Fest der Heiligen Familie

„Wusstet ihr nicht, das ich im Hause meines Vaters sein musste?“

Wem gehören wir? Wer sind wir? Wessen Kinder sind wir? Wo gründet sich unsere Identität? Wie können wir im Glauben erwachsen werden?

Am Fest der heiligen Familie wird uns ein Text vorgestellt, der auf den Gehorsam Jesu gegenüber seiner Familie abhebt. Aber die Dynamik dieser Legende geht weit über den Gehorsam hinaus.

Alles beginnt recht traditionell. Jahr für Jahr pilgern die Eltern Jesu mit ihrem Sohn nach Jerusalem. Er ist zwölf Jahre alt, jung genug und alt genug, um im Glauben erwachsen zu sein.

Während die Eltern auf dem Rückweg sind, bleibt er im Tempel und nimmt teil an den dort üblichen Lehrvorträgen. Seine Eltern suchen ihn bei den Verwandten, gehen nach Jerusalem zurück und nach drei Tagen finden sie ihn im Tempel. Allein diese drei Tage müssen stutzig machen, den so groß ist Jerusalem nicht. Eher wird der Evangelist mit den drei Tagen, eine Neugeburt andeuten wollen.

Als sie ihn finden, wendet sich seine Mutter an ihn: „Kind, warum hast du uns das angetan?“ Schroff antwortet er: „Warum habt ihr mich gesucht, wusstet ihr nicht, dass ich dort sein muss, wo mein Vater ist?“

Maria ist aufgewühlt und Jesus ist aufgewühlt. Sein Eltern sind benommen und er ist erfüllt von der Gegenwart Gottes. Das Erlebnis einer besonderen Nähe und einer inneren, ihn ganz persönlich betreffenden Zuwendung Gottes hat ihn aufgewühlt. Und später wird er sagen: Wer nicht Vater und Mutter hasst, der wird nicht zum Himmelreich gehören.

Was würden wir sagen, wenn unser Sohn nach der Firmung, die wir der Tradition gemäß spenden lassen, sagt: Diese Beauftragung mit dem Heiligen Geist hat mich so gepackt, dass in mit der Entschluss gereift ist, Priester zu werden. Würden die Eltern nicht sagen: So war das nicht gemeint mit der Firmung. Bleibe bei deinen Leisten und fühle dich in unserer Familie beheimatet.

Es geht also darum, ob wir die Gelassenheit haben, dass der andere in die Freiheit der Kinder Gottes hineinreifen kann.

Familien geben Schutz und Geborgenheit. Sie binden aber auch oft, halten klein und machen abhängig. Du gehörst zu uns, sagen die Eltern. Die Bindung in der Familie ist am Anfang sehr eng und symbiotisch. Damit Eltern verstehen, dass ihre Kinder Kinder Gottes sind, bringen sie diese schon recht früh in die Kirche, um sie taufen zu lassen und sie Gott zu übergeben.

Es geht also bei dieser Stelle um das tiefe Vertrauen, ob wir den anderen dem Schutz Gottes anvertrauen.

Viele Eltern haben dazu nicht die Courage. Sie behüten ihre Kinder auf Schritt und Tritt und meinen, ihnen könne nichts passieren. Ich kenne Eltern, die in ihrer Überfürsorge beim Ertönen des Blaulichtes des Krankenwagens oft erschreckt meinen, ihrem Kind sei ein Unfall widerfahren.

Es gibt eine Verantwortungsangst, die uns gängelt, statt uns flügge werden zu lassen. Diese Verantwortungsangst könne wir erst ablegen, wenn wir das tiefe Vertrauen haben, unser Leben sei von Gott gehalten. Das gilt selbstverständlich auch für die Partner an unserer Seite.

Dieses Vertrauen kommt in dieser Erzählung ins Spiel und steht auf dem Spiel. Maria spürt, wie Jesus sich ihnen entfremdet hat. Jesus spürt, dass sich eine doppelt Zugehörigkeit für ihn auftut.

Die Auseinandersetzung zwischen Moral (sprich Gehorsam) und Religion (sprich Glaube) kommt hier zu einem ersten Höhepunkt. Wem gehöre ich? Wer bin ich? Ja, unsere Identität will hier geklärt werden.

Jesus sieht sich von nun an in eine zweifache Zugehörigkeit verwiesen. Die natürliche, die seine Geburt und seine Familienzugehörigkeit mit sich brachte, bleibt nach wie vor bestimmend. Obwohl ihn sein Tempelerlebnis dieser entriss, wird er keinesfalls zum Rebell, der mit seinem Elternhaus bricht. Und doch gehört er ihr von nun an auf eine völlig andere Weise an als zuvor. Denn in die familiäre Zugehörigkeit ist jene göttlich-andere eingebrochen, die ihn auf die Seite Gottes stellt. In ihm hat er nunmehr Halt und die ihn bergende Heimat.

Diese Spannung führt zu der Frage: Wer bin ich? Das Gefühl einer neuartigen Zugehörigkeit bewegt ihn ab jetzt.

So werden wir am Fest der heiligen Familie durch diese Legende auf dieselbe Spannung verweisen. Eltern werden uns wichtig bleiben, aber sie werden von nun an nicht mehr das Wichtigste sein. Wir werden jetzt auf der Seite Gottes stehen.

Ob wir einander diese Freiheit schenken können, weil wir im Vertrauen auf Gott verwurzelt sind, das wir zu einer entscheidenden Herausforderung.

Hier gilt das Lebensgesetz: Nur was ich gebe, werde ich behalten. Unsere Kinder und auch unsere Partner sind nicht unser Eigentum, sondern sie sind Kinder Gottes.

Georg Koch

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