Heilung des von Geburt Blinden – Neu geboren werden

Eine wundersame Geschichte haben wir da vernommen. Wir lieben diese Wundergeschichten, vielleicht auch, weil sie uns entlasten. Sie nehmen die Verantwortung von unseren Schultern und im Sitzen können wir uns daran erfreuen.

So heften wir sie ab und sie bewegen uns nicht.

Aber: sind wir nicht mitten hineinverwoben in diese Geschichte, die vom Neuwerden eines Menschen spricht? Unterziehen wir uns der Mühe, Licht in dieses Heilungsgeschehen zu bekommen.

Nach der Geburt ist eine Menschenkind mit Blut und Speichel „verdreckt“ und es wird von der Hebamme sauber gewaschen. Das Neugeborene wird mit frischem Wasser sauber gewaschen und es vermag in die Welt zu blicken.

Da sind wir schon bei dem Blindgeborenen. Im Vorübergehen trifft Jesus ihn. Er spuckt auf die Erde, macht einen Teig und streicht ihm dem Blinden auf die Augen. Dann gebietet er ihm, zum Teich Schiloach zu gehen und sich sauber zu waschen.

Er wusch sich und als er zurück kam, konnte er sehen.

Das ist wie eine Geburt, wie ein Neuwerden!. Hier könnten wir fragen: was blenden wir aus, wohin schauen wir nicht, wo leben wir im Dunkeln, was macht die Finsternis um uns herum aus.

Leugnen wir die dunklen und schmutzigen Seiten unseres Daseins? Auf welchem Auge sind wir blind? Möchten wir nur mit den hellen und glänzenden Seiten unseres Lebens sichtbar sein?

Der Blinde ist neu geboren und alle könnten sich freuen, jubeln, tanzen. Aber: da regen sich die ersten Widerstände? Rührte seine Blindheit von einem schuldhaften Verhalten seiner Eltern? Es ist überhaupt der Mensch, den wir als Bettler kennen?

Er selber sagt: Ich bin es! Vielleicht hat er dies zum erstenmal für sich und für seine Umwelt formuliert: Ich sage Ja zu mir! Ich bin es, ich bin zu einem neuen Selbstbewusstsein gekommen.

In ihm selbst ist diese Kraft aufgewacht, denn Jesus hatte ihn nicht geheilt, sondern ihm den Auftrag gegeben, sich selber zu waschen.

Neu geboren werden: Trauen wir das uns oder einem anderen Menschen zu? Kann das einfach möglich sein, aus Schuldzusammenhängen heraustreten und wieder sehen können und wieder ansehbar sein?

Der Blick in die Vergangenheit verhindert eine solche Möglichkeit, der Blick in die Zukunft erkennt die Möglichkeiten Gottes mit den Menschen.

Nun wird ein neuer Widerstand ins Feld geführt: Man bringt den sehend Gewordenen zu den Pharisäern, zu den Vertretern der Religion. Und sie sagen: Er hat dich am Sabbat geheilt, das ist gegen unsere Gebote.

Der Sabbat galt als ein Fels in der Brandung. Am Sabbat hatte man Gott die Ehre zu geben.

Aber hier zeigt sich das revolutionäre Verhalten Jesu. Das Glück des Menschen ist ihm wichtiger als die Ehre Gottes.

Wenn er dich am Sabbat geheilt hat, dann ist er ein Sünder führen sie  ins Feld. Aber andere sagen: Wie kann ein Sünder so etwas vollbringen.

Und der sehend Gewordene sagt, er ist ein Prophet, ein Gottesmann. Einer, der in die Zukunft sehen kann.

Das wollen die nicht hören, die in Wirklichkeit blind sehen. Sie exkommunizieren ihn, werfen ihn hinaus.

Jesus trifft ihn nun wieder und verwickelt ihn in ein Gespräch. Er macht ihn jetzt Schritt für Schritt sehend.

Wer ist der Menschensohn? Wer ist der menschenfreundliche Mensch? Du siehst ihn vor dir!

Und sehend antwortet der blind Geborene: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

So erzählt diese Geschichte, dass die Sehenden blind sind und die Blinden sehend. Sie erkennen, dass Jesus das Licht der Welt ist und in seiner Nähe alle Finsternis überwunden wird.

Georg Koch

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