Sonntagspredigten 2013

Diamantene Kommunion 2013 - Ostermontag 2013

Predigt zur Diamantenen Kommunion 2013

Liebe Kommunionkinder, das mag sich 1953 viel strenger angehört haben als heute Morgen. Pfarrer Fuhrmann mit seiner unvergleichlichen Strenge hat bei Ihnen eher Argwohn hervorgerufen statt Wohlwollen. Er und Sie waren Kinder ihrer Zeit.

60 Jahre werden an Ihnen vorbei ziehen und man wird fragen, wie steht es heute mit unserem Glauben. Wie viel ist in diesen Jahren erschlafft, ermüdet, was ist lebendig geblieben, wenn auch eher verschüttet.

Ein großer Künstler kann uns vielleicht helfen, Bilanz zu ziehen. Er war ein großer Operntenor, seine Stimme war so klar und gewaltig, dass sie heute noch die Zuhörer in Bann schlägt: Enrico Caruso. Enrico Caruso  wurde in Neapel als achtzehntes von einundzwanzig Kindern geboren. Seine Eltern waren ganz einfache Leute. Er musste einen langen Weg  zurück leben bis er auf der Höhe seiner Laufbahn war.

Immer wieder wurde der weltberühmte Tenor unmittelbar vor seinem Auftritt plötzlich vom Lampenfieber überfallen. Er glaubte manchmal, die Angst schnüre ihm seine Kehle zu. Der Gedanken, in wenigen Augenblicken auf die Bühne treten zu müssen, ließ ihm erzittern. Er sagte: „Ich mache mich zum Gespött; ich kann nicht singen!“ Dann aber riss er sich zusammen und erklärte energisch: „Mein kleines Ich will das große Ich in mir ersticken.“ Daraufhin wandte er sich an dieses kleine Ich und sprach es unmittelbar an: „Hinweg mit dir, das große Ich will durch mich singen!“ Als sein Stichwort fiel, betrat er die Bühne und seine Stimme erklang, als sei sie aus einer anderen Welt.

Ich glaube, die meisten Menschen können von ähnlichen Erfahrungen berichten. In uns ist ein kleines Ich, dass sich oft in den Weg stellt. Es ist eine innere Stimme, die uns Angst und Bedenken einflößt. Das kleine Ich in uns macht uns unnütze Sorgen, bezieht alles auf sich, vergiftet unsere Beziehungen. Es wittert in allem Unheil und lähmt unsere Arbeit.

Diesem kleinen Ich müssen wir entschieden entgegen treten. Enrico Caruso besiegte es, indem er kraftvoll sagte: „Hinweg mit dir, das große Ich will durch mich singen!“

Das große Ich in uns ist jene Kraft, die etwa wagt, die mutig Angst und Hindernisse überwendet. Das große Ich  sucht das Gute, Schöne und Echte. Das große Ich setzt sich für andere ein.

Ich glaube, dass ich ein ganzes Leben lang mit dem kleinen Ich ringen muss. Oftmals geschieht dies schon beim Aufstehen am Morgen. Eine innere Stimme flößt mir dunkle Gedanken ein, missmutig sehe ich den Tag vor mir.

Wenn Sie auf sechzig Jahre zurück blicken im Raum des Glaubens, dann werden Sie viele Situationen entdecken, wo das kleine Ich Ihr Vertrauen mindert: Was soll der Glaube mir bringen? Sind das nicht alles Märchengeschichten? Wo hat der Glaube mir geholfen? Ist es nicht wie bei den Jüngern im Evangelium, die bekennen mussten: Unsere Lebensnetze sind leer!

Dann käme es darauf an, ob wir dem Weckruf Jesus folgen werden: Fahrt noch einmal hinaus und werft eure Netze auf der rechten Seite aus. Die rechte Seite, das ist die geglückte Seite, die gelungene Richtung und die Tiefe unseres Herzens. Mit unseren großen Ich, unserem großen Herzen, sollen wir das Leben noch einmal wagen.

Heute mit fast siebzig noch einmal auf den Glauben einlassen. Sich daran erinnern, dass unser Leben sich nach Klang und Glanz sehnt. Das sich unsere Netze von der anderen Seite unseres Daseins füllen könnten. Sagen Sie nicht, dass sei zu spät.

Der Gehirnforscher Ernst Pöppel schreibt in seinem Buch „Je älter, desto besser“, mit der Gelassenheit des Alters komme man zu tiefen und reichen Erfahrungen. Lesen Sie es und Sie werden noch im Alter Sprünge machen.
Dem großen Ich trauen, das ist ein Abenteuer des Glaubens, nahe der Siebzig. Die Dichterin Hilde Domin hat es in ein paar Zeilen verdichtet:

„Nicht müde werden/ sondern dem Wunder/ leise/ wie einem Vogel/ die Hand hinhalten.“

Manchmal hat man sich über Jahre engagiert und dann – unmerklich – erschlafft man, will man alles hinwerfen. Der Glaube an das Schöne und Gute scheint zu erschlaffen. Dann sich daran erinnern, dass man einmal Wunder erlebt hat, wo man engagiert war, wo man glaubte, wo man ergriffen war. Dann nicht großspurig, sondern l e i s e   dem Wunder die Hand hinhalten. Nach innen hören, dass Lebensnetz von der anderen Seite füllen lassen und vielleicht wie der Lieblingsjünger bekennen: Es ist der Herr! Jene große Kraft in mir, jenes große Herz und jenes große Ich, dass mich in s Leben ruft. Auferstehung mitten im Alltag, beim Fischen, in der Familie, Nebenan!

Das können wir uns nicht verdienen, das bekommen wir geschenkt. Gut verdient habe ich in meinem Leben und viele von Euch auch. Ob wir dabei reich geworden sind? Nein, es gilt, die Hand hinzuhalten und das Leben füllen zu lassen mit Glauben und Vertrauen.

Wenn diese Stunden dazu geholfen hat, dann war unser Beisammen sein ein leises Wunder. Und so wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Tag!

Pastor Georg Koch

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