschwingt“ und „beflügelt“ und die Entstehung des inneren Kindes bewirkt. Es ist ein Erfülltsein und Ergriffensein von einem inneren Auftrag, als ein Müssen, das sich mit der Vernunft allein nicht erklären lässt.

Auf dem bekannten Verkündigungsbild des Matthias Grünewald ist Maria mit Lesen beschäftigt. Sie sitzt vor einem Buch und liest die göttliche Verheißung: „Siehe, eine junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen“ (Je 7,14).

Durch das Buch wird zum Ausdruck gebracht, dass die Geburt des göttlichen Kindes durch das göttliche Wort geschieht. Maria hält dem Engel außerdem ihr Ohr hin, damit das Verheißungswort befruchtend in sie eindringe.

Bei Grünewald kommt im wehenden Engelsgewand und in der eindrücklichen Darstellung der Geistes-Taube der Luft (=Geist)-Charakter des Verkündigungs-Vorganges besonders deutlich zum Ausdruck und damit die Botschaft, dass die Mensch-Werdung des göttlichen Kindes durch den Geist geschieht.

Auf der menschlichen Ebene wenden wir uns deshalb jetzt dem Element Luft zu. Der Luft sind die Symbole Zwillinge, Waage und Wassermann zugeordnet.

Luft ist leicht und klar. Sie hat zum Unterschied zum Wasser keine Tiefe. Die Luftmenschen werden deshalb häufig als oberflächlich empfunden. Die Luftmenschen sind die einzigen, in denen kein Tier vorkommt. Zwillinge, Waage und Wassermann haben sich aus der Erdgebundenheit heraus entwickelt. Sie brauchen deshalb umso nötiger die Ergänzung durch die anderen Tierkreiszeichen.

Luftmenschen haben es mit der „oberen“ Welt zu tun, mit dem Denken. Es sind also Denktypen. Sie haben einen weiten Blick. Sie sind nicht engstirnig, sondern offen für neue Ideen.

Weil sich Luftmenschen in den Höhen des Geistes bewegen, wirken sie oft kühl oder kalt. Luftmenschen sind abstrakte Denker, sie akzeptieren nur das, was sie verstehen. Selbst ihre Gefühle erfassen sie mit dem Denken.

Wenn wir uns am 4. Advent mit dem Luft-Aspekt befassen, dann begegnen uns dieser Aspekt wieder in drei Zeichen.

Wenn wir zu einem dieser drei Zeichen gehören, können wir uns selber und unsere beiden Geschwister näher kennen lernen, wenn wir zu einem anderen Zeichen gehören, dann haben wir die Chance, einem uns vielleicht recht fremden Aspekt zu begegnen.

Wenn wir uns die drei Luft-Zeichen vorstellen, dann können wir uns die Zwillinge als Windböen vorstellen, die ständig wechseln – mal stark, mal weniger stark, mal kommt der Luftstoß aus der einen Richtung, mal aus der anderen.

Die Waage dagegen ist ein milder, sanfter, warmer Wind an einem Sommerabend oder auch ein „goldener Oktober“-Wind – die Waage beherrscht ja den Oktober.

Der Wassermann gleicht der kühlen, klaren Höhenluft, der Welt des reinen Geistes.

Zwillinge offenbaren die Doppelqualität alles Seienden. Sie erfahren in sich selber die Aspekte menschlich/göttlich, sterblich/unsterblich, männlich/weiblich, alt/jung und so weiter.

Für einen Zwilling gibt es nie nur eine Wahrheit, sondern für ihn hat jede Wahrheit viele Gesichter. Zwillinge sind neugierig, möchten gerne alles kennen lernen. Sie habe große Mühe, sich für eine Sache zu entscheiden, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt. Zwillinge sind flexibel und können sich schnell auf eine neue, unvorhergesehene Situation einstellen.

Waagemenschen haben eine hohen Sinn für Schönheit und Harmonie. Sie lieben Heiterkeit und Gemeinschaft, es sind versöhnliche Menschen, die sich gerne aus Konflikten heraushalten oder eine Kompromiss suchen. Waagemenschen suchen ständig die ergänzende Hälfte, damit die Waage im Gleichgewicht ist. Für die Waage ist die Meinung der Umwelt wichtig, sie wägt die Meinungen der andern ab und liebt den Kompromiss. Die Waage ist Symbol für die Gerechtigkeit.

Der Wassermann ist trotz seines Namens ein Luftzeichen. Er steht über dem Wasser in der klaren Luft und gießt das „Wasser des Geistes“ aus.

Der Wassermann liebt die Unabhängigkeit wie kaum ein anders Tierkreiszeichen, erkann deshalb niemals einem Guru verfallen. Während die Waage sagt: „Wir sind alle gleich“ und sich deshalb in der Gemeinschaft wohl fühlt, sagt der Wassermann: „Wir sind alle verschieden“. Er geht deshalb seinen eigenen Weg.

Das anbrechende Wassermann-Zeitalter ist ein Zeichen, in dem die verschiedenen Menschen sich zwar akzeptieren, aber es ist keine Gleichmacherei, sondern im Gegenteil eine Vereinigung der Gegensätze. So geht es auch in der ökumenischen Bewegung nicht um Gleichmacherei. Sondern um eine Einheit in der Verschiedenheit.

Wenn wir die Zwillinge meditieren, können wir uns fragen: Wie steht es mit meiner Flexibilität? Wie kann ich es lernen, mich auf neue, ungewohnte Situationen einzustellen?

Als Waagemenschen kann ich fragen nach meiner Fähigkeit, Frieden zu stiften und Harmonie zu verbreiten. Wie steht es mit meiner Toleranz und der Fähigkeit, die Meinung anderer gelten zu lassen?

Der Wassermann hat die reinste Beziehung zur geistigen Welt und ist deshalb die Zentralfigur der Luft-Symbole. So können wir uns hier fragen: Wie steht es mit meinem Kontakt zur geistigen Welt? Wie ist meine Einstellung zur Religion?

Die Luft ist das Element, das uns am stärksten daran erinnert, das wir nur dann zu unserem Menschsein heranreifen, wenn der Geist Gottes unser Leben erfüllt und regiert.

Vier Sonntage im Advent – vier Gesichter Gottes, die auch unsere Gesichter sind.

An Weihnachten kommt noch ein fünftes Gesicht hinzu, gewissermaßen als Quintessenz, nämlich das Gesicht des „Sol invictus“; der unbesiegbaren Sonne, die Symbol des Christus und unseres wahren Selbst ist. In Christus sind alle Elemente und alle Tierkreiszeichen vereinigt. Dieser Christus ist nicht nur in Bethlehem geboren, sondern er will in uns allen Gestalt gewinnen und uns zur Ganzheit führen.

Georg Koch                                                                                                                                                                               

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