Das Rosenkranzgebet – eine Urtherapie

Das Rosenkranzgebet ist eine Urform des Betrachtens biblischer Glaubensstationen.  Seine Wirkung liegt darin, dass ich zum „Abschalten“  des wachen Bewusstsein und der Außenwelt gelange und mich in einer gewissen Trance der letztendlich unsagbaren heilenden Wirkung Gottes zuwendete.

Bei diesem Vorgang ist Maria mir zur Seite, mit deren Lebensstationen ich die biblischen Situationen um Jesus betrachte und auf mich wirken lasse. Es geht also nicht um ein ständiges „Nachdenken“, um ein intellektuelles Ergründen der gesagten Wort, sondern in einem gewissen Rhythmus setze ich mich ihnen aus.

Ich lasse mit die Taten Gottes zusprechen und in mir aufgehen.

Bei Rosenkranz beten auf der Wallfahrt nach Marienstatt ist mir dies einmal ganz tief „auf-gegangen“. Irgendwo beim wiederholten Male blieb ich bei dem Wort: „Du bist voll der Gnade“ stecken und dieses Wort viel ganz tief in mich hinein. Erschreckt und ergriffen spürte ich, was dieses Wort für Maria bedeutet haben könnte und wie dieses Wort mein eigenes Leben durchwärmen wollte.

Seit dem bete ich das „Ave Maria, gratia plena“ auf eine viel tiefere Weise und ich erlebe, wie dieses Wort mich heilen kann.

So ist das ganze Rosenkranzgebet eine Möglichkeit in die heilende Wirklichkeit Gottes einzutauchen.

Schon im dritten und vierten Jahrhundert kennt man Perlenschnüre, die helfen, dem Gebet einen gleichmäßigen Rhythmus zu geben.

Wenn auch die heutige Form des Rosenkranzes zu dieser Zeit noch nicht bekannt war.

Der Ursprung und Ausgangspunkt ist das Beten der Psalmen. Die Mönchen waren gehalten, die 150 Psalmen der Bibel zu beten. Das die Laienbrüder des Lesens und des Latein nicht mächtig waren, wurde ihnen empfohlen, das Vater unser statt dessen zu beten. Hierzu erstellte man Gebetsketten und so gab es im Mittelalter in vielen größen Stätten die Paternostermacher.

Später wurde dann das Ave Maria eingefügt, um eine Abwechslung zu erhalten.

Den Rosenkranz verstand man als ein Jesus-Gebet, als eine Möglichkeit sein Leben mit der Mutter Gottes zu betrachten.

So beginnt der Rosenkranz mit dem Kreuz und endet wieder mit dem Kreuz. Das Kreuz hält alles zusammen, ordnet alles und gibt allem Halt. Dann beginnt der Rosenkranz mit einer großen Ouvertüre: Das Vater unser steht am Anfang und dann wird um die drei großen Tugenden gebetet. Jesus möge in uns den Glauben mehren, die Hoffnung stärken und die Liebe entzünden.

Im freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz werden in jeweils 50 Ave Maria Situationen betrachtet, die menschlichen Leben ausmachen. Hier findet sich die Zahl 150 wieder und so wird zuerst der Rosenkranz Psalter Mariä genannt.

Im freudenreichen Rosenkranz kommt die Menschwerdung Jesu und unsere eigene Menschwerdung zur Betrachtung:

Den du, o Jungfrau, vom Hl. Geist empfangen hast, zu Elisabeth getragen, in Bethlehem geboren hast, im Tempel aufgeopfert hast, im Tempel wieder gefunden hast.

So könnte unsere eigene Menschwerdung beschrieben und umschritten werden. Zuerst sind wir Empfangende, heiliger Geist will uns erfüllen. Das neue Leben will getragen werden, sucht die Begegnung, hält an zum freudigen Aufbruch. Alles neue Leben kann aber nicht nur innerlich sein, sondern will Fleisch werden, will das Licht der Welt erblicken. Der nächste notwendige Schritt zur Reife des Lebens ist das Loslassen. Das, was uns lieb ist, soll Gott geweiht werden, wie Jesus im Tempel nach acht Tagen aufgeopfert wird. Opfern meint hier: etwas vor Gott tragen, denn jedes Kind ist nicht Kind seiner Eltern und ihrer Träume, sonder jeder Mensch ist Kind Gottes und soll in die Freiheit der Kindes Gottes entlassen werden.

Die Szene, wo Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel findet, macht noch einmal deutlich, wo die Mitte unseres Lebens ist: Im Tempel, bei Gott.

Der Rosenkranz ist so ein Mantra, was wir immer wieder neue umschreiten. Das Mantra führt zur Konzentrierung, schafft eine heilige Mitte.

Die Betrachtungen der Geheimnisse des Rosenkranz, die in der Mitte des Ave Maria eingefügt sind, entstand erst viel später und findet sich bei Adolf von Essen, dem Prior des Kartäuser Klosters in Trier.

Das Rosenkranzgebet vermag uns auf einfache Weise helfen, die Geheimnisse der Menschwerdung Gottes zu erahnen und zu erfahren. So wurde der Rosenkranz auch verstanden als der kleine Katechismus.

Die ständige Wiederholung des Ave Maria ist zu verstehen wie eine Bohrung in der Tiefe. Die Sätze werden dabei nicht durchdacht in dem Sinne, dass wir die Aktiven wären. Wir lassen vielmehr die Worte und Sätze selbst aktiv werden, indem wir uns ihnen aussetzen in Erwartung und Offenheit.

So kann der Rosenkranz zu einer Therapie werden, übt er heilende Wirkung auf uns aus und führt zur Konzentrierung des Lebens.

Georg Koch

Copyright © 2010–2017 st-ignatius.de
Alle Rechte vorbehalten.
Design und Umsetzung
Georg Zink Unternehmensberatung

Pfarreiengemeinschaft Betzdorf - Bruche - Scheuerfeld
Pfarrbüro: Elly-Heuss-Knapp-Str. 13, 57518 Betzdorf
Tel.: 0 27 41 - 22 480, Fax: 0 27 41 - 23 070
E-Mail: pfarramt[at]st-ignatius[dot]de