Sonntagspredigten 2005

Mensch werden im Land der Dankbarkeit und des Staunens

WEIHNACHTSPREDIGT 2005

Josef machte sich auf von Galiläa hinauf nach Judäa. Galiläa im aramäischen heißt Steinhaufen, Felsen. Judäa heißt Land der Dankbarkeit und des Staunens. Und nur wer sich aufmacht aus dem Land der festgeprägten Vorstellungen, der eisernen Begriffe, der Dogmen, des Messbaren, des Erklärbaren und hingelangt nach Bethlehem, nach Judäa, in das Land des Staunens und der Dankbarkeit, wird erfasst werden von jener Botschaft, die im Herzen eines jeden Menschen eingeschrieben ist.

Eine Botschaft, die heute Abend zum Klingen kommen soll, die uns verzaubern soll, die öffnen will eine Seite unserer Seele, die in einer Welt des Funktionierens, in einer Welt, wo wir Rollen auszufüllen haben, verloren gegangen ist.

Unsere Seele ist in vielen Bereichen verwüstet, verlassen, verödet. Und so haben wir als Menschen, so glaube ich, einen kleinen Docht von Sehnsucht, dass unser Leben auch von einem Staunen erfasst sein könnte, dass unser Leben auch in die Dankbarkeit hinein kommen könnte. Denn nur, wer ein großes offenes Herz, eine sensible Seele hat, der ist nicht von allen guten Geistern verlassen.

Und so wollen wir uns an diesem Abend einreihen in den Weg der Hirten. Die Hirten, sie sind vertraut mit der Nacht, mit dem Dunklen, mit dem Geheimnisvollen. Sie sind aufmerksam Hörende für Botschaften, die ganz weit weg von uns sind. Denn über ihnen ist der Himmel offen und sie sind fähig, Engelsbotschaften zu vernehmen, Gedanken Gottes. Und nur wenn wir Hirten sind, Nomaden, Heimatlose, dann wird es möglich sind, dass wir uns aufmachen nach Bethlehem.

Als die Hirten diese Botschaft vom Himmel vernommen haben, da sagen sie: wir müssen unbedingt nach Bethlehem durchkommen.

Wenn wir bleiben bei der Vision, bleiben beim Hören der himmlischen Botschaft, dann wird sich unser Leben nicht verwandeln.

Es ist so als wenn wir einen guten Gedanken haben, eine hervorragende Vision, ein wunderbares Ziel vor den Augen, dann käme es darauf an, dass wir uns auch sagen: Wir müssen uns aufmachen und durchkommen, damit diese Vision, damit diese Liebe, damit all das, was unserem Leben Glanz und Herrlichkeit gibt, auch wirklich Wirklichkeit  wird.

Warum sind es Hirten, denen das verkündet wird? Da müssen wir weit zurückschauen in die Geschichte des Menschen: Kain und Abel. Kain war Ackerbauer, er besaß was, war unbeweglich. Abel war Hirt. Der Hirt, der unterwegs war, der Stimmen hören konnte vom Himmel. Beide bringen Gott ein Opfer dar und Gott schaut auf das Opfer des Abel mit Wohlgefallen.

Genau da ist die Stelle, wo wir auch noch einmal uns einfinden müssen. Denn Gott sagt dem Heimatlosen, dem Nomaden, dem der unterwegs ist, dem der das Neue sucht, ihm sagt er: Du bist ein Mensch meines Wohlgefallens.

In einer Kirche, die allzu sesshaft geworden ist, die allzu sehr Moral verkündet statt Heilung, die auf festgefahrenen Vorschriften besteht, in einer solchen Kirche ist es auch schwer Nomade zu sein, nach Bethlehem zu kommen.

Aber nur, die aufbrechen, die nicht mit ihrem Hintern auf allem sitzen, nur denen wird gesagt, sie werden die Verheißung, die ihnen zugesprochen wurde, als Wirklichkeit erfahren.

So machen die Hirten sich auf den Weg, sind Abenteurer, vielleicht so wie die meisten heute Abend, die sich manchmal nur zweimal im Jahr aufbrechen und Abenteurer ihrer Seele sind. Damit unser Leben etwas mehr ist als nur Essen und Trinken und Geld verdienen.

Sie machen sich auf und sagen: Wir müssen durchkommen! Und sie kommen nach Bethlehem  und mitten auf den Fluren vor Bethlehem, da waren auch zwei, die sich aufgemacht hatten. Josef und Maria aus dem Land des Steinhaufens in das Land der Dankbarkeit.

Nur da kann Gott geboren werden, nur da kann in einem Kind das Neue des Lebens erscheinen.

Dort finden sie das Kind, so wie der Engel es ihnen verheißen hatte, in einer Krippe in Windeln eingewickelt.

Ist das nicht banal? Da hören sie eine wunderbare Vision, himmlische Stimmen, Gottes Gedanken, und dann werden sie geführt zu einem Kind in der Krippe in Windeln eingewickelt.

Was möchte der Schriftsteller, der Dichter Lukas, uns mit dieser Botschaft uns sagen? Zu welcher Einsicht will er uns führen? Er will sagen: Gott ist in das irdische eingebunden, das Himmlische ist im Zeitlichen zu finden, das Göttliche ist im Menschlichen verborgen, es ist mitten in deinem Leben.

Der große Gott, der uns in Kindheitstagen oft als der drohende Gott verkündet wurde, wird zu einem zerbrechlichen Kind.

Gott ist eingewickelt in diese unsere Welt.

Das ist die ungewöhnliche und frohe Botschaft dieses Abends: Gott hat etwas mit deinem und meinem Leben zu tun. Er will eingewickelt sein in deinen Alltag.

Nicht da, wo du große Träume hast, wo du auf dem Berg des Erfolges stehst, sondern vor allem da, wo du klein, wehrlos und ohnmächtig bist wie ein Kind, ist er bei dir.

Ein Kind lieben wir, nicht weil es etwas geleistet hat oder etwas vorweisen kann, sondern einfach weil es da ist, wir es in unseren Armen wiegen können. Das ist die frohmachende Botschaft von Weihnachten: Ihr seid euch geschenkt.

Wenn ihr das im tiefsten Vertrauen annehmt, dann kann euer Leben gut werden. Euer Leben kann gut werden – das ist die Überschrift über Weihnachten.

Aber nicht wenn du im Land der Steine, der festen Vorschriften lebst, sondern nur wenn du ein Nomade bist, einer, der den Himmel offen sieht.

Und so wird ihnen Friede zugesagt, Friede den Menschen nach Gottes Wohlgefallen, so wie Abel bei Gott Wohlgefallen fand.

Wenn der Mensch spürt, das sein Leben aufgehoben ist, dass er trotz aller Schuldhaftigkeit und allem Versagen noch einmal kraftvoll neu anfangen kann, dann ist im Menschen Frieden, ist er mit sich und mit Gott stimmig.

Und so haben wir eine frohe Botschaft, dass die Liebe Gottes sich eingemischt hat in menschliches Dasein, dass sie eingewickelt ist in unsere Vergänglichkeit.

Sie, die Liebe Gottes, ist zu finden in einem Futtertrog. In einem Futtertrog fanden die Tiere Nahrung und wenn Gott sich da befindet, dann will er unserem Leben Nahrung und Stärke sein.

Wenn wir mit diesem Gedanken hinaus gehen, dass Gott eingewickelt ist in unser Leben und dass unser Leben dadurch göttlichen Glanz bekommt, dann werden wir einander anders begegnen. Es wird sich ein großes Staunen in unserem Dasein auftun: In jedem Menschen ist Gott Mensch geworden. Er ist Fleisch geworden, nicht in dem Starken und nicht in dem Schönen, sondern in jedem Menschen.

So wird Frieden in uns einkehren. Wir sind Hirten geworden, wir sind ihresgleichen.

Georg Koch

Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

4. Sonntag im Advent – Tag der Luft

Der vierte Sonntag im Advent ist der Tag der Luft oder des Geistes. Am 4. Advent zünden wir vier Kerzen an. Die Vier ist eine Ganzheitszahl. Sie steht für die vier Himmelsrichtungen, für die vier Jahreszeiten oder für die vier Elemente. Die vier verweist somit hin auf die ganze oder heile Schöpfung.

Dem 4. Adventsonntag ist das Evangelium von der Ankündigung der Geburt Jesu zugeordnet. Engel verkünden Josef im Traum und Maria die Geburt des göttlichen Kindes.

Engel sind „Wind-Götter“. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ist das Wort für Wind identisch mit dem Wort für Geist.

Dem Propheten Elia begegnet Gott in einem sanften, stillen Sausen, und an Pfingsten kommt Gottes Geist in einem gewaltigen Sturmwind.

In der Vision des Ezechiel wird der Luft- oder Geist-Aspekt Gottes durch das Gesicht eines Menschen dargestellt.

In der Gestalt des Jesus von Nazareth zeigt Gott sein Angesicht von vorne. Im Menschen Jesus hat sich Gott am vollkommensten geoffenbart – in ihm zeigt er sein eigentliches Wesen.

Bei dieser Menschwerdung Gottes durch den Geist spielen Engel eine besondere Rolle.

Die Begegnung der Maria mit dem Engel Gabriel, der die Geburt Jesu ankündigt, wird vielfältig in der Kunst dargestellt.

Die Entstehung des Kindes ist verbunden mit der Botschaft des Engels. Psychologisch kann diese Botschaft als „Einfall“ oder als „Intuition“ gedeutet werden, die uns „beschwingt“ und „beflügelt“ und die Entstehung des inneren Kindes bewirkt. Es ist ein Erfülltsein und Ergriffensein von einem inneren Auftrag, als ein Müssen, das sich mit der Vernunft allein nicht erklären lässt.

Auf dem bekannten Verkündigungsbild des Matthias Grünewald ist Maria mit Lesen beschäftigt. Sie sitzt vor einem Buch und liest die göttliche Verheißung: „Siehe, eine junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen“ (Je 7,14).

Durch das Buch wird zum Ausdruck gebracht, dass die Geburt des göttlichen Kindes durch das göttliche Wort geschieht. Maria hält dem Engel außerdem ihr Ohr hin, damit das Verheißungswort befruchtend in sie eindringe.

Bei Grünewald kommt im wehenden Engelsgewand und in der eindrücklichen Darstellung der Geistes-Taube der Luft (=Geist)-Charakter des Verkündigungs-Vorganges besonders deutlich zum Ausdruck und damit die Botschaft, dass die Mensch-Werdung des göttlichen Kindes durch den Geist geschieht.

Auf der menschlichen Ebene wenden wir uns deshalb jetzt dem Element Luft zu. Der Luft sind die Symbole Zwillinge, Waage und Wassermann zugeordnet.

Luft ist leicht und klar. Sie hat zum Unterschied zum Wasser keine Tiefe. Die Luftmenschen werden deshalb häufig als oberflächlich empfunden. Die Luftmenschen sind die einzigen, in denen kein Tier vorkommt. Zwillinge, Waage und Wassermann haben sich aus der Erdgebundenheit heraus entwickelt. Sie brauchen deshalb umso nötiger die Ergänzung durch die anderen Tierkreiszeichen.

Luftmenschen haben es mit der „oberen“ Welt zu tun, mit dem Denken. Es sind also Denktypen. Sie haben einen weiten Blick. Sie sind nicht engstirnig, sondern offen für neue Ideen.

Weil sich Luftmenschen in den Höhen des Geistes bewegen, wirken sie oft kühl oder kalt. Luftmenschen sind abstrakte Denker, sie akzeptieren nur das, was sie verstehen. Selbst ihre Gefühle erfassen sie mit dem Denken.

Wenn wir uns am 4. Advent mit dem Luft-Aspekt befassen, dann begegnen uns dieser Aspekt wieder in drei Zeichen.

Wenn wir zu einem dieser drei Zeichen gehören, können wir uns selber und unsere beiden Geschwister näher kennen lernen, wenn wir zu einem anderen Zeichen gehören, dann haben wir die Chance, einem uns vielleicht recht fremden Aspekt zu begegnen.

Wenn wir uns die drei Luft-Zeichen vorstellen, dann können wir uns die Zwillinge als Windböen vorstellen, die ständig wechseln – mal stark, mal weniger stark, mal kommt der Luftstoß aus der einen Richtung, mal aus der anderen.

Die Waage dagegen ist ein milder, sanfter, warmer Wind an einem Sommerabend oder auch ein „goldener Oktober“-Wind – die Waage beherrscht ja den Oktober.

Der Wassermann gleicht der kühlen, klaren Höhenluft, der Welt des reinen Geistes.

Zwillinge offenbaren die Doppelqualität alles Seienden. Sie erfahren in sich selber die Aspekte menschlich/göttlich, sterblich/unsterblich, männlich/weiblich, alt/jung und so weiter.

Für einen Zwilling gibt es nie nur eine Wahrheit, sondern für ihn hat jede Wahrheit viele Gesichter. Zwillinge sind neugierig, möchten gerne alles kennen lernen. Sie habe große Mühe, sich für eine Sache zu entscheiden, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt. Zwillinge sind flexibel und können sich schnell auf eine neue, unvorhergesehene Situation einstellen.

Waagemenschen haben eine hohen Sinn für Schönheit und Harmonie. Sie lieben Heiterkeit und Gemeinschaft, es sind versöhnliche Menschen, die sich gerne aus Konflikten heraushalten oder eine Kompromiss suchen. Waagemenschen suchen ständig die ergänzende Hälfte, damit die Waage im Gleichgewicht ist. Für die Waage ist die Meinung der Umwelt wichtig, sie wägt die Meinungen der andern ab und liebt den Kompromiss. Die Waage ist Symbol für die Gerechtigkeit.

Der Wassermann ist trotz seines Namens ein Luftzeichen. Er steht über dem Wasser in der klaren Luft und gießt das „Wasser des Geistes“ aus.

Der Wassermann liebt die Unabhängigkeit wie kaum ein anders Tierkreiszeichen, erkann deshalb niemals einem Guru verfallen. Während die Waage sagt: „Wir sind alle gleich“ und sich deshalb in der Gemeinschaft wohl fühlt, sagt der Wassermann: „Wir sind alle verschieden“. Er geht deshalb seinen eigenen Weg.

Das anbrechende Wassermann-Zeitalter ist ein Zeichen, in dem die verschiedenen Menschen sich zwar akzeptieren, aber es ist keine Gleichmacherei, sondern im Gegenteil eine Vereinigung der Gegensätze. So geht es auch in der ökumenischen Bewegung nicht um Gleichmacherei. Sondern um eine Einheit in der Verschiedenheit.

Wenn wir die Zwillinge meditieren, können wir uns fragen: Wie steht es mit meiner Flexibilität? Wie kann ich es lernen, mich auf neue, ungewohnte Situationen einzustellen?

Als Waagemenschen kann ich fragen nach meiner Fähigkeit, Frieden zu stiften und Harmonie zu verbreiten. Wie steht es mit meiner Toleranz und der Fähigkeit, die Meinung anderer gelten zu lassen?

Der Wassermann hat die reinste Beziehung zur geistigen Welt und ist deshalb die Zentralfigur der Luft-Symbole. So können wir uns hier fragen: Wie steht es mit meinem Kontakt zur geistigen Welt? Wie ist meine Einstellung zur Religion?

Die Luft ist das Element, das uns am stärksten daran erinnert, das wir nur dann zu unserem Menschsein heranreifen, wenn der Geist Gottes unser Leben erfüllt und regiert.

Vier Sonntage im Advent – vier Gesichter Gottes, die auch unsere Gesichter sind.

An Weihnachten kommt noch ein fünftes Gesicht hinzu, gewissermaßen als Quintessenz, nämlich das Gesicht des „Sol invictus“; der unbesiegbaren Sonne, die Symbol des Christus und unseres wahren Selbst ist. In Christus sind alle Elemente und alle Tierkreiszeichen vereinigt. Dieser Christus ist nicht nur in Bethlehem geboren, sondern er will in uns allen Gestalt gewinnen und uns zur Ganzheit führen.

Georg Koch                                                                                                                                                                               

Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

3. Sonntag im Advent – Tag des Feuers

Der dritte Sonntag im Advent ist der Tag des Feuers. Am dritten Advent zünden wir drei Kerzen an. Drei ist die Zahl der Bewegung, die ihren eindrücklichsten Ausdruck im lodernden Feuer findet.

Die Texte des dritte Advent sprechen von der Taufe des Johannes und davon, dass einer kommen wird und mit heiligem Geist und mit Feuer taufen wird (Lk 3,16).

Zum Wasser des 2. Advent kommt am 3. Advent das Feuer. Feuer und Wasser gehören zusammen. Feuer und Wasser sind als dynamische Polarität Ausdruck der Ganzwerdung des Menschen.

Wenn also im Evangelium des 3. Advent von der Taufe mit Wasser und Feuer die Rede ist, dann geht es hier um die Erfahrung der Ganzheit, um die Begegnung mit dem dunklen und dem hellen Gott, mit dem ganzheitlichen Gott, der unser Vater und unsere Mutter ist.

Taufe mit Wasser und Feuer bedeutet die Vereinigung der Gegensätze. Menschwerdung geschieht dort, wo in uns das Himmlische und das Irdische, das Bewusste und das Unbewusste, das Männliche und das Weibliche vereinigt werden.

Feuer ist Symbol für den dynamischen Aspekt Gottes. Im Unterschied zum mütterlichen Erd-Symbol ist das Feuer Symbol des väterlichen Gottes.

„Der ewige Gott ist ein verzehrendes Feuer (Deuternomium 4,24). Dieses verzehrende Feuer verzehrt alles, was unser Leben verfremdet und zerstört. Gott handelt durch sein Wort. Der Feueraspekt Gottes wird deshalb auch auf sein Wort übertragen.

Das Feuer begegnet uns besonders im Bild der Sonne, dem mythologischen Ursprung des Feuers, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Gott mit der Sonne in Verbindung gebracht wird.

Nun nähern wir uns von dem Aspekt des Feuers in Gott dem Aspekt des Feuers im Menschen. Dem Feuer sind die Symbole Widder, Löwe und Schütze zugeordnet. Feuermenschen brauchen Bewegungsfreiheit. Für Feuermenschen ist das Leben voller Möglichkeiten, die sie intuitiv erahnen.

Intuition ist die große Begabung der Feuermenschen. Sie haben Visionen, wie das Leben sein sollte, sein könnte, und tun etwas dafür, dass es so wird. Feuermenschen sind rastlos unterwegs, aber sie haben Schwierigkeiten mit der äußeren Realität, wenn sie sich ihren Visionen und Intuitionen entgegenstellen.

Besondere Schwierigkeiten haben Feuermenschen mit starren, konservativen Elementen. Das ist einleuchtend, denn der Gegenpol des Feuermenschen ist die Erde. Die fehlt oft den Feuermenschen.

Der dritte Advent bietet dem Feuermenschen die Möglichkeit, sich selber und seine beiden Geschwister näher kennen zu lernen und zu meditieren. Die anderen haben die Möglichkeit, sich mit einem ihnen weniger vertrauten Aspekt ihrer Psyche zu befassen.

Wenn wir die drei Feuersymbole des Tierkreises bestimmten Feuer-Aspekten zuordnen wollen, dann könnte der Widder für die ungestüme Gewalt des Feuer stehen, die in Hochöfen Eisen zum Schmelzen bringt oder unbändigen Schaden anrichten kann.

Der Löwe dagegen steht für den wohltuenden, wärmenden und leuchtenden Aspekt des Feuers. Er steht für das Feuer der Sonne, das die Welt durchstrahlt und wärmt.

Das Feuer des Schützen ist der Feuer-Aspekt des göttlichen Geistes, der verwundet und heilt.

Der Widder ist das erste Zeichen des Tierkreises. Er bricht dem Neuen Bahn. Er ist der nach vorwärts stürmende, „rücksichtslose“ (= der nicht zurück-schauende) Mensch im Sinne des Jesus-Wortes: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“ Er ist der todesverachtende Mensch, der voll dem Leben zugewandt ist.

Widdermenschen brauchen immer etwas  worauf sie ihren Tatendrang richten können, was sie „anfeuert“. Oft verpuffen sie aber auch ihre Kräfte in einem „Strohfeuer“. Für die Widdermenschen bietet die Welt lauter unentdeckte Möglichkeiten. Widdermenschen geben oft Anstoß zu einem wesentlichen Fortschritt. Manchmal sind sie aber auch „anstößig“, je nachdem, wie Menschen sich zum Tatendrang der Widdermenschen einstellen.

Ein zweites Feuerzeichen ist der Löwe. Traditionell verbindet man den Löwen-Menschen mit Stolz, Eitelkeit, aber auch mit Würde, Selbstsicherheit und Kraft. Löwen-Menschen stehen gerne im Mittelpunkt,

Wenn ein Löwe-Mensch den Weg zur Selbsterfahrung und Selbstwerdung beschreitet, dann kann sein natürliches Gefühl für Würde und Strahlkraft auch auf andere übergreifen.

Der Löwenmensch ist Symbol für ein ICH, das mit sich selber ringt, bis es von seinem wahren SELBST besiegt wird.

Der Schütze ist der Kentaur, eine Verbindung von Tier und Mensch, der mit dem Pfeil nach oben, nach dem Göttlichen zielt.

Er ist der Mensch, der sich aus dem Tier heraus erhebt und nach dem Göttlichen strebt. In diesem Schützenaspekt steckt eine ungeheure Dynamik. Der Schütze fragt nach dem Sinn des Lebens und seiner Handlungen. Bei ihm ist die Intuition oft besonders stark ausgebildet, so dass er andere „erleuchten“ kann – wenn sie sich erleuchten lassen. Der Schütze kann mit seiner Direktheit auch schockieren. Er kann andere verletzen, ohne dass er es selbst merkt. Aber er kann auch heilen. Als Kentaur ist er der verwundete Heiler.

In der Adventszeit können wir die einzelnen Feuerzeichen meditieren und beim Widder fragen: Bin ich bereit, den mir von meinem wahren Selbst (= vom Christus in mir) vorgezeichneten Weg mit „Vorsicht“ aber ohne „Rücksicht“ gehen, auch wenn ich dadurch für andere „anstößig“ werde?

Beim Löwen geht es um die Frage: Wo kann ich durchlässig werden für meine „Sonnenseite“? Spürt man Umwelt etwas von der Wärme des in uns wohnenden Christus?

Bei der Meditation des Schützen können wir fragen: Lassen wir das Feuer Gottes so durch uns wirken, dass es verwundet oder heilt? Wage ich es, dem anderen die Wahrheit zu sagen – selbst wenn es schmerzt und verwundet?

Feuer ist das Element, das am stärksten zur Verwandlung und Reifung beiträgt. Es verwandelt und erneuert uns Menschen und die Welt. Vielfältige Erfahrungen können also beim dritten Advent bei uns angestoßen werden und wir können einen Gott erfahren, der wie Feuer in uns brennt und in uns leuchtet und uns alle Angst nimmt.

Georg Koch

Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

2. Sonntag im Advent – Tag des Wassers

Am zweiten Advent zünden wir zwei Kerzen an. Die Zahl zwei ist Symbol für die Gegensatzstruktur alles Geschaffenen.

Das Element Wasser soll uns dabei inspirieren. Während das Erd-Element die bergende Mütterlichkeit und Zuverlässigkeit Gottes zum Ausdruck bringt, kennzeichnet das Wasser-Element den nicht fassbaren Gott. Er erscheint uns manchmal hell und belebend, manchmal jedoch dunkel und bedrohlich. Das Wasser bringt somit die Gegensatzstruktur Gottes zum Ausdruck.

Das Wasser hat einen doppelten Aspekt: einmal ist es bedrohlich, ein andermal ist es lebensspendend.

So kommt in den Evangelien des 2. Adventssonntag die Taufe Jesu zur Sprache. Das Untertauchen im Wasser ist Symbol für das Sterben und den Tod, das Auftauchen aus dem Wasser ist Symbol für die Auferstehung und das Leben.  Wir erfahren so nicht nur den lieben Gott, sondern auch den nehmenden und fordernden Gott, der all das in den Tod hineinzieht wie ein Strudel, was dem Leben hinderlich ist.

Dem Element Wasser sind die Symbole Krebs, Skorpion und Fische zugeordnet. Wasser ist ein besonders wandlungsfähiges Element. Es verändert sich je nach Temperatur. Es kann kalt, warm oder heiß, fest, flüssig oder gasförmig sein.

Psychologisch ist Wasser der Gegenpol zu Luft. Während die Luft nach oben steigt, zieht es das Wasser nach unten. Während die Luft das Denken symbolisiert, ist das Wasser Symbol für die Gefühle.

Für einen Wassermenschen ist das, was er fühlt, die eigentliche Realität. Gefühle kann man nicht erklären. Es ist deshalb einem richtigen Gefühlsmenschen fast unmöglich, etwas logisch zu erklären.

Im Unterschied zum Luftmenschen haben Wassermenschen Tiefgang. Sie sind selten oberflächlich. Sie können sich gut in andere Menschen einfühlen, sie sind sensibel und empathisch.

Ihre Gefühle sind jedoch wie Wasser, sie kommen und gehen, es gibt keine beständigen Gefühle. Wassermenschen urteilen nicht nach „richtig“ oder „falsch“, sondern nach „angenehm oder unangenehm“. Ihre Urteile sind nicht objektiv, sondern subjektiv und deshalb manchmal auch unfair. Wassermenschen leben oft in einer Traumwelt. Im Unterschied zum Erdmenschen sind sie nicht an harter Arbeit interessiert, sondern eher am Spiel.

Die drei Symbole des Wasserzeichen sind Krebs, Skorpion und Fische. Sie machen deutlich, das wir es beim Wasser mit einem „fremden“ Element zu tun haben, mit einer uns Menschen verborgenen Welt.

Krebs, Skorpion und Fische sind Kaltblüter und leben in Regionen, in denen Menschen normalerweise nicht leben und auf die Dauer nicht leben können.

Die unterschiedliche Aspekte bei den Wassersymbolen sind: Im Krebs begegnet uns das Wasser als Regen, Quelle oder auch als Bach, also als erquickendes und fruchtbar machendes Wasser.

Im Skorpion begegnet uns das Wasser als Moor oder Strudel, als dunkles, hintergründiges und bedrohliches Wasser.

In den Fischen begegnet uns das Wasser als Ozean.

Das Wasser begegnet uns zunächst als Krebs. Der Krebs ist dem Mond zugeordnet, der „Luna“. Krebsmenschen sind deshalb „lunisch“, launisch, d. h. sie haben etwas von der Wechselhaftigkeit des Mondes.

Der Mond ist Ausdruck des Urweiblichen. Der Krebs sehnt sich nach Geborgenheit und Sicherheit. Ohne Geborgenheit fühlt sich der Krebs nackt und verletzlich. Er hat ein großes Bedürfnis nach Zärtlichkeit. Ein Krebs fürchtet überlegene Kritik, vor allem von Denkmenschen. Er kann sich der Schwachen annehmen und eine starke Empathie entwickeln. Er kann Menschen zu ihrer Entfaltung verhelfen, ihnen Mut einflößen, und wird dann für solche Menschen wie ein Trunk frisches Wassers. Krebs-Menschen sind empfindsam, sensibel und besitzen ein beharrliche Kraft. Wie Wasser passt sich die Krebsmensch den Situationen an. Ein Krebsmensch setzt sich durch Nachgeben durch und kann dadurch viel erreichen.

So könnte mit diesen Eigenschaften der Krebsmensch einen Gott entdecken, der sich der Schwachen annimmt, der ein köstlicher Trunk sein kann.

Ein weiteres Wasser-Zeichen ist der Skorpion. Im Skorpion kommt die Wandlungsfähigkeit des Wassermenschen besonders deutlich zum Ausdruck. Der Skorpion begegnet uns in der Überlieferung auch noch in zwei weiteren Gestalten, nämlich in seiner niederen, unerlösten Form als Schlange und in seiner erlösten Form als Adler.

Der Skorpion ist in besonderer Weise dazu aufgerufen, mit sich selber zu ringen. Er hat eine unerhörte Spannweite in sich. Es geht beim Skorpion-Menschen, der sich nach „oben“, zur Ganzheit hin entwickelt, immer darum, dass er die Schlange in sich selber, den nach unten ziehenden Aspekt, wahrnimmt und sich damit auseinandersetzt. Wenn ein Skorpion dies nicht tut, dann kommt seine Schlangen- und Drachenqualität zum Vorschein: Er kann fanatisch, dogmatisch, sadistisch und masochistisch sein.

Er hat eine besondere Fähigkeit, die Fehler anderer Menschen aufzuspüren und sie mit scharfem Stachel zu brandmarken. Er kann Menschen „eins auswischen“. Andererseits kann er aber auch – wenn er sich in Richtung „Adler“ entwickelt – eine enorme Selbstdisziplin entfalten.

Wenn ein Skorpion sich auf den Weg zur Ganzheit begibt, dann kann er große Willenskraft, Selbständigkeit und vor allem Tiefgang entwickeln.

Wenn ein Skorpion in seine eigene Tiefe hinabsteigt und sich auf die innere Reise begibt, dann kann er sich in einen Adler verwandeln, in das Haupt-Symbol des Wasserzeichen, das dem Evangelisten Johannes, dem ehemaligen „Donnersohn“ und dem späteren Apostel der Liebe zugeordnet ist.

Das dritte Wasserzeichen sind die Fische. Fische-Menschen haben eine hohe Empfindsamkeit und Verletzlichkeit, sie fühlen sich durch die Übermacht der auf sie einstürmenden Eindrücke oft überwältigt. Caspar David Friedrich hat ein Bild gemalt, auf dem ein einsamer Mönch vor einem riesigen Ozean steht. Das ist das Bild eines Fischmenschen.

Fischmenschen fühlen sich ausgeliefert an eine größer Macht, entweder an die Unterwelt oder an die eigene Tiefe. Fischmenschen haben hohe Ideale und Sehnsucht nach einer vollkommenen Welt. Sie leiden an der Diskrepanz zwischen diesen Idealen und der Realität.

Wenn wir in der Adventszeit uns auf den Weg der Meditation begeben, um uns und Gott besser kennen zulernen, dann können wir beim Krebs fragen: Wie steht es mit der Entfaltung unserer Gefühle (eine Frage, die besonders für die Luft-Menschen wichtig ist). Wir können weiter fragen: Gibt es in meinem Leben genügend Zeiten, in denen ich mich – wie ein Krebs – zurückziehen kann?

Beim Skorpion frage ich: Kenne ich die Abgründe meiner Seele? Kenne ich meine Schlagen- und Drachenseite? Wie kann ich mich mit den „dunklen“ Gestalten in meiner Seele auseinandersetzen. Dass aus dem Hin- und Hergerissen-Werden zwischen Himmel und Hölle die Gestalt des Adlers entsteht?

Oder wenn wir die Fische meditieren, können wir uns fragen, wo wir in unserem Leben verletzt worden sind und welche Wunden noch schmerzen. Wir können uns auch unseren „ozeanischen“ Gefühlen hingeben und uns unsere Träume und Sehnsüchte bewusst machen.

Die Meditation des Wasser-Elements in der zweiten Adventwoche ruft uns nicht so sehr zu Aktivitäten auf, sondern vielmehr zur Hingaben an unsere Gefühle, an Schmerz und Trauer, aber auch an Freude und Hoffnung, an Sehnsucht und Liebe.

So können uns die Betrachtung der vier Elemente helfen, zur Ganzheit unsers Daseins zu kommen und damit Gott erkennen lernen, der ja den ganzen Menschen symbolisiert.

Ein weiterer Aspekt wäre, dass das Kreuz all diese Element zusammenhält. Denn wenn wir nur nach einem Element unser Dasein ausrichten, dann kann es sein, dass wir zum Beispiel als Erdenmensch nur der Schwerkraft verhaftet sind und unser Leben sich nicht weiter entwickeln kann.

Vier Elemente

Verbinden Sie die Elemente mit einem Kreuz, dann wird Ihnen optisch deutlich, was zusammengehalten wird und was jeweils der Gegenpol ist. Der Gegenpol ist wichtig, weil in ihm die Sehnsucht verborgen ist, die uns jeweils fehlt. (Der sture Stier (Erde) benötigt den strahlenden Löwe (Feuer), um nicht einseitig zu leben)

Georg Koch

Vier Sonntage im Advent: vier Gesichter Gottes, vier Gesichter des Menschen

1. Advent – Tag der Erde

Einen neuen Zugang zu Weihnachten zu gewinnen, aus einer neuen Perspektive sich Gott und dem Menschen annähern, dazu möchte ich einladen mit neuen, alten Bildern und Symbolen.

Die vier Elemente können uns hier eine Hilfe sein: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Der Prophet Ezechiel schaute in einer Vision die vier Elemente: Ich sah, wie ein gewaltiger Wind kam, und eine große Wolke und loderndes Feuer und mitten im Feuer Blinkendes Erz. (Ezechiel 1,4).

Und inmitten dieser vier Elemente schaut der Prophet vier lebende Wesen. Er schreibt:  Ihre Gesichter sahen so aus: vorne: ein Menschengesicht, auf der rechten Seite: ein Löwengesicht, auf der linken Seite: ein Stiergesicht und hinten ein Adlergesicht. (Ezechiel 1,10)

Diese vier Gesichter drücken etwas vom Wesen Gottes aus und auch von unserem Wesen, da wir Gottes Geschöpfe sind. Wie das Wesen eines Künstlers in seinen Kunstwerken erkannt werden kann, so auch das Wesen Gottes in der Schöpfung.

Zur Erde gehört seit alters das Symbol des Stieres. Sprachlich erinnert das Wort Stier an „starr“ und „stur“. Der Stier symbolisiert die starre und sture Beharrlichkeit der Erde.

Das Stiergesicht offenbart somit das beharrliche und zuverlässige Erd-Gesicht Gottes.

Das Element Erde und das damit verbundene Stier-Gesicht sind Symbole des zuverlässigen mütterlichen Gottes.

Diese Seite des Wesen Gottes soll uns zum 1. Advent leiten, Gott verstehen zu lernen als einen Gott, der birgt und zuverlässig ist.

Wenn so am ersten Advent die Erde im Mittelpunkt steht, dann sind ihm die Symbole Steinbock, Stier und Jungfrau zugeordnet.

Der Gegentyp des Erdenmenschen ist der Feuermensch, der am 3. Advent unsere Betrachtung bestimmen wird.

Wir alle stammen aus der einen Erde – deshalb wird jetzt eine Kerze angezündet - , in ihr haben wir unsere Wurzeln und zu ihr kehren wir zurück.

Wenn wir uns am ersten Advent mit dem Erdgesicht befassen, dann können wir die Tierkreiszeichen meditieren, die der Erde zugeordnet sind.

Die Unterschiede zwischen den drei Aspekten des Erdmenschen hat Oskar Adler in einem Bild verdeutlicht.

Er ordnet den drei Tierkreiszeichen den dreifachen Umgang mit der fruchtbringenden Erd zu: dem Steinbock das Pflügen und Säen, dem Stier das „Warten“ (und zwar im doppelten Sinn: als Hegen und Harren) und der Jungfrau das Ernten.

Der Steinbock bricht den Boden auf, er pflügt und sät, so dass Neues entstehen kann.

Der Steinbock-Mensch ist ein Mensch, der hart und diszipliniert arbeitet. Er pfadet Wege für den Neubeginn, ihm wird Genügsamkeit und Ausdauer zugeschrieben. Er ist getrieben von einem inneren Muß, er ist ein Mensch, der sich in eine Aufgabe hineinkniet.

Der Stier ist der Venus zugeordnet. Er bestimmt den Monat Mai, den Monat des Wachstums (Monat Marias). Der Stier hat eine besondere Nähe zum Wachstum. Er hat die Fähigkeit, materielle Probleme zu lösen und seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die fünf Sinne spielen für ihn eine wesentliche Rolle.

Er ist der Hauptrepräsentant der Erde und deshalb ihr zentrales Symbol. Der Stier liebt die Geselligkeit, Nähe, Vertrautheit und Wärme. Stiermenschen sind zuverlässige Menschen. Sie halten, was sie versprechen.

Das dritte Erdzeichen ist die Jungfrau. Sie wird häufig mit einer Ähre abgebildet. Sie ist diejenige, die die Ernte einbringt. Die Jungfrau liebt das Vollendete, die Perfektion. Die Jungfrau liebt aber auch Zurückhaltung und Distanz, sie liebt das Klare und das Reine.

Um uns dem Geheimnis Gottes, des Lebens, des Menschen zu nahen, können wir uns also in den Erd-Aspekt einüben und werden feststellen, wie vielfältig Gott und das Leben ist.

Bei der Meditation des Steinbockes können wir fragen: Was muss in meinem Leben neu werden? Wo muss ich jetzt etwas anfangen?

Als Stier-Mensch kann ich fragen: Was in meinem Leben muss wachsen und reifen? Was muss ich schützen und bewahren?

Als Jungfrau-Mensch frage ich: Was muss ich heute, in dieser Woche zum Abschluss bringen? Was habe ich angefangen, aber nicht zu Ende gebracht? Wogegen muss ich mich abgrenzen, damit ich Zeit und Kraft gewinne für das Wesentliche?

In der Adventszeit, der Zeit der Besinnung, könnten wir zu uns selber und zu Gott kommen auf eine neue Weise, indem wir die Elemente auf uns wirken lassen und in ihnen Kräfte Gottes und des Menschen sehen.

Dabei kann uns am ersten Advent ein Licht aufgehen: Ist Gott für mich ein mütterlicher, erdenhafter und zuverlässiger Gott? Bin ich selber der Erde verhaftet, der Realität? Welche Sehnsüchte schlummern in mir, die durch das gegenteilige Element, das Feuer, ausgelöst werden können?

So lade ich ein, die Adventszeit einmal auf ungewöhnliche Weise zu begehen und zu meditieren. Es ist ein Zugang für das Geheimnis von Weihnachten, die Erdwerdung Gottes.

Georg Koch

Burn-out – Ausgebrannt sein

Das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen ist uns so bekannt, dass wir es wieder nicht kennen.

Eine Heilungsgeschichte ist es, eine Prophylaxe gegen das Ausgebrannt sein, eine Medizin zu heilsamer Selbstfürsorge.

Der Ski-Springer Sven Hannavald hatte zum erstenmal bei dem Vierschanzenspringen alle einzelnen Springen hintereinander gewonnen, er war noch Weltmeister im Skiweitspringen geworden, er hatte alles erreicht. Dann ging nichts mehr, er konnte an keinem Springen mehr teilnehmen. Er litt an dem Burn-out Syndrom. Eine Krankheit, wo man sich ganz ausgebrannt fühlt.

Scheinbar hat man sich bei dieser Krankheit keine Ruhepausen gegönnt, immer wieder gepowert, immer wieder sich eingesetzt – und dann spürt man: es sind keine Kräfte mehr da, man fühlt sich total leer.

Bei Menschen in den helfenden Berufen zeigt sich diese Diagnose ebenfalls sehr oft. Sie helfen, setzen sich ein, vergessen sich selbst – und dann geht auf einmal das Licht aus, man kann nicht mehr.

Da sind wir mitten in dieser Geschichte von den zehn Jungfrauen. Der Schriftsteller gebraucht dieses Bild vielleicht, um Menschen zu charakterisieren, die auf besondere Weise schöpferisch, kreativ sind. Menschen, die noch unverbraucht alles neue wagen, mit „jungfräulicher“ Kraft alles vor sich haben.

Aber die einen werden klug genannt und die anderen töricht. Was macht nun die Klugheit aus? Hinter der Klugheit steht das hebräische Wort, das „sehend“ oder „mit offenen Augen“ bedeutet.

Klug sind diejenigen, die die Augen offen haben für das, was kommt und nicht einfach in den Tag hineinleben. Sie haben eine Extraportion Öl für den Notfall dabei, haben ein Gefäß zum Nachfüllen mitgenommen. Sie denken also nicht nur an die unmittelbare Gegenwart. Vorrausschauendes Denken ist angesagt.

Wenn es eng wird, dann haben sie immer noch etwas, wo sie schöpfen können, wo sie neue Kraft finden.

Könnte hier nicht auch unser Glaubensleben gemeint sein? Haben wir da noch Reserven, wenn uns Not, Leid oder Widrigkeiten ins Haus stehen? Viele sagen bei Hausbesuchen oft, dass sie zwar nicht mehr Gottesdienstbesucher seien, aber immer noch gläubig und früher war ich Messdiener oder habe im Kloster in Bruche mitgeholfen, den Sendboten zu verschicken.

Aber diese Erfahrungen liegen schon vierzig Jahre und mehr zurück und in der Zwischenzeit ist der Glaube und das Glaubenswissen versickert und ausgetrocknet,

Bleiben wir noch einmal beim Gleichnis! Alle Jungfrauen, die zu dem Fest ihres Lebens unterwegs sind, schlafen ein. Da wird kein Vorwurf gemacht oder das hat keine einschneidenden Konsequenzen. Doch dann kann es dramatisch werden. Es erschallt der Ruf: Der Bräutigam kommt, das Leben kommt, das Fest kann beginnen.

Die einen lebten ihr Dasein wie eine Kerze – damals wie heute – haben sie angezündet und merken gar nicht, dass dieses Leben auf einmal ausgebrannt ist. Die anderen leben ihr Dasein wie eine Öllampe, die auch brennt und leuchtet, aber hier kann man Energie nachfüllen.

Hier liegt also der große Unterschied: die einen haben an jetzt gedacht. Und auf einmal sind sie ausgebrannt, burn-out.

Die anderen haben Nachschub. Und dieser Punkt, denken ich, ist das Heilsame und Therapeutische an der Geschichte. Ich verstehe sie als eine Einladung oder gar als eine Aufforderung zu heilsamer Selbstfürsorge und Selbstvorsorge: „Denk daran, dass du dich nicht unendlich „auspowerst“, dass du dich nicht ständig verausgabst, sondern sorge für deinen Nachschub, sorge dafür, wie du dich wieder füllen lassen kannst.“

Der zweite heilsame und therapeutische Impuls ist das eindeutige Nein-Sagen! Die törichten Jungfrauen betteln nun darum, dass die klugen ihr Öl mit ihnen teilen sollen.

Und nach christlicher Erziehung würden wir jetzt sagen: Gut, ihr habt einen Fehler gemacht, wir helfen euch.

Aber weit gefehlt: Selbstbewusst, emanzipatorisch und klar sagen sie NEIN! Und im Urtext steht sogar ein doppeltes nein.

Da haben wir zu schlucken. Sollen wir nicht als gute Christen den anderen helfen. Liebe deinen Nächste – wie dich selbst haben wir schon vergessen - , einer trage des anderen Last. Sind dies nicht alte Botschaft, die fest in unser Denken eingemeißelt sind?

Natürlich wissen wir auch, dass Jesus von der rechten Vorsorge spricht: Ein kluger Mann baut sein Haus auf Felsen, der kluge Verwalter ordnet – wenn auch nicht ganz legal – seine Verhältnisse zu seinen Gunsten...

Ohne Begründung und ohne große Erläuterungen sagen die Klugen: NEIN! Sie schützen sich und setzen Grenzen.

Dahinter steht auch noch die Autorität des Bräutigams. Als die Törichten später anklopfen, da sagt auch er NEIN. Ja, er kennt sie nicht.

Wir haben in unserem Kopf meist den lieben Gott. Aber Gott ist auch ein nehmender und ein fordernder Gott. Ein Gott, der auf Entschiedenheit pocht.
Klugheit, so will diese Geschichte uns sagen, erfordert zwei wichtige Schritte:

1) Selbstfürsorge und Selbstvorsorge im rechten Augenblick – und bei jedem sieht sie anders aus
2) NEIN-Sagen können ohne Gewissensbisse zu haben.

So wir dieses uns so bekannte Gleichnis zu einer Heilungsgeschichte, zu einer Wundergeschichte. Es heilt uns – und deshalb sollten wir uns öfter in dieses Geschichte hineinversetzen.

Georg Koch

Wir feiern das Leben

ALLERHEILIGEN 2005

An Allerheiligen feiern wir das Leben. Wir feiern nicht ein Leben, das dahindümpelt, das nur funktioniert. Wir feiern nicht ein Leben, das eingeengt ist in den Mauern dieser Welt. Wir feiern das Leben von Menschen, die lebendig waren und sind, obwohl sie zu den Verstorbenen zählen. Wir erinnern uns an ihr Leben, weil ihr Dasein unserem Leben Lebendigkeit, Licht und Farbe gab. Und wir bekennen, dass ein solches Leben nicht tot ist, sondern aufgehoben ist im Leben bei Gott. Deshalb versammeln wir uns um ihre Gräber. Schmücken sie mit Blumen und Lichtern, singen Lieder und sprechen Gebete für sie. Wir bleiben im Gespräch mit Ihnen. So werden uns Situationen bewusst, wo sie für uns besonders lebendig waren: Ihr unbekümmertes Lachen, Ihr Festhalten an einer bestimmten Idee oder Aufgabe, Ihre geradlinige Meinung gegen alles Einheitsdenken.

Wir feiern das Leben, weil Menschen mitten im Leben lebendig waren.

Und wir ahnen, dass dies immer eine Gratwanderung war und ist.

Denn wir erleben ja uns und andere auch mitten im Leben schon tot.

Der Dichter Gerhard Schöne hat in ein paar Zeilen markant und aufhorchend besungen, wie wir lebendig tot sein können und wie Leben aus dem Tod erweckt werden kann.

Lebendig tot

Manchmal ist man nicht erst tot,
wenn das Herz aufhört zu schlagen,
wenn sie einen auf der Bahre in den Kühlraum tragen,
nicht erst, wenn die Hand das letzte Mal ins Leere krallt,
nicht erst, wenn`ne Schaufel Erde auf den Sargdeckel knallt.

Vielleicht ist man längst schon tot, obwohl  man noch spazieren geht,
eigentlich schon unterm Rasen, obwohl man noch Rasen mäht,
an der Fernbedienung spielt, sich mit Sonnenöl einreibt,
noch Geburtstagskarten kriegt und selbst Geburtstagskarten schreibt.

Nur noch leere Muschel,
nur noch schöner Schein.
Ist das nicht das Schlimmste,
lebendig tot zu sein?

Manchmal kann es ganz schnell gehen,
wenn der Aufstieg nur noch zählt,
wenn man etwas sagen müsste,
aber doch die Schnauze hält,

Katastrophenmeldung, Lottozahlen, Actionfilm anguckt,
und das Ganze unverdaut mit einem Bierchen runterschluckt.

Manchmal stirbt man, wenn man völlig arglos eine Fliege quält.
Manchmal stirbt man, wenn man grinsend einen Judenwitz erzählt.
Manchmal stirbt man, weil die Watte einem aus den Ohren quillt.
Manchmal stirbt man daran, dass man immer seine Pflicht erfüllt.

Nur noch leere Muschel, nur noch schöner Schein.
Ist das nicht das Schlimmste, lebendig tot zu sein?

Wenn man mitkriegt, dass man tot ist, muss man laut um Hilfe schreien!
Manchmal haucht dann Gott persönlich einem noch mal Leben ein.
Manchmal schickt er einen Engel, der die Herzmassage macht,
bis die Tränen wieder fließen und das Herz im Leibe lacht.

Oh, das ist das größte Wunder, wenn ein Toter aufersteht,
wenn die Leichenstarre endet und in Leben übergeht,
wenn die Brust vor Schmerz und Freude, Glück und Trauer wieder bebt,
wenn die Augen wieder schauen und das Antlitz wieder lebt.

Sanfte, weiche Muschel,
heller Lichterschein.
Ist das nicht das Größte,
vom Tod erwacht zu sein?
 

Gerhard Schöne; Ich muss singen. Liederbuch, Baiersdorf 1995

Wir feiern das Leben: prallvoll, Tränen fließen, Lachen befreit, das Herz bebt, die Augen schauen das Schöne, die Ohren vernehmen die Zwischentöne, Hände beginnen zu streicheln.

Das ist ein Leben, was wir heilig nennen, was zur Heilung gekommen ist.

Dieses Leben feiern wir an Allerheiligen. Und Menschen kommen uns in Erinnerung, deren Kern so lebendig war, dass sie uns zum Vorbild geworden sind.

Allerheiligen wird zu einem Fest des Lebens, das den Horizont der Diesseitigkeit aufbricht. So feiern wir das ewige Leben.

Georg Koch

Der Rosenkranz – Stationen des Glaubens

Der Rosenkranz – Stationen des Glaubens

Das Psalmengebet der Kirche will Gott loben und preisen und unser Herz zu ihm erheben. 150 Psalmen sind es, die die Kirche betet und in denen sie Kraft findet für das eigene Glaubensleben.

Da aber das einfache Volk des Lesen und des Latein nicht mächtig war, hat sich das Rosenkranzgebet zu einem Psalterium der einfachen Leute entwickelt.

Der freudenreiche, der schmerzhafte und der glorreiche Rosenkranz mit ihren je 50 Ave Maria greifen das große Lob der Kirche auf und betrachten die Stationen menschlichen Lebens.

Wie im Philipper-Hymnus des Apostel Paulus (Philipper 2,5-11), wo die Menschwerdung Jesu beschrieben wird, so greift jeder Rosenkranz den Weg Jesu auf. Im freudenreichen Rosenkranz wird betrachtet wie Jesus sich entäußerte, also den Himmel verließ um Mensch zu werden. Im schmerzhaften Rosenkranz werden die Stationen seines irdischen Lebens mit Not, Leid und Tod aufgegriffen. Im glorreichen Rosenkranz wird betrachtet wie Jesus von den Toten auferstand, in den Himmel aufgefahren ist, uns seinen Geist gesandt hat und die Gottesmutter im Himmel gekrönt hat.

Es sind alles Hinweise wie ein gelungenes Leben sich aufgliedert und das unsere Heimat der Himmel ist. Sich dahinein zu versenken kann heilende Wirkung haben.

Der Name Rosenkranz entstand im Mittelalter und will uns hinweisen auf die Schönheit und den Duft des Lebens.

Die Minnesänger brachten ihren Geliebten Lieder dar und besangen sie als Rose, Lilie oder als Paradiesesgarten. Die Rose war ein Symbol für die Schönheit des Lebens. Die noch nicht aufgegangen Rose betört mit ihrer Farbe, die aufgehende Rose verströmt Duft und betört ebenso. Hier spielt eine Liebeslyrik eine große Rolle, die auf die Muttergottes übertragen wird,

Das Buch „Das Hohelied“ im Alten Testament kann hier Pate gewesen sein.

Ebenso war es im Mittelalter Brauch, das Bild der Geliebten mit Rosen zu umkränzen oder der Geliebten einen Rosenkranz zu flechten, den sie dann auf ihrem Haupt trug.

Eine alte Legende berichtet nun, dass ein junger Mann immer wieder das Bild der Gottesmutter mit einem Rosenkranz bekränzte. Eines Tages entschließt er sich, in eine Kloster einzutreten. Dort hat er aber nicht mehr die Möglichkeit sein Tun fortzusetzen und ist darüber sehr betrübt. Der Abtmönch sagt ihm: Der Gottesmutter sei ein Ave Maria gewiss viel wertvoller als Rosen und er solle statt der Rosen ihr einen Kranz aus Ave Maria flechten. Diese Legende fand weite Verbreitung und Widerhall bei den Gläubigen.

In der Apostelgeschichte haben wir eben gehört, dass Maria mit den namentlich genannten Aposteln im Obergemach versammelt waren und inständig im Gebet verharrten.

Von der Gottesmutter wird in der Geburtsgeschichte berichtet, dass sie all diese Worte in ihrem Herzen bewahrte und sie dort bewegte.

Beide Situationen machen uns deutlich, was das Wesen der Kirche ist: Einmütig im Gebet verharren und die biblischen Wort im Herzen zu bewegen. Und da sind wir schon mitten im Rosenkranzgebet.

Wenn wir die Geheimnisse, die wir in der Mitte des Ave Maria beten, als eine Rose ansehen, die noch verschlossen ist aber durch inständiges Gebet sich öffnet und Duft verströmt, dann führt dieses Gebet uns in einen Rosengarten. Und so besingen wir in einem Kirchenlied Maria ja auch als einen Rosengarten.

So kann auf mystische Weise uns das Rosenkranzgebet hineinführen in einen wunderbaren Paradiesesgarten. In diesem Garten ging Gott, so bereichtet der Schöpfungsbericht, spazieren und sprach im kühlen Abendwind mit dem Menschen. Es gab also im Ursprung unseres Daseins eine Unmittelbarkeit des Menschen zu seinem Gott und das Rosenkranzgebet könnte diesen Zustand wieder eröffnen.

Georg Koch

Das Rosenkranzgebet – eine Urtherapie

Das Rosenkranzgebet ist eine Urform des Betrachtens biblischer Glaubensstationen.  Seine Wirkung liegt darin, dass ich zum „Abschalten“  des wachen Bewusstsein und der Außenwelt gelange und mich in einer gewissen Trance der letztendlich unsagbaren heilenden Wirkung Gottes zuwendete.

Bei diesem Vorgang ist Maria mir zur Seite, mit deren Lebensstationen ich die biblischen Situationen um Jesus betrachte und auf mich wirken lasse. Es geht also nicht um ein ständiges „Nachdenken“, um ein intellektuelles Ergründen der gesagten Wort, sondern in einem gewissen Rhythmus setze ich mich ihnen aus.

Ich lasse mit die Taten Gottes zusprechen und in mir aufgehen.

Bei Rosenkranz beten auf der Wallfahrt nach Marienstatt ist mir dies einmal ganz tief „auf-gegangen“. Irgendwo beim wiederholten Male blieb ich bei dem Wort: „Du bist voll der Gnade“ stecken und dieses Wort viel ganz tief in mich hinein. Erschreckt und ergriffen spürte ich, was dieses Wort für Maria bedeutet haben könnte und wie dieses Wort mein eigenes Leben durchwärmen wollte.

Seit dem bete ich das „Ave Maria, gratia plena“ auf eine viel tiefere Weise und ich erlebe, wie dieses Wort mich heilen kann.

So ist das ganze Rosenkranzgebet eine Möglichkeit in die heilende Wirklichkeit Gottes einzutauchen.

Schon im dritten und vierten Jahrhundert kennt man Perlenschnüre, die helfen, dem Gebet einen gleichmäßigen Rhythmus zu geben.

Wenn auch die heutige Form des Rosenkranzes zu dieser Zeit noch nicht bekannt war.

Der Ursprung und Ausgangspunkt ist das Beten der Psalmen. Die Mönchen waren gehalten, die 150 Psalmen der Bibel zu beten. Das die Laienbrüder des Lesens und des Latein nicht mächtig waren, wurde ihnen empfohlen, das Vater unser statt dessen zu beten. Hierzu erstellte man Gebetsketten und so gab es im Mittelalter in vielen größen Stätten die Paternostermacher.

Später wurde dann das Ave Maria eingefügt, um eine Abwechslung zu erhalten.

Den Rosenkranz verstand man als ein Jesus-Gebet, als eine Möglichkeit sein Leben mit der Mutter Gottes zu betrachten.

So beginnt der Rosenkranz mit dem Kreuz und endet wieder mit dem Kreuz. Das Kreuz hält alles zusammen, ordnet alles und gibt allem Halt. Dann beginnt der Rosenkranz mit einer großen Ouvertüre: Das Vater unser steht am Anfang und dann wird um die drei großen Tugenden gebetet. Jesus möge in uns den Glauben mehren, die Hoffnung stärken und die Liebe entzünden.

Im freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz werden in jeweils 50 Ave Maria Situationen betrachtet, die menschlichen Leben ausmachen. Hier findet sich die Zahl 150 wieder und so wird zuerst der Rosenkranz Psalter Mariä genannt.

Im freudenreichen Rosenkranz kommt die Menschwerdung Jesu und unsere eigene Menschwerdung zur Betrachtung:

Den du, o Jungfrau, vom Hl. Geist empfangen hast, zu Elisabeth getragen, in Bethlehem geboren hast, im Tempel aufgeopfert hast, im Tempel wieder gefunden hast.

So könnte unsere eigene Menschwerdung beschrieben und umschritten werden. Zuerst sind wir Empfangende, heiliger Geist will uns erfüllen. Das neue Leben will getragen werden, sucht die Begegnung, hält an zum freudigen Aufbruch. Alles neue Leben kann aber nicht nur innerlich sein, sondern will Fleisch werden, will das Licht der Welt erblicken. Der nächste notwendige Schritt zur Reife des Lebens ist das Loslassen. Das, was uns lieb ist, soll Gott geweiht werden, wie Jesus im Tempel nach acht Tagen aufgeopfert wird. Opfern meint hier: etwas vor Gott tragen, denn jedes Kind ist nicht Kind seiner Eltern und ihrer Träume, sonder jeder Mensch ist Kind Gottes und soll in die Freiheit der Kindes Gottes entlassen werden.

Die Szene, wo Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel findet, macht noch einmal deutlich, wo die Mitte unseres Lebens ist: Im Tempel, bei Gott.

Der Rosenkranz ist so ein Mantra, was wir immer wieder neue umschreiten. Das Mantra führt zur Konzentrierung, schafft eine heilige Mitte.

Die Betrachtungen der Geheimnisse des Rosenkranz, die in der Mitte des Ave Maria eingefügt sind, entstand erst viel später und findet sich bei Adolf von Essen, dem Prior des Kartäuser Klosters in Trier.

Das Rosenkranzgebet vermag uns auf einfache Weise helfen, die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes zu erahnen und zu erfahren. So wurde der Rosenkranz auch verstanden als der kleine Katechismus.

Die ständige Wiederholung des Ave Maria ist zu verstehen wie eine Bohrung in der Tiefe. Die Sätze werden dabei nicht durchdacht in dem Sinne, dass wir die Aktiven wären. Wir lassen vielmehr die Worte und Sätze selbst aktiv werden, indem wir uns ihnen aussetzen in Erwartung und Offenheit.

So kann der Rosenkranz zu einer Therapie werden, übt er heilende Wirkung auf uns aus und führt zur Konzentrierung des Lebens.

Georg Koch

Der neue Mensch

Pfingsten 2005

In den Jahren 1508 bis 1512 hat Michelangelo in seinen berühmten Deckengemälden in der Sixtinischen Kapelle die Menschwerdung des Menschen in einer beeindruckten Art dargestellt. Der erste Mensch ist schon da, aber noch nicht als Mensch im eigentlichen Sinne. Er hat zwar schon alle äußerlichen Züge des Menschen, doch ist er immer noch ein auf seine Menschlichkeit Wartender.

Halb aufgerichtet liegt er in träumerischer Dumpfheit, sein Angesicht in fragender Erwartung auf Gott gerichtet.

Adam hat schon einen Fuß angezogen, so dass er sich im nächsten Moment aufrichten und Gott gegenübertreten kann. Aber um dies zu ermöglichen, muss noch ein Wunder geschehen. Durch den ausgestreckten Finger den Schöpfers muss der Funke des Geistes Gottes auf den Menschen überspringen.

Ohne diesen Funken bleibt eben dieses menschartige Wesen allein auf die Erde bezogen und ihre verhaftet.

An Pfingsten geht es darum, dass der Mensch neu geschaffen wird, dass der Geist Gottes in ihm einwohnt und in ihm glüht. Er wird eine Neuschöpfung.

Deshalb hat der Evangelist Johannes mit der Begegnung des Auferstandenen an Ostern und am Pfingsttag seinen Bericht aufgebaut nach der Schöpfungsgeschichte.

Am Abend des ersten Tages der Woche so schreibt er: Abend meint hier, dass eine alte Welt zu Ende geht. Die Jünger hatten sich aus Furcht vor den Juden verschlossen, wie sich Adam und Eva vor Gott versteckten.

Nun tritt Jesus in ihre Mitte: In der Schöpfungsgeschichte in der Genesis setzt Gott den Lebensbaum in die Mitte des Garten Edens.

Die Mitte, das meint: im Lot sein, eine innere Ausrichtung haben.

Der Mensch wird neu, wenn er wieder eine Mitte hat. Fehlt diese Mitte, dann kann er schnell bei den wechselnden Meinungen dieser Welt eine solche Fliehkraft entwickeln, dass er an den Steinen dieser Welt zerschellt. Gerade der heutige Mensch wird eine neuer Mensch werden, wenn er wieder Gott als die Mitte seines Lebens entdeckt.

Dann bekommt er Halt, dann hat er einen schöpferischen Funken Gottes in sich. Wie Abraham seinen Finger ausstreckt nach Gott, so soll an Pfingsten der Mensch sich ausstrecken nach Gott.

Friede mit euch, so grüßt der Auferstandene seine Jünger und die Furcht weicht von ihnen und sie freuen sich.

Friede meint hier nicht die Abwesendheit von Krieg. Schalom, Salemaleikum, Friede – das ist die uralte Sehnsucht der Menschheit nach heil und ganz sein. Es ist ein Ganz sein, wo auch die Wunden verklärt und verheilt sind.

Denn der Auferstanden zeigt ihnen seine Hände und seine Seite. Er macht ihnen keine Vorhaltungen, er richtet nicht über sie, sondern versöhnt begegnet er ihnen.

Die Gabe der Auferstehung ist Friede und Versöhnung und Vergebung!

Das ist die Sendung Jesu, die er von seinem Vater empfangen hat und in die er jetzt die Jünger mit einbezieht.

Im Paradies gab Gott den Menschen die Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu behüten. Der neue Mensch hat die Aufgabe, Versöhnung und Vergebung zu künden.

Damit ist nicht eine juristischer und juridischer Akt gemeint, kein Verhalten eines Buchhalters, kein Beichtstuhl oder eine Strichliste.

Diese Gabe ist die Begnadung eines Neuanfanges ohne Vorbedingung. Ein schöpferischer Neuanfang durch den heilenden Geist ist hier gemeint.

Nicht eine zürnender oder rächender Gott will den Menschen begegnen, sondern ein barmherziger.

Welch eine große Aufgabe! Wie sehr müsste gerade heute dieses Feuer der Liebe ins lodern.

Dann haucht er sie an und sprach: Empfangt heiligen Geist.  Hier ist die Schöpfungsgeschichte wieder gegenwärtig. Gott haucht dem Klumpen Erde seinen Geist ein.

Der Mensch ist nicht einfach der Erde verhaftet, sondern er kann sein Antlitz zu den Sternen erheben.

Das Bild des Michelangelo steht wieder vor unseren Augen. Der ausgestreckte Finger Gottes, der den Adam berührt und ihm menschliche Würde verleiht.

So ist Pfingsten ein großartiges Gemälde für die Neuschöpfung des Menschen. Als neuer Mensch wird ihm die Aufgabe übertragen, Vergebung zu künden, damit eine neue Gemeinschaft von liebenden und feurigen Menschen entstehen kann.

Georg Koch

Heilung des von Geburt Blinden – Neu geboren werden

4. Fastensonntag Lesejahr A

Eine wundersame Geschichte haben wir da vernommen. Wir lieben diese Wundergeschichten, vielleicht auch, weil sie uns entlasten. Sie nehmen die Verantwortung von unseren Schultern und im Sitzen können wir uns daran erfreuen.

So heften wir sie ab und sie bewegen uns nicht.

Aber: sind wir nicht mitten hineinverwoben in diese Geschichte, die vom Neuwerden eines Menschen spricht? Unterziehen wir uns der Mühe, Licht in dieses Heilungsgeschehen zu bekommen.

Nach der Geburt ist eine Menschenkind mit Blut und Speichel „verdreckt“ und es wird von der Hebamme sauber gewaschen. Das Neugeborene wird mit frischem Wasser sauber gewaschen und es vermag in die Welt zu blicken.

Da sind wir schon bei dem Blindgeborenen. Im Vorübergehen trifft Jesus ihn. Er spuckt auf die Erde, macht einen Teig und streicht ihm dem Blinden auf die Augen. Dann gebietet er ihm, zum Teich Schiloach zu gehen und sich sauber zu waschen.

Er wusch sich und als er zurück kam, konnte er sehen.

Das ist wie eine Geburt, wie ein Neuwerden!. Hier könnten wir fragen: was blenden wir aus, wohin schauen wir nicht, wo leben wir im Dunkeln, was macht die Finsternis um uns herum aus.

Leugnen wir die dunklen und schmutzigen Seiten unseres Daseins? Auf welchem Auge sind wir blind? Möchten wir nur mit den hellen und glänzenden Seiten unseres Lebens sichtbar sein?

Der Blinde ist neu geboren und alle könnten sich freuen, jubeln, tanzen. Aber: da regen sich die ersten Widerstände? Rührte seine Blindheit von einem schuldhaften Verhalten seiner Eltern? Es ist überhaupt der Mensch, den wir als Bettler kennen?

Er selber sagt: Ich bin es! Vielleicht hat er dies zum erstenmal für sich und für seine Umwelt formuliert: Ich sage Ja zu mir! Ich bin es, ich bin zu einem neuen Selbstbewusstsein gekommen.

In ihm selbst ist diese Kraft aufgewacht, denn Jesus hatte ihn nicht geheilt, sondern ihm den Auftrag gegeben, sich selber zu waschen.

Neu geboren werden: Trauen wir das uns oder einem anderen Menschen zu? Kann das einfach möglich sein, aus Schuldzusammenhängen heraustreten und wieder sehen können und wieder ansehbar sein?

Der Blick in die Vergangenheit verhindert eine solche Möglichkeit, der Blick in die Zukunft erkennt die Möglichkeiten Gottes mit den Menschen.

Nun wird ein neuer Widerstand ins Feld geführt: Man bringt den sehend Gewordenen zu den Pharisäern, zu den Vertretern der Religion. Und sie sagen: Er hat dich am Sabbat geheilt, das ist gegen unsere Gebote.

Der Sabbat galt als ein Fels in der Brandung. Am Sabbat hatte man Gott die Ehre zu geben.

Aber hier zeigt sich das revolutionäre Verhalten Jesu. Das Glück des Menschen ist ihm wichtiger als die Ehre Gottes.

Wenn er dich am Sabbat geheilt hat, dann ist er ein Sünder führen sie  ins Feld. Aber andere sagen: Wie kann ein Sünder so etwas vollbringen.

Und der sehend Gewordene sagt, er ist ein Prophet, ein Gottesmann. Einer, der in die Zukunft sehen kann.

Das wollen die nicht hören, die in Wirklichkeit blind sehen. Sie exkommunizieren ihn, werfen ihn hinaus.

Jesus trifft ihn nun wieder und verwickelt ihn in ein Gespräch. Er macht ihn jetzt Schritt für Schritt sehend.

Wer ist der Menschensohn? Wer ist der menschenfreundliche Mensch? Du siehst ihn vor dir!

Und sehend antwortet der blind Geborene: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

So erzählt diese Geschichte, dass die Sehenden blind sind und die Blinden sehend. Sie erkennen, dass Jesus das Licht der Welt ist und in seiner Nähe alle Finsternis überwunden wird.

Georg Koch

Copyright © 2010–2017 st-ignatius.de
Alle Rechte vorbehalten.
Design und Umsetzung
Georg Zink Unternehmensberatung

Pfarreiengemeinschaft Betzdorf - Bruche - Scheuerfeld
Pfarrbüro: Elly-Heuss-Knapp-Str. 13, 57518 Betzdorf
Tel.: 0 27 41 - 22 480, Fax: 0 27 41 - 23 070
E-Mail: pfarramt[at]st-ignatius[dot]de