Gründonnerstag 2006

Wenn ein Mensch nicht weis, woher er kommt dann weis er auch nicht wohin er unterwegs ist, was sein Ziel ist. Wenn ein Mensch nicht vertraut ist mit seinen Wurzeln, wird er auch keine Äste haben die aufblühen. Liturgie will uns anhalten in der heiligen Woche, die heilenden Kräfte dieser Woche uns anzueignen, wir sollen wie in einen Spiegel hineinschauen um in diesem heiligen Spiel an diesen drei Tagen unsere eigene Existenz zu erkennen. Gründonnerstag, im Jahre 417 hat der Papst Innozenz I. angeordnet, dass die Büßer zum Abendmahl geladen waren und er nannte diesen Tag, ~Dies Viridium~, der Tag des Grünen. Die Büßer, die wieder teilnehmen durften am heiligen Mahl, sie waren die neuen grünen Zweige, sie schmückten den großen Baum der Kirche, der neu in den Frühling hinein kam. Und heute Morgen in Dauersberg habe ich eine große Grünfläche gesehen und sie war schon am glänzen und mir ist die Bedeutung dieser Farbe grün deutlich geworden, dass sie nicht nur erkannt werden will in der Natur sondern das sie erkannt werden will in unserer Seele. Das gerade am Gründonnerstag unsere Seele wieder aufbrechen soll, wieder aufgrünen soll, wieder vorwärts drängen soll, zu etwas Neuem, was an Ostern uns geschenkt wird.

Die Moslems haben eine grüne Fahne immer vor sich her getragen, wenn sie unterwegs waren um neue Länder zu erobern.

Tief in der Seele der Menschheit sagt diese grüne Farbe, es beginnt etwas Neues, es beginnt etwas zu wachsen, zu grünen, vorwärts zu drängen, das kalte Erdreich wird aufgebrochen.

Und da sind wir bei der ersten Bedeutung des Gründonnerstag. Das er ein großes Ereignis sein will, das er uns Geschmack am Leben schenken möchte und das er uns einlädt zu einem großen Liebesmahl.

Bei den Alten stand der Donnerstag unter dem Planeten des Jupiters und in sich erkannten sie den Impuls Leben Sinn zu geben. Die Sehnsucht etwas Großartiges im Leben zu entdecken. Der vom Jupiter geprägte Tag will anhalten, dass wir nicht einfach nur knauserisch sind, sondern das wir das Bestmögliche wollen, dass wir in die Fülle des Lebens kommen, dass wir das Talent des Glückes entdecken.

Und SO hat die Kirche im Jahreskreis den Gründonnerstag, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam auf diesen Tag gelegt um die Menschen einzuladen die Schönheit, die Großartigkeit, die Lebensfreude zu entdecken.

Christi Himmelfahrt: Das zu unserem Leben der Himmel gehört, dass wir nicht einfach nur erdgebundene Menschen sind. Gründonnerstag: Das wir Menschen der Gemeinschaft sind. Fronleichnam: Diese Welt soll erkennen das Göttliche, in dem wir das heilige Brot, den Heiland durch die Straßen tragen. Dass sie nicht einfach nur eine funktionierende Welt ist, sondern eine Welt die uns Fülle schenkt.

Jupiter war der alles Geber, der alles gab. Und da sind wir auch schon beim Mittelpunkt des Gründonnerstag. Da ist auch Einer der alles gab, der sich hingab. Im Brot und Wein. Und der uns öffnen wollte, unsere Sinne dafür, dass Gott nicht ferne ist, sondern das Gott zu entdecken ist im Alltäglichen, im gewöhnlichen. In den Dingen, die uns stärken und erfreuen. Und Kommunion bedeutet ja verschmelzen, eins werden, eine Gemeinschaft sein, eine vertraute Intimität haben.

Und so ist Kommunion zu allererst ein Lippenereignis. Und als wir früher noch das heilige Brot empfangen haben in dem der Priester uns die Hostie auf den Mund legte da ist das noch deutlicher geworden, das Gott uns Nähe gibt. Doch wir müssen noch ein Stück zurückgehen, in die Tiefe menschlicher Geschichte. Denn das Kind erobert zu allererst mit seinen Lippen die Welt. Es wird gestillt, es erfährt Nahrung, Wärme und Geborgenheit an der Brust der Mutter. Eucharistie ist ein Lippenereignis. Das mag uns ganz fremd sein, weil wir das allzu sehr in die Höhe gehoben haben. Aber wenn die Menschen einander einen Kuss gibt, wenn Menschen mit einem Kuss einander begegnen, dann werden sie auch eins. Dann bekommen sie neue Kraft, dann ist es so als wenn sie einander vereinnahmen.

Und wenn Liebende einander Küssen, nicht nur auf die Lippen, sondern mit den Lippen sich erobern, nicht damit das zum sexuellen Akt führt, sondern damit das zutiefst eine Gemeinschaft, eine Begegnung eine Verschmelzung, eine Vereinigung wird. Dann will uns das genau hinführen zur heiligen Eucharistie. Das wir das Heilige erschmecken dürfen. Dass wir es einverleiben dürfen, dass wir eins mit diesem Gott werden. Das er sich uns sozusagen assimilieren, das wir gleich mit diesem Gott werden.

Ist das nicht eine Grünkraft die unser Leben nach Vorwärts bringt? Ist das nicht ein jupiterhaftes Verhalten was das Glück des Lebens uns schenkt? Ist das nicht etwas wunderbares, dass wir das Heilige küssen dürfen, dass wir es essen dürfen? In der Ostkirche, wenn die Ikone geküsst wird, dann haben diese Menschen immer gespürt, dass sie mit diesem Kuss das Heilige verehrten und vom Heiligen auch Kraft bekamen. Und wenn Menschen einander Küssen dann soll dies auch sein. Das sie einander Kraft geben und einander mit Erfurcht begegnen. Und so reicht Jesus den Seinen Brot und Wein. Brot das stärkt und Wein der erfreut. Um zu sagen Euer Gott will ein Stück von Euch selber werden. Er will sich mit Euch vereinigen, mit Euch verschmelzen. Das ist nicht nur einfach Erotik und Sexualität, sondern das ist zutiefste innige Vertrautheit mit dem Heiligen, mit unserem Gott. Das ist Grünkraft des Lebens, das ist die Sehnsucht nach dem Großem, nach dem Schönen, nach dem Bestmöglichen.

Da ist Religion nicht nur einfach Moral. Nicht nur einfach Befolgung von Geboten. Sondern sie will uns erheben und unserem Leben Würde schenken. Jesus hat sie versammelt im festlichen Saal, beim festlichen Mahl und hat gesagt: "Das mache ich zu eurem Gedächtnis, erinnert euch immer wieder daran". Das euer Leben mit Gott vorwärts drängt, aufgrünt, neu beginnt, das euer Leben dann nicht einfach nur Buchhalter-Da- sein ist, das wir das Licht nicht Bilanzen erfassen können, sondern zutiefst in der innigen Begegnung in dem Gott uns auf die Lippen gelegt wird.

Und das ist der dritte Punkt des Gründonnerstag. Zum Paschamahlwaren Jesus und seine Jünger versammelt. Das war den Juden geboten worden, als sie aus Ägypten auszogen. Die Pest hatte die Kinder der Ägypter hinweggerafft, und damit diese Pest vorüber ging, an dem Volke Israel, sollen sie die Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestreichen, damit der Würgeengel vorbei ging und sie sollten dann stehenden Fußes ein Mahl halten und sich die Kraft Gottes einverleiben und dann aufzubrechen in die Freiheit. Gründonnerstag Mahl feiern, Pascha feiern bedeutet, das wir berufen sind, in die Freiheit der Kinder Gottes, das unser Leben nicht ein Sklavendasein ist, nicht ein Fremdbestimmt sein, sondern zutiefst und zueigenst ist unser Leben Geschenk der Freiheit Gottes. Und sie haben es erfahren in dieser ehrwürdigen Stunde und Jesus hat es uns mitgegeben. Feiert den Gründonnerstag, als einen Tag des Vorwärtsdrängens, des Aufblühens, der Erneuerung, des neuen Leben. Feiert ihn als eine intime Vereinigung mit eurem Gott. Feiert ihn, diesen Gründonnerstag als die Berufung in die Freiheit der Kinder Gottes. Und dann habt Ihr auch die Kraft in den Karfreitag hineinzugehen und in die Stille des Karsamstag. Weil nämlich dann am Ostermorgen das neue Sein aufleuchtet. Das Gott selber in Jesus Christus das Leben Euch schenkt. Unwiederbringlich IHN .

Heilige Woche, heilende Woche. Gehen wir diesen Weg mit. Öffnen wir unsere Seele. Es geht nicht einfach um äußere Vollziehung, sondern zutiefst um innere Bewegtheit. Dass Gott in uns wohnt, das wir als Sünder, wir als Versager, eingeladen werden am Gründonnerstag zum Mahl. , ~Dies Viridium~, Grüne Zweige in der Kirche sein sollen. Und das uns die Freiheit nur geschenkt wird, wenn wir bereit sind aufzubrechen in der Kraft Gottes.

Gründonnerstag, die Tiefe unseres Lebens. Die Würde unseres Herzens. Gründonnerstag Erinnerung, nein nicht Erinnerung, Gegenwärtigung, das Gott sich mit uns vereint, das er auf unsere Lippen gelegt werden will.

Georg Koch

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