Ungereimtheiten des Lebens

Wie wird man lebendig? Aus welchem Stoff sind die Ereignisse, die einen auf das Leben hinweisen? Gibt es ein Dasein ohne Brüche? Wann begegne ich dem auferstandenen Jesus Christus?

Im heutigen Evangelium, wo Jesus den Jüngern zum dritten Mal erscheint, finden sich soviel Widersprüchlichkeiten, so dass ich sie als Schlüssel zum Verständnis dieser Erzählung deute.

Sieben Jünger werden am Anfang der Schilderung genannt, einige mit Namen, bei den anderen sollen wir unsere Namen einfügen. Sieben ist die Zahl der Veränderung, der Verwandlung, der Neuschöpfung. Es ist die Zahl wo Gott und die Welt zusammenkommen und damit etwas Neues und Wunderbares geschieht.

Vier meint die Welt, drei meint Gott und beides zusammen spricht von den sieben Schöpfungstagen. Es geht also um eine Neuschöpfung.

Simon Petrus geht fischen, aber er fängt die ganze Nacht nichts. Die anderen sagen: Wir kommen mit. Es ist wie einmal ein Kabarettist sagt: Bei vielen Menschen ist ihr Sein das Dabeisein. Und wenn man nur dabei ist, dann bleiben die Lebensnetze leer. Da ereignet sich nichts Schöpferisches oder Verrücktes. Eingefahrene Bahnen.

Am Morgen – wie beim Schöpfungsmorgen – steht Jesus am Ufer und sagt: Kindlein, bringt mir etwas zu essen. Diese Anrede ist die Antwort auf die Leere und zugleich die Einladung, das Leben noch einmal zu wagen. Kindlein erinnert einmal an Vertrauen und zum anderen an Autorität. Es meint nicht Unmündigkeit. Die sieben Jünger antworten: Wie am Anfang des Schöpfungsmorgens, es ist Chaos, wir haben nichts.

Nun fordert der Meister sie auf: Werft Eure Netze auf der rechten Seite aus. Beginnt Euer Leben und Tun mit einer neuen Einsicht. Rechts ist die königliche Seite des Menschen und rechts ist die Seite Gottes. Jesus wird sich zur rechten Seite Gottes setzen. Dem Zacharias wird die Geburt eines Sohnes verkündet von dem Engel, der auf der rechten Seite des Altares erscheint. So können wir schlussfolgern: Aus der Perspektive Gottes heraus, von seiner Sicht her, vom Ufer der anderen Seite her, kann sich das Leben immer wieder füllen. – Jesus stand am Ufer, er ist hier Grenzgänger zwischen Tag und Nacht, zwischen Meer und Land, zwischen festem Boden und schwebendem Dasein. –

Als sie die Netze übervoll haben, sagt der Jünger, der Jesus liebt: Es ist der Herr! Petrus hingegen zählt die Fische. Das Intuitive und Spontane und Überraschende und das Praktische gehen eine Einheit ein und finden zu einer neuen Erkenntnis.

Hundertdreiundfünfzig Fische werden gezählt. Zu der Zeit , wo dieser Stoff des Lebens entstand, kannte man 153 Fischsorten, was darauf hinweisen könnte, dass alle Völker, die gesamte Schöpfung, gemeint ist, wenn es um die Verkündigung des neuen Lebens geht. Dann sehen sie Kohlenfeuer am Boden und Jesus lädt sie ein, das Ihrige hinzuzubringen, Es ereignet sich eine neue Einheit, Göttliches und Menschliches kommt zusammen und man wird satt.

Keiner fragte, wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Und Jesus gab ihnen zu essen.

Ein Text voller Ungereimtheiten, der Sinn macht.

Bei unserem Arbeiten und beim Mahl feiern, begegnen wir dem neuen Leben, können wir selber eine Neuschöpfung werden.

Gerade die Ungereimtheiten sind der Stoffe, aus dem diese Geschichte entstanden ist. Wenn wir solche Ungereimtheiten in unserem Leben entdecken, dann können wir dem Leben näher sein, lebendiger sein, als wenn alles in eingespurten Pfaden verläuft. Also: ein Buchalterdasein, ein genaues Auflisten aller Erfahrungen, lässt uns eher abstumpfen und wir wirken wie tot.

Wenn uns jemand sagt: Du bist ver-rückt, dann mag es sein, dass wir gerade aus dem Grab auferstanden sind. Die Brüche und Ungereimtheiten und Überraschungen des Lebens entbergen das wirkliche Leben. Das ist der Stoff, aus dem die Geschichten für das Leben gestrickt werden.

Seien sie also öfters und immer wieder verrückt!

Pastor Georg Koch

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