Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

Einen neuen Zugang zu Weihnachten zu gewinnen, aus einer neuen Perspektive sich Gott und dem Menschen annähern, dazu möchte ich einladen mit neuen, alten Bildern und Symbolen.

Die vier Elemente können uns hier eine Hilfe sein: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Der Prophet Ezechiel schaute in einer Vision die vier Elemente: Ich sah, wie ein gewaltiger Wind kam, und eine große Wolke und loderndes Feuer und mitten im Feuer Blinkendes Erz. (Ezechiel 1,4).

Und inmitten dieser vier Elemente schaut der Prophet vier lebende Wesen. Er schreibt:  Ihre Gesichter sahen so aus: vorne: ein Menschengesicht, auf der rechten Seite: ein Löwengesicht, auf der linken Seite: ein Stiergesicht und hinten ein Adlergesicht. (Ezechiel 1,10)

Diese vier Gesichter drücken etwas vom Wesen Gottes aus und auch von unserem Wesen, da wir Gottes Geschöpfe sind. Wie das Wesen eines Künstlers in seinen Kunstwerken erkannt werden kann, so auch das Wesen Gottes in der Schöpfung.

Zur Erde gehört seit alters das Symbol des Stieres. Sprachlich erinnert das Wort Stier an „starr“ und „stur“. Der Stier symbolisiert die starre und sture Beharrlichkeit der Erde.

Das Stiergesicht offenbart somit das beharrliche und zuverlässige Erd-Gesicht Gottes.

Das Element Erde und das damit verbundene Stier-Gesicht sind Symbole des zuverlässigen mütterlichen Gottes.

Diese Seite des Wesen Gottes soll uns zum 1. Advent leiten, Gott verstehen zu lernen als einen Gott, der birgt und zuverlässig ist.

Wenn so am ersten Advent die Erde im Mittelpunkt steht, dann sind ihm die Symbole Steinbock, Stier und Jungfrau zugeordnet.

Der Gegentyp des Erdenmenschen ist der Feuermensch, der am 3. Advent unsere Betrachtung bestimmen wird.

Wir alle stammen aus der einen Erde – deshalb wird jetzt eine Kerze angezündet - , in ihr haben wir unsere Wurzeln und zu ihr kehren wir zurück.

Wenn wir uns am ersten Advent mit dem Erdgesicht befassen, dann können wir die Tierkreiszeichen meditieren, die der Erde zugeordnet sind.

Die Unterschiede zwischen den drei Aspekten des Erdmenschen hat Oskar Adler in einem Bild verdeutlicht.

Er ordnet den drei Tierkreiszeichen den dreifachen Umgang mit der fruchtbringenden Erd zu: dem Steinbock das Pflügen und Säen, dem Stier das „Warten“ (und zwar im doppelten Sinn: als Hegen und Harren) und der Jungfrau das Ernten.

Der Steinbock bricht den Boden auf, er pflügt und sät, so dass Neues entstehen kann.

Der Steinbock-Mensch ist ein Mensch, der hart und diszipliniert arbeitet. Er pfadet Wege für den Neubeginn, ihm wird Genügsamkeit und Ausdauer zugeschrieben. Er ist getrieben von einem inneren Muß, er ist ein Mensch, der sich in eine Aufgabe hineinkniet.

Der Stier ist der Venus zugeordnet. Er bestimmt den Monat Mai, den Monat des Wachstums (Monat Marias). Der Stier hat eine besondere Nähe zum Wachstum. Er hat die Fähigkeit, materielle Probleme zu lösen und seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die fünf Sinne spielen für ihn eine wesentliche Rolle.

Er ist der Hauptrepräsentant der Erde und deshalb ihr zentrales Symbol. Der Stier liebt die Geselligkeit, Nähe, Vertrautheit und Wärme. Stiermenschen sind zuverlässige Menschen. Sie halten, was sie versprechen.

Das dritte Erdzeichen ist die Jungfrau. Sie wird häufig mit einer Ähre abgebildet. Sie ist diejenige, die die Ernte einbringt. Die Jungfrau liebt das Vollendete, die Perfektion. Die Jungfrau liebt aber auch Zurückhaltung und Distanz, sie liebt das Klare und das Reine.

Um uns dem Geheimnis Gottes, des Lebens, des Menschen zu nahen, können wir uns also in den Erd-Aspekt einüben und werden feststellen, wie vielfältig Gott und das Leben ist.

Bei der Meditation des Steinbockes können wir fragen: Was muss in meinem Leben neu werden? Wo muss ich jetzt etwas anfangen?

Als Stier-Mensch kann ich fragen: Was in meinem Leben muss wachsen und reifen? Was muss ich schützen und bewahren?

Als Jungfrau-Mensch frage ich: Was muss ich heute, in dieser Woche zum Abschluss bringen? Was habe ich angefangen, aber nicht zu Ende gebracht? Wogegen muss ich mich abgrenzen, damit ich Zeit und Kraft gewinne für das Wesentliche?

In der Adventszeit, der Zeit der Besinnung, könnten wir zu uns selber und zu Gott kommen auf eine neue Weise, indem wir die Elemente auf uns wirken lassen und in ihnen Kräfte Gottes und des Menschen sehen.

Dabei kann uns am ersten Advent ein Licht aufgehen: Ist Gott für mich ein mütterlicher, erdenhafter und zuverlässiger Gott? Bin ich selber der Erde verhaftet, der Realität? Welche Sehnsüchte schlummern in mir, die durch das gegenteilige Element, das Feuer, ausgelöst werden können?

So lade ich ein, die Adventszeit einmal auf ungewöhnliche Weise zu begehen und zu meditieren. Es ist ein Zugang für das Geheimnis von Weihnachten, die Erdwerdung Gottes.

Georg Koch

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