Maria machte sich auf den Weg...

Maria machte sich auf den Weg, so beginnt diese Begegnungsgeschichte von Maria und Elisabeth.

So kann und wird jede Begegnungsgeschichte beginnen. Machen wir uns auf den Weg? Brechen wir auf? Sind wir unterwegs? Sind wir offen für das Überraschende und für die Begegnung mit Gott?

Maria machte sich auf den Weg. Sie verlässt ihr Zuhause, das Gewohnte, um lebendig zu werden und um göttliches Leben in sich zu spüren. Sie macht sich auf den Weg, um die Verheißung Gottes zu überprüfen.

Denn als der Engel ihr göttliches Leben verheißen hatte, da fragte sie: Wie soll das geschehen? Und der Engel sagt: Bei Gott ist nichts unmöglich. Siehe, Deine Base Elisabeth hat ein Kind empfangen, obwohl sie schon alt ist.

Nun ist Maria dorthin unterwegs, nicht weil sie Gott misstraut, sondern sie will sich Gewissheit verschaffen.

Freudig begrüßt sie Elisabeth und in diesem Augenblick hüpft das Kind in ihrem Leibe.

Elisabeth, die alte Frau, die Frau des Priesters Zacharias, hatte bis ins hohe Alter kein Kind empfangen. Als Zurücksetzung, als Schande, hatte man das eingeordnet. War sie nicht genug gottgläubig?

Elisabeth, die alte Frau, sie bekommt ein Kind. Eine Problemschwangerschaft. Fragen über Fragen würden sich heute aufhäufen. Man würde ihr eine Beratungsstelle empfehlen.

Und Maria: Sie bekommt auch ein Kind. Sie ist noch  zu jung, sie ist unverheiratet. Kann man so etwas nicht vermeiden? Wären da nicht andere Wege möglich. Eine Problemschwangerschaft. Man würde ihr heute eine Beratungsstelle empfehlen.

Aber was ereignet sich zwischen diesen beiden Frauen. Die eine zu alt, die andere zu jung! Freudig begrüßen sie einander.

Das ist ein weihnachtlicher Aspekt. Sie jammern nicht, sie bedauern sich nicht, sie problematisieren nicht. Sie freuen sich. Sie machen sich Mut. Sie jubeln.

Hier entdecken zwei Frauen: Was auf den ersten Augenblick aussieht wie eine Katastrophe in ihrem Leben, ist in Wahrheit ein Zeichen, das Gott in ihrem Leben wirkt. Der Gott, der auf krummen Linien gerade schreiben kann! Der Gott, der die unverheiratete Frau in den Dienst am Leben nimmt und die Greisin.

Daher der Jubel. Gott stellt unsere Karrieren auf den Kopf. Gott macht aus dem , was wie eine Krisenbiographie aussieht, etwas, das man sich noch nach Generationen erzählt: „Von jetzt an werden mich rühmen alle Geschlechter“ (V 48).

Die frühen Christen haben dies bis ins Detail genau verstanden. „Da hüpfte das Kind in ihrem Leibe“ (V 41). Das kommt zweimal vor und erinnert an den Propheten Maleachi. Dort heißt es: Wenn an jenem Tag die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht, dann werdet ihr hinausgehen und Freudensprünge machen, wie die Kälber, die aus dem Stall kommen (Mal 3,20).

Freudensprünge, hüpfen, jubeln, preisen, singen – Gott schenkt euch Freiheit und neues Leben. Dazu machte Maria sich auf den Weg.

Können wir uns noch freuen? Warum schimpfen wir über die frühen Weihnachtslieder und die Lichter ins unseren Städten? Sollten wir uns nicht eher freuen, dass all diese Dinge uns vorbereiten auf neues göttliches Leben ins uns.

Dieser Tage schrieb mir jemand: Es ist ein ungeheueres Glück, wenn man fähig ist, sich freuen zu können.

Dazu machte Maria sich auf den Weg, um die Freude neuen Lebens zu erfahren.

Wie weit weg sind wir doch von solcher Freude!

Wie diese Freude gemeint ist, ging mir in diesen Tagen bei einem Hausbesuch auf. Ich wollte einen Begriff wissen und die Mutter des Hauses reichte mir ein Buch. Im Sachwortregister schlug ich nach und dabei fiel mir eine handgeschrieben lose Seite in die Hand.

Da ich im Augenblick alleine und neugierig war, begann ich zu lesen. In ungelenkter Schrift schrieb der Mann seiner Verlobten:

Liebe Elisabeth (Name geändert), ich vermisse Dich sehr. Hoffentlich haben wir bald wieder mehr Zeit füreinander. Du bist wie ein Licht im Dunklen für mich. In Deiner Nähe werde ich lebendig. Alles Kalte verschwindet. Du bist wie ein Sonnenstrahl, der mich erwärmt. In großer Liebe, Dein Peter!

Irritiert schlug ich das Buch zu. Der Mann kam ins Zimmer und ich fragte ihn, ob er für seine Frau schon Geschenke zu Weihnachten gekauft habe. Ja, das sei alles erledigt. Meine weitere Frage: Hast Du Deiner Frau auch schon einen Liebesbrief zu Weihnachten geschrieben.

Er lachte und sagte: Das war einmal vor dreißig Jahren, als wir noch nicht verheiratet waren.

Natürlich wusste er nicht, worauf ich anspielte. Durch die Vorbereitung auf diese Predigt kam ich auf den Gedanken: Das ist die Freude, die wir teilen sollten. Das ist das Glück der ersten Liebe, das uns durch den Alltag so oft verloren geht.

Damals machten sie noch Freudensprünge, hüpften, liebkosten sich. Kindliche Freude und Liebe belebten sie.

Dazu machte Maria sich auf den Weg. Dazu sollten wir uns in diesen Tagen auf Weihnachten auch auf den Weg machen.

Neben der Freude ist noch ein Aspekt in der Begegnungsgeschichte zwischen Maria und Elisabeth bemerkenswert.

Diese Frauen mit ihren „Problemschwangerschaften“ machen sich keine Vorwürfe, kommen nicht ins Klagen. Selig bist Du, so kündet Elisabeth. Sie macht der jungen Maria Mut, Mut zum Glauben an die Verheißung Gottes.

Auch das ist es, was wir wieder entdecken müssen. Wir sollten einander Mut machen zum Glauben. Wir sollten uns und den anderen sagen: Unser Glaube gibt uns Vertrauen, er gibt uns Halt, er trägt uns.

Eine wunderbare Geschichte, das heutige Evangelium. Eine Geschichte, die die Freude in uns wecken will und die uns Mut macht, den Verheißungen Gottes zu glauben.

Georg Koch

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