Einen Gott, der sich uns zuwendet...

Wenn ich bei Autofahren im Rückspiegel ein Polizeiauto erkenne, dann gehe ich sofort vom Gas und überlege, ob ich vielleicht ein Verkehrsschild übersehen habe. Polizei verbinde ich zuerst mit Kontrolle oder mit Protokoll. Mir wird bewusst, dass

diese Reaktion zusammenhängt mit alten Drohbotschaften aus der Kindheit. Viele von uns haben solche Botschaften internalisiert. Sie sind tief in uns eingeprägt worden, so dass wir nur schwer davon wegkommen.

Polizei ist eine Institution, die Angst macht, die bei uns ein schlechtes Gewissen hervorruft, die mit Sanktionen droht. Wir verbinden solche Institutionen nur ganz selten mit Hilfe oder mit Schutz.

Wovon sind wir in unserem Denken beseelt, wenn wir an Gott denken? Welcher Geist belebt uns, wenn wir das Wort Gott vernehmen? Bekommen wir dann Angst? Werden wir unsicher oder frei?

Viele von uns haben noch einen Polizistengott. Gott, das ist doch der auf der Seite der Gesetzgeber. Einer, der die Gebote erfunden hat und dafür sorgt, das sie eingehalten werden. Einer der kontrolliert und uns beobachtet. „Ein Auge ist, das alles

sieht; auch was in dunkler Nacht geschieht.“

Ein solches Gottesbild macht nicht frei oder lebendig.

Dann haben wir noch einen Nothelfergott. Er ist einer, zu dem man in Notfällen beten kann. Einer, der sich durch Wallfahrten oder Geld bestechen lässt. Der im letzten Augenblick noch ein Wunder aus der Tasche zieht. Aber nur dann, wenn es ihm

passt und die Mensche schön klein und demütig sind.

Wenn des dem Menschen gut geht, ist der Nothelfergott arbeitslos.

Dann haben viele noch einen Sündenbock-Gott. Das ist jener Gott, mit dem aller erklärt werden kann. Immer heißt es schnell: Das war Gottes Wille. Da kann man nichts dagegen tun. Selbst in Todesanzeigen kann man das lesen.

Mit dem Sündenbock-Gott stiehlt der Mensch sich aus der Verantwortung und vieles bleibt ungetan.

Wie unser Gottesbild aussieht, so wird auch unser Glaube aussehen.

Beim Auftreten Jesu in der Synagoge in Nazareth im heutigen Evangelium zeigt Jesus uns sein Gottesbild. Er fühlt sich von einem Gott beseelt, der sich uns Menschen zuwendet. Er richtet die Geschlagenen auf und den Blinden verhilft er zu einem

neuen Durchblick.

Die Zuhörer achten auf die Worte Jesu und wir verstehen zuerst nicht, warum sie zornig und wütend werden.

Er zitiert den Propheten Isaias und schließt mit dem Satz: Ich verkünde euch ein Gnadenjahr des Herrn. Damit schließt er. Aber die Zuhörer kenne diese Stelle und wissen, dass bei dem Propheten noch der Satz folgt: Und ich verkünden einen Tag

der Rache und der Vergeltung.

Diesen Satz streicht Jesus ersatzlos. Er verkündet einen bedingungslos liebenden Gott.

Das geht ihnen gegen den Strich! Im Namen Gottes wollen sie Vergeltung und Rache, um die Besatzungsmacht der Römer aus ihrem Land hinauszufegen.

Sind wir nicht im Inneren unseres Herzens auch noch mit solchen Gedanken behaftet? Wenn jemand der schofelig ist, etwas passiert, dann kommt mir schnell der Gedanke: Das geschieht ihm recht, das war die richtige Strafe für sein Verhalten. Und

manchmal meinen wir  noch, es müsse einen Gott geben, der dazwischen schlägt, der wenigstens am Ende des Lebens für Gerechtigkeit sorgen müsse.

All dem macht Jesus einen Strich durch die Rechnung. Er verkündet einen liebenden Gott, der sich uns zuwendet und die Sonne über Gut und Böse aufgehen lässt. Welch eine Größe und Weite atmet dieses Gottesbild.

Der große Gott, der strafende Gott wird hier ersatzlos gestrichen.

Wie dies in unseren Tagen aussehen könnte und wie wir diesen Gott suchen könnten, hat in ein paar Zeilen der Schweizer Pfarrer Kurt Marti niedergeschrieben:

GOSSER GOTT KLEIN

Großer Gott:
uns näher
als Haut
oder Halsschlagader
kleiner als
Herzmuskel
Zwerchfell oft:
zu nahe
zu klein –
wozu
dich suchen?
wir:
deine Verstecke

Was bleibt da vom großen Gott? Hier wird von einem Gott gesprochen, der uns nahe ist. Der Weg geht von außen nach innen bis zum Herzmuskel und Zwerchfell, tiefer noch – abgrundtief in uns.

Ein Gottesbild, wo Gott uns ganz nahe ist. Und wie der Apostel Paulus schreib: „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art.“ (Apg 17,28)

Wenn wir so Gott verstehen, dann kontrolliert er uns nicht, dann bestraft er uns nicht, er ist uns liebend ganz nahe. Wir sind seine Verstecke. Er wendet sich uns zu.

Und ein solches Gottesbild lädt uns ein, in jedem Menschen sein Antlitz zu entdecken und den Menschen im Namen Gottes zu helfen, dass sie das Glück ihres Lebens finden.

Georg Koch

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