Cäcilientag 23. November 2003

An diesem Tag, wo der Kirchenchor sein Fest feiert und wo wir Christkönigsfest begehen, möchte ich Sie hinführen zu der Bedeutung des Gesanges in unserem Gottesdienst. Denn königliche Menschen singen Gott das Lob. Mit ihrem Gesang wollen sie hinweisen auf den Himmel, den Herrschaftsbereich unseres Königs.

Als das Westwerk im Breisacher Münster bildnerisch ausgestaltet werden sollte, bekam der Künstler Martin Schongauer den Auftrag die Bildrede vom großen Gericht darzustellen.

In der Mitte platzierte er die Gerichtsszene mit den Toten, die die Gräber verließen, und Christus, der auf den Wolken wiederkehrte. Auf die Nordseite malte er die brodelnde Hölle und auf die Südseite sollte der Einzug der Seligen in den Himmel gemalt werden.

Aber wie malt man den Himmel?

Vermutlich haben Sie selbst schon manchen Versuch gesehen, die himmlische Seligkeit in Bildern darzustellen. Aber immer waren es klägliche Versuche.

Entweder sind es Darstellungen von belanglosem Beisammensein in irgendwelchen mittelalterlichen Gärten oder man malte einen Aneinanderreihung von wie auf dem Kasernenhof angetretenen Heiligengestalten, die langweilig wirken. Andere haben den Münchener Aloisius in Erinnerung, der auf einer Wolke sitzt und unablässig Hosianna singen muss.

Wie malt man den Himmel?

Ich denke, dass der Künstler Martin Schongauer um die Schwierigkeit wusste. Er ahnte, dass alles falsch sein könnte, was er malen würde. Deshalb hat er sich eines Kunstgriffes bedient: Er hat eigentlich nichts gemalt.

Er hat nichts anderes gemalt als eine kostbar anzusehende Mauer. Eine Mauer, eine Balustrade, die uns den Blick versperrt. Er hat den Blick in den Himmel versperrt und zeigt uns lediglich das Tor, zu dem die Menschen unterwegs sind.

Aber dann malt er noch ein Element dazu und dieses kleine Detail erweckt in dem Betrachter ganz unwillkürlich das Gefühl: Stimmt, da hinter, da muss der Himmel sein!

Mit diesem Element drückt er weit besser aus, dass er sich in seinem Gemälde wirklich um den Himmel handelt. Auf diese Balustrade setzt er nämlich ein paar Engel und diese Engel machen Musik.

Drei Engel mit Lauten und Flöten – nicht mehr – und dieses kleine Detail assoziiert sofort: Das muss der Himmel sein!

Wie ist der Himmel!

Voller Musik – das ist vielleicht das treffendste Bild, das wir Menschen uns vom Himmel machen können. Musik – vielleicht ist sie das einzige Element, das ein klein wenig erfahrbar macht, was himmlische Seligkeit bedeutet.

Seit Urzeiten haben die Menschen die Vorstellung gehabt, dass die einzelnen Himmelsschalen aneinander reiben und dabei eine sphärische Musik verströmen würden. Nicht umsonst hat man der Musik und dem Gesang nachgesagt, dass sie die Menschen verzaubern können, so in ihren Bann nehmen, dass sie vor lauter Glückseligkeit nichts anderes mehr wahrnehmen.

Nicht umsonst spielt die Musik und der Gesang in unseren Gottesdiensten eine so große Rolle.

Es gibt schließlich nichts trostloseres als eine feierliche Hochzeit ohne Orgel oder ohne Gesang. Und wenn ein Mitglied des Kirchenchores stirbt und wir ihn im Gottesdienst verabschieden, dann kann der Gesang des Chores unendlich trostvoll sein und trotz aller Trauer eine Glückseligkeit vermitteln, die uns den Himmel nahe bringt. Vielleicht gibt es in unseren Gottesdiensten wirklich nichts, was den Himmel so sinnenhaft erfahrbar macht als die Musik.

Deshalb sei unserem Kirchenchor an diesem Sonntag Dank gesagt, weil dort Männer und Frauen Woche für Woche ihre Zeit opfern, um an Festtagen unserer Gemeinde den Himmel hörbar werden zu lassen.

Aus ihrem Glauben heraus singen sie Gott das Lob. Sie bieten uns etwas Schönes und Festliches. Sie bringen eine Musik zu Gehör, die die Sehnsucht nach dem Himmel offen lässt.
Und eine solche Musik wird zu einem hörbaren Bild vom Himmel – vielleicht das einzige Bild vom Himmel, das wir Menschen uns wirklich machen können.

Georg Koch

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