„Das Fieber wich von ihr...“

Manchmal wird uns unverhofft heiß und wir spüren, dass uns etwas aufregt. Wenn eine Aktivität auf hohen Touren läuft, dann entsteht Druck in uns. Ins Fieber verabschieden wir uns, wenn alles an uns vorbei läuft und wir nicht mehr mit kommen. Fieberhaft suchen wir eine Lösung, wenn uns eine schwierige Aufgabe gestellt ist.

Das Fieber scheint ein Thermometer dafür zu sein, dass etwas nicht stimmt. Es will uns anhalten, wir sollen zur Ruhe kommen, zurückschalten.

Die Schwiegermutter des Simon, der später den Namen Petrus bekommt, liegt mit Fieber im Bett.

Das ist alles zuviel für sie. Da hat der Wanderprediger Jesu Fischer bei ihrer Arbeit angesprochen, sich scheinbar faszinierend und beeindruckt und sie lassen ihre Netze liegen und folgen ihm nach.

Das soll man nicht krank werden, da wird man doch vom Fieber geschüttelt. Dieser Simon, ihr Schwiegersohn fragt nicht nach der Familie, wovon diese leben soll, Dem Simon scheinen seine Frau und auch seine Schwiegermutter egal zu sein. Er begibt sich in die Spuren dieses Wanderpredigers, der alles auf den Kopf stellt.

Am Anfang des Markusevangelium ist diese Schilderung vielleicht eine katechetische Unterweisung wie die ersten Jünger ihren Auftrag und ihre Berufung verstehen sollen.

Die zuerst berufenen Jünger unterhalten sich im Haus des Simon über die Schwiegermutter des Simon und Jesus hört dabei mit.

Jesus geht nun zu der Schwiegermutter, berührt sie, nimmt sie an der Hand und richtet sie auf. Und das Fieber wich von ihr, heißt es lapidar.

Eine erste wichtige Erkenntnis: Jesus will mit seiner Botschaft und seinem Verhalten die Menschen aufrichten, er will den Menschen in die Mitte stellen. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Mann oder Frau.

Und als die Schwiegermutter des Simon geheilt ist, heißt es dann: und sie bediente sie. So können wir folgern: Der heile Mensch wird in den Stand gesetzt, für andere zu sorgen. Das könnte auch für uns ein untrüglicher Beweis sein, ob wir auf andere heilende Wirkung haben: Werden sie in unserer Nähe die Kraft finden, von sich abzusehen und anderen zu dienen?

Simon heißt: der rasch Hörende, also der Impulsive, der aus dem Bauch heraus handelt. Später wird er die andere Seite des Lebens lernen müssen, wenn er den Auftrag erhält Petrus zu sein.

Wenn ihn Jesus jetzt am Anfang seines Wirkens einführt in seinen kommenden Auftrag, so will er ihn noch auf etwas anderes aufmerksam machen. In den außerbiblischen Schriften wird oft davon berichtet, dieser Simon habe sich recht schwer mit den Frauen getan. Und auf der subjektiven Ebene kann man vermuten, dass er mit seiner weiblichen, barmherzigen, mütterlichen Seite seiner Seele sich schwer tut. Wir Männer wollen ja eher hart, forsch und direkt sein. Diese Seite überbetonen wir und bleiben so ein halber Mensch.

Wenn wir wie Simon berufen sind, die Barmherzigkeit und Güte Gottes zu künden, dann ist dieses geschilderte Wunder ein der Schwiegermutter des Simon ein deutlicher Hinweis, worauf wir unseren Augenmerk richten sollen.

Diese Schilderung am Anfang des Markusevangelium ist wie eine Ouvertüre, in der alles angeschlagen wird, was im Laufe der Zeit ins Klingen kommen soll. Hier wird eine Tag im Leben Jesu geschildert und es könnte eine Möglichkeit sein, auch unser Tage so auszurichten.

Jesus lehrt mit Vollmacht in der Synagoge und alle sind erstaunt ob seiner Weisheit. Dann heilt er und danach zieht er sich zurück ins Gebet und sie suchen ihn.

Damit er nicht ins Fieber kommt, heiß läuft, benötigt Jesus die Einsamkeit des Gebetes. Gebet nicht verstanden als eine Wunschparade, sondern als ein in sich hineinhören. Ein Ausloten seiner eigenen Möglichkeiten und eine Beziehung suchen zu Gott, so dass man sagen kann: Es stimmt mit mir und es stimmt mit meinem Verhältnis zu Gott.

Deshalb muss man sich wie Jesus manchmal der Wünsche und Erwartungen der Menschen entziehen, sich verweigern, sonst kommt man „ins Fieber“. Gerade diese Haltung des sich in die Einsamkeit begeben, kann eine heilende Wirkung haben, so dass alles Fieber von einem weicht.

Ein unscheinbares Wunder am Anfang des Wirkens Jesu hat also eine große Wirkung: Es will uns lehren, dass wir selber heile Menschen werden, die die Kraft haben, anderen zu dienen, für sie zu sorgen.

Aber nicht ein Sorgen in Hektik, kein fieberhaftes Sorgen, sondern ein heilendes Helfen das aus dem Gebet entspringt.

Georg Koch

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