Kirche: eine Neuschöpfung

„Du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Die Alten hatten die Vorstellung, dass in den Urfluten ein Fels emporragt bis zum Himmel hin. Und dies war der erste Ort, wo Menschen Geborgenheit erfahren. Da haben sie festen Boden unter ihren Füßen. Und ausgehend von diesem Fels, so dachten sie, entsteht die Schöpfung.

Als Jesus Petrus diesen Auftrag gibt, da meint er, dass mit der Kirche eine neue Schöpfung entstehen soll. Der Mensch immer wieder neu beginnen darf. Der Mensch Boden unter den Füßen hat. Die Angst besänftigt werden kann: O lass im Hause dein uns all geborgen sein.

Und die Menschen haben gespürt, dass dieser Auftrag, diese mystische Erfahrung symbolhaft und sinnenhaft greifbar werden müsse. Und so haben sie oft auf Felsen Kirchen gebaut, die symbolisieren eine neue Schöpfung.

Sie sollen ein Raum sein, wo der Mensch neu beginnen darf. Und viele von uns erinnern sich heute, vielleicht eher unbewusst, dass sie in diese Kirche hineingetragen worden sind. Die Taufe empfangen haben, neues Leben unter der Gnade Gottes.

Und am Schluss des Lebens, wenn der Sarg hier vor dem Altar aufgebahrt ist, dann sagen wir noch einmal: Wir sind der Fels und die Macht des Todes wird diesen Felsen nicht überwinden. Und Du Verstorbener, der du hier getauft worden bist, du bist jetzt auch wieder eine Neuschöpfung, Du kommst jetzt in das ewige Leben hinein.

Wir brauchen also solche heiligen Räume, wir brauchen die Kirche auf dem Felsen. Wir benötigen den Turm, der die Verbindung herstellt zum Himmel. Damit der Mensch nicht mehr alleine im liftleeren Raum schwebt, sondern das sein Gott bei ihm wohnt.

Oh wie begnadet sind wir, dass wir Vorfahren hatten, die Stein für Stein aufeinander gesetzt haben, die diese Kirche ihrem Mund abgesparten, weil sie zutiefst ahnten: Wir brauchen eine neue Schöpfung, wir brauchen eine Wohnung Gottes bei uns. Und deshalb sind wir nicht sparsam. Sie hätten ja auch einfach eine Lagerhalle errichten können.

Sie haben gespürt: wir brauchen das Gewölbe als Abbild des Himmels, die Chorapsis als heilige Höhle, wo man Schutz erfährt und dem Heiligen begegnet. Wir benötigen eine Orgel um Gott zu jubilieren.

Diese Kirche ist der Grundstein für eine neue Welt. Du bist Petrus, der Grundstein, der Eckstein, für eine neue Welt.

Als Friedrich Schiller den Petersdom besucht hatte, da lässt er ihn unter dem gewaltigen Eindruck dieses großen Raumes sprechen:

„Suchst das Unermessliche hier? Du hast dich geirrt. Meine Größe ist die, Größer zu machen dich selbst.“

Meine Größe ist die, Größer zu machen dich selbst! Dafür ist dieses unser Gotteshaus St. Ignatius in Betzdorf gebaut worden. Dass wir Größe und Würde erfahren. Das wir nicht einfach Menschen sind, die funktionieren müssen, die etwas vorzeigen sollen, dass wir groß sein dürfen, weil Gott zu uns gesagt hat: Tu es Petrus aedificabo ecclesiam meam! Du, jeder einzelne Christ, Du bist dazu berufen, im Namen Gottes ein neues Haus zu bauen.

Da sind wir wieder bei der mystischen Dimension unserer Kirche, von der der Apostel Paulus sagt: Aus lebendigen Steinen ist diese Kirche gebaut. Ihr Grundstein und Eckstein ist Jesus Christus.

Das ist die Gretchenfrage an uns: Bevor Jesus diesen Auftrag gibt, bekennt nämlich Petrus: Du bist der Sohn des lebendigen Gottes. Das ist heute die Frage an uns, ob wir daran glauben und von daher die Kraft und die Erinnerung schöpfen, Gottes Häuser zu bauen und zu beleben.

So möchte ich allen Dank sagen, die in den Jahren seit dem Bau dieser Kirche weiter mit gebaut haben: In allen Gremien, in allen Ausschüssen, bei den Katecheten. So viele Gebete wurden gegen Himmel gesandt, so viele Kerzen wurden angezündet, um Licht ins Dunkle zu bringen und Wärme spenden und davon sprechen, dass wir im Hause Gottes geborgen sein dürfen.

Wir brauchen dieses Haus.

Vor dreißig Jahren wurde das AKA-City in Betzdorf errichtet, heute eine Ruine. Vor zwanzig Jahren wurde die Siegpassage eröffnet, heute leerstehende Räume. Da spüren wir, wenn wir nur in der Horizontale bleiben, wenn wir nur den Menschen messen nach dem, was er konsumiert und kaufen kann, dass wir dann ins Leere fallen, dass wir dann keinen Boden mehr unter den Füßen haben und keine Dach über dem Kopf.

Wir brauchen neben der Horizontalen die Vertikale, den Turm unserer Kirche. Und wenn wir nach Betzdorf hinein fahren und der Turm ist zu sehen, dann fährt es immer wieder wie ein Glück durch mich: Gott sei Dank haben wir die Kreuzkirche auf der anderen Seite und die St. Ignatius Kirche hier. Das sind die Eckpunkte unserer schönen Stadt Betzdorf.

Ein Künstler hat sie einmal mit einer Brücke miteinander verbunden und gesagt: Das macht eigentlich Betzdorf aus, das da zwei Kirchen sind, die erinnern an den lebendigen Gott und die deshalb den Menschen ein zu Hause geben und Würde.

So können wir am Schluss ein Wort von Gertrud von le Fort in die „Hymnen an die Kirche“ zu unserem Jubiläum sagen: Sie preist die Kirche, sie ist in die Kirche verliebt, sie schimpft nicht über die Kirche, sie leidet an der Kirche und dann sagt sie:

„Du bist wie eine blühende Säule unter lauter totem Schutt.

Du bist wie ein edler Pokal unter eitlen Scherben!

Du bist das einzige Zeichen des Ew`gen über dieser Erde:

Alles, was du nicht verwandelst,

überwandelt der Tod!“

Schutt und Scherben gab es vor sechzig Jahren in unserem Land, Schutt und Scherben gibt es auch heute. Und deshalb brauchen wir ein Zeichen des Ew`gen über dieser Erde.

Alles, was du nicht verwandelst, überwandelt der Tod.

Wir haben hier einen Raum, wo neues Leben entstehen darf, wo Gott selber uns nahe ist. Wo er zu uns sagt: Du, jeder Christ, Du bist Petrus und ich möchte mit dir und auf dir eine lebendige Kirche bauen, die der Tod nicht überwinden kann.

Gott sei Dank haben wir unsere Pfarrkirche St. Ignatius, eine Stätte des Lebens.

Georg Koch

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