Burn-out – Ausgebrannt sein

Das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen ist uns so bekannt, dass wir es wieder nicht kennen.

Eine Heilungsgeschichte ist es, eine Prophylaxe gegen das Ausgebrannt sein, eine Medizin zu heilsamer Selbstfürsorge.

Der Ski-Springer Sven Hannavald hatte zum erstenmal bei dem Vierschanzenspringen alle einzelnen Springen hintereinander gewonnen, er war noch Weltmeister im Skiweitspringen geworden, er hatte alles erreicht. Dann ging nichts mehr, er konnte an keinem Springen mehr teilnehmen. Er litt an dem Burn-out Syndrom. Eine Krankheit, wo man sich ganz ausgebrannt fühlt.

Scheinbar hat man sich bei dieser Krankheit keine Ruhepausen gegönnt, immer wieder gepowert, immer wieder sich eingesetzt – und dann spürt man: es sind keine Kräfte mehr da, man fühlt sich total leer.

Bei Menschen in den helfenden Berufen zeigt sich diese Diagnose ebenfalls sehr oft. Sie helfen, setzen sich ein, vergessen sich selbst – und dann geht auf einmal das Licht aus, man kann nicht mehr.

Da sind wir mitten in dieser Geschichte von den zehn Jungfrauen. Der Schriftsteller gebraucht dieses Bild vielleicht, um Menschen zu charakterisieren, die auf besondere Weise schöpferisch, kreativ sind. Menschen, die noch unverbraucht alles neue wagen, mit „jungfräulicher“ Kraft alles vor sich haben.

Aber die einen werden klug genannt und die anderen töricht. Was macht nun die Klugheit aus? Hinter der Klugheit steht das hebräische Wort, das „sehend“ oder „mit offenen Augen“ bedeutet.

Klug sind diejenigen, die die Augen offen haben für das, was kommt und nicht einfach in den Tag hineinleben. Sie haben eine Extraportion Öl für den Notfall dabei, haben ein Gefäß zum Nachfüllen mitgenommen. Sie denken also nicht nur an die unmittelbare Gegenwart. Vorrausschauendes Denken ist angesagt.

Wenn es eng wird, dann haben sie immer noch etwas, wo sie schöpfen können, wo sie neue Kraft finden.

Könnte hier nicht auch unser Glaubensleben gemeint sein? Haben wir da noch Reserven, wenn uns Not, Leid oder Widrigkeiten ins Haus stehen? Viele sagen bei Hausbesuchen oft, dass sie zwar nicht mehr Gottesdienstbesucher seien, aber immer noch gläubig und früher war ich Messdiener oder habe im Kloster in Bruche mitgeholfen, den Sendboten zu verschicken.

Aber diese Erfahrungen liegen schon vierzig Jahre und mehr zurück und in der Zwischenzeit ist der Glaube und das Glaubenswissen versickert und ausgetrocknet,

Bleiben wir noch einmal beim Gleichnis! Alle Jungfrauen, die zu dem Fest ihres Lebens unterwegs sind, schlafen ein. Da wird kein Vorwurf gemacht oder das hat keine einschneidenden Konsequenzen. Doch dann kann es dramatisch werden. Es erschallt der Ruf: Der Bräutigam kommt, das Leben kommt, das Fest kann beginnen.

Die einen lebten ihr Dasein wie eine Kerze – damals wie heute – haben sie angezündet und merken gar nicht, dass dieses Leben auf einmal ausgebrannt ist. Die anderen leben ihr Dasein wie eine Öllampe, die auch brennt und leuchtet, aber hier kann man Energie nachfüllen.

Hier liegt also der große Unterschied: die einen haben an jetzt gedacht. Und auf einmal sind sie ausgebrannt, burn-out.

Die anderen haben Nachschub. Und dieser Punkt, denken ich, ist das Heilsame und Therapeutische an der Geschichte. Ich verstehe sie als eine Einladung oder gar als eine Aufforderung zu heilsamer Selbstfürsorge und Selbstvorsorge: „Denk daran, dass du dich nicht unendlich „auspowerst“, dass du dich nicht ständig verausgabst, sondern sorge für deinen Nachschub, sorge dafür, wie du dich wieder füllen lassen kannst.“

Der zweite heilsame und therapeutische Impuls ist das eindeutige Nein-Sagen! Die törichten Jungfrauen betteln nun darum, dass die klugen ihr Öl mit ihnen teilen sollen.

Und nach christlicher Erziehung würden wir jetzt sagen: Gut, ihr habt einen Fehler gemacht, wir helfen euch.

Aber weit gefehlt: Selbstbewusst, emanzipatorisch und klar sagen sie NEIN! Und im Urtext steht sogar ein doppeltes nein.

Da haben wir zu schlucken. Sollen wir nicht als gute Christen den anderen helfen. Liebe deinen Nächste – wie dich selbst haben wir schon vergessen - , einer trage des anderen Last. Sind dies nicht alte Botschaft, die fest in unser Denken eingemeißelt sind?

Natürlich wissen wir auch, dass Jesus von der rechten Vorsorge spricht: Ein kluger Mann baut sein Haus auf Felsen, der kluge Verwalter ordnet – wenn auch nicht ganz legal – seine Verhältnisse zu seinen Gunsten...

Ohne Begründung und ohne große Erläuterungen sagen die Klugen: NEIN! Sie schützen sich und setzen Grenzen.

Dahinter steht auch noch die Autorität des Bräutigams. Als die Törichten später anklopfen, da sagt auch er NEIN. Ja, er kennt sie nicht.

Wir haben in unserem Kopf meist den lieben Gott. Aber Gott ist auch ein nehmender und ein fordernder Gott. Ein Gott, der auf Entschiedenheit pocht.
Klugheit, so will diese Geschichte uns sagen, erfordert zwei wichtige Schritte:

1) Selbstfürsorge und Selbstvorsorge im rechten Augenblick – und bei jedem sieht sie anders aus
2) NEIN-Sagen können ohne Gewissensbisse zu haben.

So wir dieses uns so bekannte Gleichnis zu einer Heilungsgeschichte, zu einer Wundergeschichte. Es heilt uns – und deshalb sollten wir uns öfter in dieses Geschichte hineinversetzen.

Georg Koch

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