Die Zukunft der Kirche...

Die Kraft des Heiligen ist weggebrochen, die Gottesdienste werden immer weniger von den Gläubigen besucht, die Kinder werden noch fast alle getauft, aber die Zahl derer, die sich unter dem Segen Gottes trauen lassen, gehen gegen Null.

Bestandsaufnahme unseres Glaubens am Gründonnerstag. Ist die Erinnerung an das Stiftungsmahl unserer Kirche noch eine Kraft, die uns in das dritte Jahrtausend trägt?

Lassen sie mich auf diese Fragen antworten mit einem Drehbuch für unsere Kirche im Jahre 2328, mit einem Drehbuch für einen Zukunftsfilm:

„Touristen auf einer Bildungsreise wollen die Kultur und die Bräuche der Menschen im Westerwald und an der Sieg kennen lernen. Wir schreiben das Jahr 2328. Sie betreten ein altehrwürdiges Gebäude. Die Fremdenführerin erklärt: „Sie stehen hier in der ehemaligen Kirche von Scheuerfeld. Vor ein paar Jahrhunderten  war dieser Bau einmal der Stolz der Gemeinde. Einer über tausendjährigen Tradition folgend, trafen sie hier Sonntag für Sonntag fast alle Einwohner des Ortes, um ihren Gott zu verehren.

Aber kurz vor der letzten Jahrtausendwende, in den Jahrzehnten nach dem sogenannten zweiten Weltkrieg, ließ das Interessen an den Gottesdiensten stark nach. Und bald wurde  wegen mangelnder Benutzung die Kirche geschlossen. Um die Kirche vor dem drohenden Verfall zu retten, schritt der Staat ein und nutzte diese Kirche als kunsthistorisches Museum für Landeskunde und Volksglauben im Westerwald und an der Sieg.

Die Gruppe geht in einen kleinen Raum an der Stirnseite des Gebäudes, den man früher Sakristei nannte. Die Reiseführerin öffnete einen Tresor und zog eine schwarzen Schatulle heraus. Sie öffnete sie vor den neugierigen Gesichtern. Ein Raunen ging durch die Reihe der Touristen, als sie eine Schale aus purem Gold und eine Kelch, reichlich mit Edelsteinen verziert, zeigte. „Das meine Damen und Herren waren die wichtigsten Geräte bei der gottesdienstlichen Feier  der Christen. Es war einem eigenen Berufsstand vorbehalten, bei dieser Feier aus der goldenen Schale an die Gläubigen kleine weiße Hostien aus Brot auszuteilen und Wein aus dem Kelch zu trinken.

Die Touristen bestaunten die wertvollen Stücke  und gingen langsam aus der Sakristei. Ein junger Mann blieb stehen und bat die Fremdenführerin: „Könnten Sie mir noch mehr über diese Geräte und über die Art sagen, wie die Christen damit gefeiert haben?“ „Vielmehr kann ich leider nicht sagen,“ gab sie zu, „aber es soll in der Eifel ein altes Kloster geben, wo noch ein paar Mönche nach dem damaligen Ritus Gottesdienst feiern.“

Der junge Mann machte sich auf und suchte nach dem entlegenen Kloster. Als er die Klosterkirche betrat, hörte er Klänge, wie er sie noch nie gehörte hatte. Um einen großen Steintisch oder Steinaltar standen Männer in weißen Gewändern, Und auf dem Tisch erblickte er sie wieder: die goldene Schal und den reich geschmückten Kelch.

Der greise Priester hob die Schale, zeigte eine weiße Scheibe Brot und sprach: Nehmet und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, Danach nahm er den Kelch und sprach: Nehmet  hin und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes. Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Und alle verneigten sich. Aus dieser Geste sprach eine tiefe Ehrfurcht.

Staunend verfolgte der junge Mann das Geschehen. Er verstand zwar nicht, was die kleine Scheibe Brot mit dem Leib und Fleisch eines Menschen zu tun haben sollte. Aber das spürte er: dass dieses Brot  mit keiner anderen Speise zu vergleichen war und dass an diesem Brot das Leben dieser Männer hing.

Er verstand zwar nicht, was dieser Wein in dem Kelch mit einem neuen Bund zu tun haben sollte, aber das spürte er: dass das Trinken aus dem einen Kelch diese Männer zusammen hielt und dass in dieser Runde eine geheimnisvolle Beziehung zu Jesus bestand, den sie in ihren Gebeten ansprachen.

Und er verstand nicht, wie das gehen sollte: „Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird“; aber das berührte ihn, dass diese Männer in ihren Gebeten nicht nur an sich selbst dachten, sonder an alle, auch an die , die von dieser Feier überhaupt keinen Notiz mehr nahmen und denen dieser Jesus gleichgültig war.

Er verstand auch nicht, was diese Schale und dieser Kelch mit der Vergebung der Sünden zu tun haben sollte, aber das beeindruckte ihn: dass in dieser feierlichen Atmosphäre so unbequeme Themen wie Sünde und Schuld nicht totgeschwiegen, sonder ehrlich ausgesprochen wurden, ohne dass sich eine bedrückende Resignation über diese Feier legte. Und er hörte die Wort: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, und er fragte sich: Warum nur haben die Menschen solche Worte und Zeichen vergessen? Warum nur haben sie mir so etwas vorenthalten?

Und er beschloss, sich auf die Suche zu machen nach dem Geheimnis von Brot und Wein.

Georg Koch

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