Fahr noch einmal hinaus, breche noch einmal auf!

Wenn wir unsere  Beziehungen in einer stillen Stunde betrachten, werden wir oft feststellen, wie vieles routinemäßig abläuft, der Alltag eingekehrt ist, ein brennender Funke fehlt. Vieles ist leer geworden.

Würde dann doch jemand sagen können: Fang noch einmal an! Erinnere dich noch einmal an das Glück der ersten Stunde.

Bei unserem beruflichen Tun sieht es oft auch so aus: Nach Beamtenart arbeiten wir, alles ist eingespurt, Überraschendes wird vermieden. Abends setzen wir uns zu Hause dahin und sagen uns: Unser Akku ist leer. Vertane Tage!

Und wenn wir unseren Glauben ausloten, dann werden wir bekennen müssen: Unser Glauben ist in einen Trott gekommen. Wir leiern Gebete herunter, sitzen unsere Gottesdienste ab, Ungewöhnliches passiert nicht, nicht einmal Zweifel quälen uns.

Unser Glaube ist leer geworden, unsere Glaubensnetze sind leer.

Vielleicht ist in all diesen drei Bereichen eine notwendige Erkenntnis: Alles ist leer.

Erst wenn wir uns das eingestehen, werden wir vielleicht den Ruf vernehmen: Fahr noch einmal aus und werfe dein Netz in der Tiefe der Seele aus.

Petrus hat Bedenken: Wir haben die ganze Nacht nichts gefangen, aber auf dein Wort hin will ich es noch einmal versuchen.

Da müssen wir uns die Ausgangsposition bewusst machen: Viel Volk drängte sich um Jesus, um sein Wort zu hören.

Gott sei Dank, sind sie hier versammelt, um das Wort Gottes zu hören, das aus der Leere unseres Daseins zum Reichtum führen kann.

Aber sind wir dazu noch fähig? Hungern wir nach dem Wort Gottes? Drängen wir uns um Jesus, um seine Botschaft vom Glück des menschlichen Lebens zu vernehmen?

Kommen wir zur Stille und zum Hören bei all den flirrenden Informationen, die tagtäglich auf uns niederprasseln?

Wenn wir die Schriftstelle vom reichen Fischfang vernehmen, dann werden wir bei genauerem Hinhören viele Ungereimtheiten feststellen. Sie sollen uns darauf aufmerksam machen, dass es um eine Existenzerzählung für unser Leben geht.

Das Wunder dieser Stelle ist nicht, dass Netze mit unendlichen Fischen gefüllt werden, sondern dass ein Mensch sich Gottes würdig erfährt.

Petrus merkt, dass seine Lebensnetze leer sind. Er erschrickt als sie auf Jesu Wort hin gefüllt werden. Herr, gehe weg von mir. Ich bin deiner nicht würdig. Ich bin ein armer und sündiger Mensch, meine Netze sind leer.

Nun wird er nicht weggeschickt, sondern er erhält einen neuen Auftrag. Von nun an sollst du Menschen gewinnen, sie mit der Botschaft von der Güte und Barmherzigkeit Gottes in den Bann schlagen.

Er mit den leeren Händen bekommt einen neuen Beruf, der seinen alten Beruf auf wunderbare Weise wandelt.

Er muss nicht ein Examen absolvieren, keine Lateinkenntnisse vorweisen oder eine theologische Laufbahn einbringen. Nein, mit leeren Händen, nur gefüllt mit dem Worte Gottes, soll er seinen Beruf auf neue Art und Weise ausführen.

Auf dein Wort hin, das ist seine Aufgabe und Herausforderung. Wie dankbar wären wir doch, wenn in unseren Beziehungen, in unserem Beruf, in unserem Glauben, bei allen verfahrenen Situationen jemand uns zuflüstern würde: Du darfst noch einmal

neu beginnen, brich noch einmal trotz allem Scheitern auf, fahr noch einmal hinaus!

Entdecke das Überraschende in deinem Leben. Erinnere dich an das Glück der ersten Liebe, an die Erfüllung am Anfang deines Berufes, an die Faszination des Glaubens, als du noch kindlich zu glauben vermochtest.

Dazu sind wir alle berufen, die wir heute hier versammelt sind. Nicht von uns aus sollen wir Großes leisten, sondern mit Liebe und Begeisterung sollen wir all unser Tun vermenschlichen.

Der Lehrer soll den Schüler sehen und ihn lieben und den Lehrplänen einen anderen Stellenwert geben. Der Kfz-Mechaniker soll nicht nachlässig die Schrauben an den Rädern anziehen, sondern an die Sicherheit seiner Kunden denken. Die Hausfrau

soll nicht routinemäßig kochen, sondern mit Liebe würzen und das Essen vorbereiten. Alles soll mit Begeisterung gepaart sein, mit Liebe gewürzt.

Fang noch einmal an, lass dich noch einmal tragen von der Faszination der ersten Anfänge.

Gewiss unsere Berufung geschieht nicht so spektakulär wie bei Petrus, Paulus oder bei dem Propheten Isaias. Sie geschieht oft in den alltäglichen Anrufen.

Eine kleine rabbinische Geschichte vermittelt uns diese Sicht: Vor seinem Ende sagte Rabbi Sussja: Wenn ich vor Gott erscheine, werde ich nicht gefragt, warum ich nicht Moses gewesen bin. Sondern ich werde gefragt: Warum warst du nicht

Sussja?

Warum war ich nicht ich selbst und ganz bei einer Beziehung, bei meiner Arbeit oder in meinem Glauben?

Das ist einmal eine Entlastung, weil wir nicht etwas Besonderes leisten müssen und zu anderen eine Herausforderung, weil wir nicht beim Gewöhnlichen und Bekannten stehen bleiben müssen.

Fahr noch einmal aus, fange noch einmal an, breche noch einmal auf im Namen Gottes und du wirst spüren, wie sehr sich dein Leben vom anderen Ufer unseres Daseins füllt.

Georg Koch

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