Die Kirche und die Frauen

Ein aufregendes Evangelium ist das heute nicht, dieser kurze Abschnitt aus dem achten Kapitel des Lukasevangelium. Da geht es darum, dass Jesus durch die Dörfer zog und predigte und dass die Zwölft ihn begleiteten und einige Frauen. Das war es auch schon.

Ein aufregendes Evangelium ist das wahrlich nicht.

Und doch, wenn man es aus der damaligen Zeit heraus liest, dann spürt man, dass dieser kurze Abschnitt eine Menge Zündstoff in sich birgt, und das noch bis auf den heutigen Tag.

Jesus zog mit seinen Jünger durchs Land wie jeder Wanderrabbi. Aber das im Gefolge dieses Jesus von Nazareth auch eine ganze Reihe von Frauen als Jüngerinnen mitzogen, das war total ungewöhnlich, das war damals gegen jeden Stil. Man muss bedenken: das Judentum ist ja noch bis auf den heutigen Tag fast ausschließlich eine Männerreligion. Frauen zählen da nichts.

Wenn man nun einmal die Evangelien durchforstet, dann fällt auf, dass Jesus gegen die Gewohnheit seiner Zeit überhaupt ein unkompliziertes Verhältnis als Rabbi den Frauen gegenüber hatte. Er spricht lange mit der Samariterin am Jakobsbrunnen, er lässt sich von einer Frau salben, bei Maria und Marta kehrt er ein, mit den Schwestern des Lazarus ist er befreundet und sie werden die ersten Botinnen der Auferstehung Jesu.

Die Frauen, die immer einfach nur dabei waren, die keinerlei führende Rolle gespielt haben, die werden von Gott gewürdigt, die ersten Zeugen der Auferstehung zu sein. Sie sind die ersten, die am Grab vom Engel die Botschaft empfangen: Er ist auferstanden; er lebt; er ist nicht hier, so wie er es euch gesagt hat. Und diese Frauen werden von Gott gewürdigt, die ersten Prediger zu sein, die eine Osterpredigt halten. Diese Frauen bekommen den Auftrag: Geht zu den Jüngern und verkündet ihnen. Da steht das Wort `verkünden`. Das gleiche, was Jesus getan hatte; sie stehen in der gleichen Tradition, in der Jesus steht. „Verkündet den Jüngern, dass er lebt, dass er auferstanden ist.“ Nicht die Apostel, nicht die Jünger sind die ersten Prediger der Osterbotschaft, sondern diese schlichten und einfachen Frauen. Sie sind von Gott gewürdigt worden.

Hiervon hat sich die Kirche weit entfernt. Sie hat der Frau keine wichtige Rolle zugeteilt. Sowohl oben in der Kirche wie auch unten in unseren Gemeinden trauen wir den Frauen nicht zu, zu predigen.

Da müssen wir, so meine ich, ernsthaft umdenken, wenn unserer Glaube überleben soll. Sie müssen eine Aufgabe erhalten im Dienst der Verkündigung.  Sonst verraten wir den Auftrag Jesu.

Ja, erst heute setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass wir hier den Geist Jesu verraten haben und dass zur Erneuerung der Kirche dringend eine Besinnung auf die Stellung der Frau in der Kirche gehört. Gewiß es gibt keine Patentlösungen. Aber jedenfalls obliegt uns die ernste Pflicht, Überlegungen anzustellen, welche Rolle der Frau in der Kirche zukommt und welche Dienste und Ämter ihr übertragen werden können.

Wenn Jesus ein Herz hatte für die Frau, dann muss auch die Kirche ein Herzen haben für die Frau, dann muss jeder, der sich auf Jesus beruft, ein Herz haben für die Frau.

Georg Koch

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