„Ich mag dich leiden!“

Wenn wir in Rom sind, dann besuchen wir nach Möglichkeit die kleine Kirche „Quo vadis" an der Via appia vor den Toren Roms. Die Legende berichtet von diesem Ort. Die Gemeinde hatte Petrus nah gelegt, er solle sich in Sicherheit bringen, da er verfolgt würde. Er könne dann die frohe Botschaft vom Erbarmen Gottes woanders verkünden.

An dieser Stelle, wo die Quo vadis Kirche steht, dort sei ihm Christus begegnet. Petrus habe ihn gefragt: „Quo vadis, domine?" „Wo gehst Du hin, Herr?" Christus habe geantwortet: „Ich gehe in die Stadt hinein um wieder gekreuzigt zu werden." Diese Begegnung bewirkte die Umkehr des Petrus.  Er geht zurück in die Stadt, um wenig später ergriffen und selbst gekreuzigt zu werden.

Jedes Mal wenn ich an diese Legende erinnert werde, dann frage ich mich: Bist Du auf der Flucht? Welchen Weg gehe ich? Will ich der Bedrängnis und dem Leid aus dem Weg gehen?

Jesus zieht an diesem Palmsonntag in Jerusalem ein. Er weiß, dass er dort scheitern wird. Die Botschaft von dem Erbarmen Gottes wird ihn das Leben kosten. Er wollte, dass der Mensch einen direkten Zugang zu Gott habe. Das macht ihn gefährlich.

So zieht er in die Stadt als ein König ein, der Frieden bringt und die Sanftmütigen selig erklärt. Er zieht nicht auf hohem Ross ein, sondern auf einem Esel. Er geht den Weg der ohnmächtigen Liebe.

Sind wir bereit in unserem Leben, diesen Weg der ohnmächtigen Liebe zu gehen? Wir alle machen die Erfahrung, dass wir einander lieben möchten, es aber nicht genügend können. Immer wieder schiebt sich etwas zwischen uns Menschen. Manches Mal unbeabsichtigt, meist aber aus der Ichverhaftetheit unseres Herzens.

Da drängt sich die Einsicht auf, dass wir ohne ein gutes Stück leidender Liebe nicht recht Christ und Mensch werden können. Es ist eine alte Erfahrung. Sagen wir doch zu einem Menschen, dem wir gut sind: „Ich mag dich leiden". Das heißt doch: Ich möchte das Leiden an dir in Kauf nehmen und dir so zeigen, dass ich dich liebe. Ich bin bereit, bei dir zu bleiben auch wenn es durchs Dunkle geht, auch wenn ich an deinen Ecken und Kanten leide.

Bei einem Kondolenzbesuch in diesen Tagen sagte mir eine Frau: Ich habe nur wenig darüber gesprochen. Wir waren fast sechzig Jahre miteinander verheiratet. Mein Mann war zwanzig Jahr lang Alkoholiker. Meine Kinder haben oft gesagt: Lass dich doch scheiden. Ich habe ihnen geantwortet. Ich habe meine Treue versprochen in guten und in schlechten Tagen. Nun haben wir vor dem Tod meines Mannes noch fünf Jahre gut miteinander leben können, weil er in dieser Zeit „trocken" war.

Auch Gott spricht zu uns: Mensch, ich mag dich leiden. Für diesen Satz ist Jesus in den Tod gegangen. Mit dem Einzug in Jerusalem hat er diesen Satz eingelöst.

Deshalb ist dieser Palmsonntag zu Beginn der Karwoche für uns so bedeutsam. Deshalb erhöhen wir das Kreuz. Wenn wir zu ihm hinaufschauen, dann werden wir daran erinnert: Gott ist selbst im Leid und im Kreuz uns gegenwärtig. Er ist ein Narr der Liebe.

Am Palmsonntag will Jesus Einzug halten in unserer Seele. Er will unsere Seele öffnen für eine Liebe die sagt: Mensch, ich mag dich leiden.

Die bange Frage, ob wir dabei nicht den Kürzeren ziehen und schließlich doch zu Verlierern werden, beantwortet uns nur Jesus, dessen leidvoller Kreuzweg sich letzten Endes doch als ein königlicher Weg erwiesen hat.

Seine Liebe mag uns leiden und besiegt somit den Tod. Ostern beginnt mit dem Einzug in Jerusalem. Quo vadis, Mensch, wohin gehst Du? Und Petrus kehrte um!

„Ich mag dich leiden" – das ist die Einladung an uns am Palmsonntag.

Pastor Georg Koch

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