Das ist mein Leib – Brot gegen den Tod

Herr Pastor, warum sagen sie „Der Leib Christi“, wenn sie uns das Brot in die Hände legen? So ein Kommunionkind bei der Vorbereitung auf den Weißen Sonntag.

Im ersten Moment habe gestockt, suchte nach Worten. Was mit so selbstverständlich über den Mund geht, das sollte nun den Kommunionkindern erklärt werden.

Fronleichnam, ein Wort aus dem Althochdeutschen, meint: der lebendige Leib. Da haben wir an diesem Festtag wieder die Begegnung mit dem Leib Christi. Diesmal nicht in der geschützten Kirche, sondern mitten in der Welt.

Was aus Kindesmund gefragt, will also auch heute beantwortet sein. Vielleicht trifft diese Frage einen Kern- und Angelpunkt unseres christlichen Lebens. Zumal der hl. Ignatius von Antiochien darlegt, dass das eucharistische Brot Medizin gegen den Tod sei.

Unser Nachdenken über Jesus und sein Wirken in der Welt und in den Sakramenten stößt auf unnötige Schwierigkeiten, weil wir „Leib“ und „Körper“ nicht unterscheiden. Ich bin Leib, und ich habe einen Körper.

Die Kommunionkindern fragte ich: Wenn ihr euch freut, wenn ihr jemanden liebt, wie erfährt dies der andere? Wir nehmen ihn in den Arm, wir geben ihm einen Kuss. Ja, was wir innerlich spüren, das drücken wir körperlich aus. Leib – das ist das innere Erleben, Körper ist das äußere erfahren.

Alles Leibhaft verkörpert sich in vielfältiger Weise. Die leibhaftige Liebe findet unzählige Möglichkeiten und Weisen, um sich zeichenhaft-körperlich zu zeigen, auszudrücken und mitzuteilen.

Zum Beispiel bei einem Händedruck ist Haut, Wärme, Druck das Körperliche, in dem das Leibhaftige, die Herzlichkeit zum Ausdruck kommt.

Von einem Menschen, den wir gut gekannt haben, sagen wir obwohl er zeitlich und räumlich nicht bei uns ist, bei irgendeiner Erfahrung die uns an ihn erinnert: Es war, als ob er leibhaft vor mir stand.

Ein andermal formulieren wir: das ist uns in Fleisch und Blut eingegangen. Gewisse Dinge oder Erfahrungen verleiblichen wir, vereinnahmen wir.

Als Jesus beim letzten Abendmahle das Brot nahm und es den Jüngern reichte, da sagte er: Das ist mein Leib.

Die leibliche Gegenwart Jesu ist damit nicht mehr gebunden an seinen sterblichen Körper.

Durch die Bindung an Brot und Wein hat sie Unsterblichkeit erlangt.

So lange wir dieses Brot essen nehmen wir teil an dieser Unsterblichkeit. Jesus sagt: Meine Verkörperung in Brot und Wein ist wahrhaft eine Speise und ein Trank.

Sein Leben war Hingabe, sein Leib war Hingabe und dies verkörpert sich nicht mehr in einem sterblichen Körper, sondern in diesem Brot, was wir brechen und weiter geben.

Jesus Christus ist Mensch geworden, Körper, Fleisch. Er ist nicht irgendeine Idee oder ein philosophischer Lehrsatz, sondern spürbar und sinnenhaft unter uns.

Zur Zeit seines Lebens wohnte er in diesem hinfälligen Körper und hat alle menschlichen Erfahrungen geteilt.

Nun ist er uns gegenwärtig in diesem heiligen Brot. Sein Leib, seine Hingabe, ist in diesem Brot für uns schmackhaft. Davon können wir uns nähren, das kann Medizin gegen den Tod sein.

Das ist mein Leib für Euch – Geheimnis bleibt dies für uns allemal.

„Leib“ Jesu, „leibhaftige“ Auferstehung und Himmelfahrt besagen nicht „Körper“ Jesu, „körperliche“ Auferstehung und Himmelfahrt.

„Leib“ meint das innere Erleben, das Jesus bindet an Brot und Wein.

Er sagt, meine Verkörperung in Brot und Wein, ist wahrhaft eine Speise und ein Trank.

Durch diese Möglichkeit des Sich-Einspeisens und Sich-Einverleibens der Jesuswirklichkeit wird die Fier der Eucharistie zur innigsten Vereinigung des Menschen mit Gott, in der der Tod existentiell bereits überwunden ist.

Das Einswerden ist die Vollendung der Liebe, und in Jesus Christus ist die Liebe Gottes vollendet.

Da die Kirche Leib Christi ist, sich die Hingabe Christi sich in der Kirche verkörpert, können wir den Leib Christi in die Welt hinaustragen.

Durch uns wird seine Ausstrahlung in der Welt sichtbar und verwandelt hoffentlich die Welt.

Im Brot ist für uns Christus gegenwärtig über alle Zeiten und in allen Orten. Dieses Fest feiern wir an diesem Tag Fronleichnam mit all unseren Sinnen.

Georg Koch

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