Die Sendung der Christen

Die Sendung der Christen



 

„Geht, ich sende euch…“

Jesus sendet seine Jünger, sendet seine Kirche, sendet uns zu den Menschen. Christsein bedeutet, immer auch zu den anderen geschickt und unterwegs zu sein. Zeugnis abzulegen für das Reich Gottes, dass ist die Berufung und die Lebensaufgabe aller Christen zu allen Zeiten. Christen müssen in ihrem Glauben grundsätzlich immer für die anderen offen sein.

Alles kreisen um sich selbst, um den einzelnen oder um die Gemeinde, das spricht gegen den Auftrag Jesu.

Seine Sendung ist universell, allumfassend, bis an die Enden der Erde.

Zweiundsiebzig Jünger – eine Zahl voller Symbolik

72 Jünger werden gesandt – worauf kann diese Zahl hinweisen? Müssen wir da gut in Mathematik sein oder mit Zahlen jonglieren können?

Man muss rechnen können auf eine Art, wie man sie vorab im Alten Testament lernen kann. Dort gibt es zwei dieser altestamentlicher Grundrechenarten, wie wir sie für das Verständnis des heutigen Evangeliums brauchen.

Im 10. Kapitel der Genesis, unmittelbar nach der großen Flut, nach der Flut, die die Welt vernichtet hat, wird aufgezeigt, wie die Welt wieder geordnet und bewohnbar werden soll. Es werden Namen von Völkern aufgezählt, die man zur damaligen Zeit kannte. Es kommt nicht auf die Namen an, sondern auf die Zahl: Es sind genau 72 Völker.

Ein Ergebnis, das nicht besonders verwunderlich ist – nicht verwunderlich für den, der die dahinterstehende Rechenregeln kennt. Es müssen schließlich 72 Völker sein, keines mehr und keines weniger.

Der biblische Autor möchte zeigen, dass die ganze Welt nach der Flut wieder besiedelt wird.

72, das ist 6 mal 12. Und zwölf ist bekanntermaßen die Zahl des Volkes. Nicht umsonst hat das Volk Israel 12 Stämme.

Zwölf ist aber auch die Zahl der Vollkommenheit. Die zwölf Monate machen den Jahreskreis aus, die zwölf Stunden den Tag. Zwölf Stunden umfasst die Nacht. Das himmlische Jerusalem ist von zwölf Türmen umgeben. 12 als Zahl der kosmischen, der himmlischen Vollkommenheit.

Da aber die Welt nur von bedingter Vollkommenheit ist, da sie begrenzt und zeitlich ist, deshalb umfasst die irdische Vollkommenheit  auch nur die Hälfte der himmlischen, deshalb bedeutet irdische Vollkommenheit statt 12 eben nur die Zahl 6.

Selbst im Mittelalter war das noch zu spüren. Die großen Dome der Romanik, sollten ja Bilder des himmlischen Jerusalems sein, aber da sie schließlich irdische Bilder dieser himmlischen Stadt waren, hatten sie keine 12 sondern vielmehr nur 6 Türme.

6 als Zahl der bedingten, der irdischen Vollkommenheit; 6 mal das Volk, also 6 mal 12 dann als Zahl aller Völker dieser Erde. 72, die irdische Zahl der Völker dieser Welt.

Die himmlische Zahl aller Völker wird dann übrigens wieder 12 mal 12 sein. Nicht umsonst werden 144 mal Tausend am Ende gerettet werden, nämlich Tausend, unermesslich viele.

Die irdische Zahl aber umfasst zunächst mal die Hälfte, nämlich 72. Und nimmt es da noch Wunder, dass im heutigen Evangelium genau 72 Jünger ausgesandt werden.

Was Lukas da macht, ist eine ganz kunstvolle Komposition aus der Zahlensymbolik der alten Testamentes. Jesus sendet seine Jünger, und er sendet 72 und er sendet sie in alle Städte.

Lukas, der wohl zu den Heidenchristen gehörte, macht mit dieser Stelle ganz deutlich: Jesus gehört nicht nur den Juden. Er selbst hat den Anstoßt dazu gegeben, dass das Christentum über die Grenzen des Judentums hinauswuchs.

„Esst, was man euch vorsetzt!“ (Lk 10,8)

In einer wunderbaren Nebenbemerkung wird dieser universale Anspruch des Christentums deutlich. Zuerst ist es für unsere Ohren fremd, zu hören, dass man essen soll, was einem vorgesetzt wird.

Die Jünger sollen von dem leben, was sie tun. Dann aber verbirgt sich hinter dieser Anweisung, dass die Jünger bei ihrer Sendung nicht an die jüdischen Reinheits- und Speisegesetze gebunden sind.

Und allgemein heißt das für uns: Verkündet die Botschaft Jesu so, dass sie von den Mensche der verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Prägungen verstanden werden.

Sich ganz auf Gott verlassen

Die Jünger sollen bei ihrem Auftrag nichts mitnehmen: keinen Geldbeutel, keine Vorratstasche, keine Schuhe. Welch ein grasser Gegensatz zur Ausrüstung der heutigen Kirche. Gewiss, die Zeiten haben sich geändert. Aber was dahinter steht ist geblieben: Verlass dich allein auf die Kraft Gottes, auf das Wirken seines Geistes.

Und noch einmal Symbolik der Zahlen

Sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist nahe! Oder: Der Geist Gottes will in euch wirken. Dies ist dann möglich, wenn sich Himmel und Erde miteinander vereinen.

Für die Erde steht die Zahl vier: Vier Elemente, Himmelsrichtungen, Temperamente, Jahreszeiten… Die Drei steht für das Göttliche: Vater, Sohn und Geist…Dreimal vier ist zwölf und vier und drei sind sieben. Der Rhythmus der Schöpfung ist die Sieben, wo Gott und Mensch miteinander feiern und verbunden sind. Am siebten Tag ruhte Gott und wenn der Mensch am siebten Tag arbeitet, dann ist er aus dem göttlichen gefallen, gehört nur noch der Erde, dem Dreck an. Man darf aus der Zahl sieben keine Zahl herausbrechen, sonst bricht alles zusammen.

Das Reich Gottes wird also in der Zahl sieben symbolisiert und wenn man sieben Berge überstiegen hat, ist man auf der Höhe angekommen und darf ausruhen.

Fünf Brot und zwei Fische = sieben werden ausgeteilt und 12 Körben werden eingesammelt. Und alle waren satt, wo geteilt wurde, Reich Gottes, Tisch Gottes gedeckt mitten in der Welt.

Wenn wir uns einlassen auf diese Symbolik, wenn sie uns erfasst, dann spüren wir, dass hinter unserer Welt eine große Harmonie steht, die alles zusammenhält. Und dies sollen wir nicht verschweigen, sondern künden bis an die Enden der Erde.

Pastor Georg Koch

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