Der Rosenkranz – Stationen des Glaubens

Das Psalmengebet der Kirche will Gott loben und preisen und unser Herz zu ihm erheben. 150 Psalmen sind es, die die Kirche betet und in denen sie Kraft findet für das eigene Glaubensleben.

Da aber das einfache Volk des Lesen und des Latein nicht mächtig war, hat sich das Rosenkranzgebet zu einem Psalterium der einfachen Leute entwickelt.

Der freudenreiche, der schmerzhafte und der glorreiche Rosenkranz mit ihren je 50 Ave Maria greifen das große Lob der Kirche auf und betrachten die Stationen menschlichen Lebens.

Wie im Philipper-Hymnus des Apostel Paulus (Philipper 2,5-11), wo die Menschwerdung Jesu beschrieben wird, so greift jeder Rosenkranz den Weg Jesu auf. Im freudenreichen Rosenkranz wird betrachtet wie Jesus sich entäußerte, also den Himmel verließ um Mensch zu werden. Im schmerzhaften Rosenkranz werden die Stationen seines irdischen Lebens mit Not, Leid und Tod aufgegriffen. Im glorreichen Rosenkranz wird betrachtet wie Jesus von den Toten auferstand, in den Himmel aufgefahren ist, uns seinen Geist gesandt hat und die Gottesmutter im Himmel gekrönt hat.

Es sind alles Hinweise wie ein gelungenes Leben sich aufgliedert und das unsere Heimat der Himmel ist. Sich dahinein zu versenken kann heilende Wirkung haben.

Der Name Rosenkranz entstand im Mittelalter und will uns hinweisen auf die Schönheit und den Duft des Lebens.

Die Minnesänger brachten ihren Geliebten Lieder dar und besangen sie als Rose, Lilie oder als Paradiesesgarten. Die Rose war ein Symbol für die Schönheit des Lebens. Die noch nicht aufgegangen Rose betört mit ihrer Farbe, die aufgehende Rose verströmt Duft und betört ebenso. Hier spielt eine Liebeslyrik eine große Rolle, die auf die Muttergottes übertragen wird,

Das Buch „Das Hohelied“ im Alten Testament kann hier Pate gewesen sein.

Ebenso war es im Mittelalter Brauch, das Bild der Geliebten mit Rosen zu umkränzen oder der Geliebten einen Rosenkranz zu flechten, den sie dann auf ihrem Haupt trug.

Eine alte Legende berichtet nun, dass ein junger Mann immer wieder das Bild der Gottesmutter mit einem Rosenkranz bekränzte. Eines Tages entschließt er sich, in eine Kloster einzutreten. Dort hat er aber nicht mehr die Möglichkeit sein Tun fortzusetzen und ist darüber sehr betrübt. Der Abtmönch sagt ihm: Der Gottesmutter sei ein Ave Maria gewiss viel wertvoller als Rosen und er solle statt der Rosen ihr einen Kranz aus Ave Maria flechten. Diese Legende fand weite Verbreitung und Widerhall bei den Gläubigen.

In der Apostelgeschichte haben wir eben gehört, dass Maria mit den namentlich genannten Aposteln im Obergemach versammelt waren und inständig im Gebet verharrten.

Von der Gottesmutter wird in der Geburtsgeschichte berichtet, dass sie all diese Worte in ihrem Herzen bewahrte und sie dort bewegte.

Beide Situationen machen uns deutlich, was das Wesen der Kirche ist: Einmütig im Gebet verharren und die biblischen Wort im Herzen zu bewegen. Und da sind wir schon mitten im Rosenkranzgebet.

Wenn wir die Geheimnisse, die wir in der Mitte des Ave Maria beten, als eine Rose ansehen, die noch verschlossen ist aber durch inständiges Gebet sich öffnet und Duft verströmt, dann führt dieses Gebet uns in einen Rosengarten. Und so besingen wir in einem Kirchenlied Maria ja auch als einen Rosengarten.

So kann auf mystische Weise uns das Rosenkranzgebet hineinführen in einen wunderbaren Paradiesesgarten. In diesem Garten ging Gott, so bereichtet der Schöpfungsbericht, spazieren und sprach im kühlen Abendwind mit dem Menschen. Es gab also im Ursprung unseres Daseins eine Unmittelbarkeit des Menschen zu seinem Gott und das Rosenkranzgebet könnte diesen Zustand wieder eröffnen.

Georg Koch

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