Die Verwandlung des Lebens

Die Hochzeit zu Kana hat mich in Kindheitstagen fasziniert. Es ist eine Geschichte, in die man unwillkürlich hineingezogen wird. Und so ist auch heute noch.

Dennoch habe ich mich in den späteren Jahren gefragt, was diese Erzählung mir sagen will. Wird ein Wunder geschildert, das mich zum hilflosen Staunen verbannt, oder soll es zum Glauben führen.

Schon der Evangelist Johannes nennt es ein  Zeichen, das Jesus wirkte. Und so kennt er in seinem Evangelium fünf weitere Zeichen wie die Auferweckung des Lazarus, die auf symbolhafter Ebene bei den Zuhörern etwas bewirken wollen.

So mute ich Ihnen heute morgen eine Interpretation zu, die vielleicht überraschende Bezüge zum eignen Leben offen legt.

Beginnen wir bei dem Bild der Hochzeit. Hochzeit meint in allen Erzählungen die Einheit von Gegensätzen im Leben. Dunkel und hell, geistiges und triebhaftes, männliches und weibliches verbinden sich miteinander und bilden eine Einheit, aus der

große Kraft erwachsen kann.
Man könnte auch sagen: Es ist in meinem Leben stimmig. Alles passt zueinander.

Aber dies ist doch nicht immer so. Manchmal fühle ich mich leer, hart und abweisend. Hier sind wir bei dem Bild der leeren Wasserkrüge. Sie können eine Stimmung meinen, die manche Menschen mit negativer Selbsteinschätzung so ausdrücken:

Ich kann nichts, ich bin nicht, ich habe nichts, ich werde nichts, ich bin nutzlos.

Es können selbst tüchtige Leute sein, fleißig und sie werden gelobt, aber sie haben das Empfinden, dies hätten sie sich verdienen müssen. Und man wird weit in die Kindheit zurück gehen müssen, um solche alten Botschaften zu orten. Es sind

Verletzungen, die tief im Inneren sitzen.

Oft verdrängt man sie, will sie nicht zum eigenen Leben zugehörig wissen.

Wie kann sich nun ein als leer empfundenes Leben füllen?

Im Text sagt Maria zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Also die Worte Jesu sind jene Wirkkraft, die die Verwandlung in Gang setzen.

Er sagt: Füllt die Krüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis zum Rande. Übertragen wir es: Gerade unsere scheinbar negativen Lebenseinstellungen sollen wir anschauen. Wir sollen darüber reden können, bis sie unter Tränen zum Vorschein kommen.

Wir sollen sie durchwaschen, reinigen.

So kann das Wunder entstehen, das aus dem Gefühl des Nutzlossein eine neue Selbsteinschätzung geschieht.

So können wir lernen, uns selbst als kostbar zu sehen, trotzt aller Widersprüche.

Mit den Augen der Liebe und der Güte werden wir dann uns und den anderen sehen und hinter aller Fassade uns und den anderen als kostbar empfinden.

Wir sollten dem anderen einfach nicht glauben: Er sei  nichts wert!

Dann wird sich unter der Hand der Mensch verwandeln und er lernt, an sich selbst zu glauben.

Der Wein des Glückes muss in diesem Prozess gekeltert werden und es ist oft ein jahrelanger Prozess. Aber es ist ein größeres Wunder als Wasser in Wein, wenn ein Mensch sich als kostbar einschätzt.

Die „Diener“ verstehen dies. Mit Diener können die Kräfte und Fähigkeiten in uns gemeint sein, die uns dienen und helfen. Sie verstehen die Worte Jesu.

Der „Oberkellner“, der kostet, wusste nicht, woher der gute Wein kam. Er könnte unser „Über-Ich“ sein, unsere Vernunft, die sich solche nicht erklären kann.

Der beste Wein wird am Schluss gereicht.

Wie ein solcher Prozess der Verwandlung vor sich geht, hat einmal auf wunderbare Weise Michelangelo ausgedrückt. Er wurde gefragt, wie es ihm gelinge, aus einem knorrigen Stück Holz eine so wunderbare Figur zu schnitzen.

Michelangelo sagte: Die kostbare Figur ist in dem Holz schon da. Ich schnitze nur das Überflüssige weg.

Das ist in unserem Leben ein schmerzhafter Schnitt. Auf Ansehen, Reichtum und Erfolg haben wir gesetzt und mit jedem Jahrzehnt wird immer mehr von uns genommen, bis wir uns ganz innen als frei und kostbar erleben.

Dann ist alles gekeltert und unser Leben wird zu einem kostbaren Wein. Mit Freude werden wir dann Hochzeit feiern können.

Dieses Wunder will Jesus in dieser existentiellen Parabel schildern: Aus einem angstbesetzten Menschen wird ein freies Gotteskind.

Es wird also nicht Wasser zu Wein, sondern aus dem Wasser der Alltages kann Wein der Herzlichkeit werden, wenn wir uns unter den Augen Gottes als wertvoll verstehen.

Jesus hat die Augen des Künstlers. Er sieht in jedem Menschen das Kind Gottes, das Kostbare, und seine Worten und seine Taten wollen anhalten, das Überflüssige zu entfernen.

So zieht uns diese wunderbare Geschichte immer wieder in ihren Bann, im Alter verstehen wir sie  nicht mehr äußerlich, sondern spüren, wie  zutiefst unser Inneres dadurch gewandelt wird.

Das Leben wir verwandelt, wenn wir das tun, was er sagt. Dieses Wunder der Verwandlung wünsche ich mir und Ihnen.

Georg Koch

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