Auf einen grünen Zweig kommen...

Palmsonntag ist das Tor zum Leben, ist das Tor zu Ostern. Die grünen Zweige, die wir bei der Prozession getragen und gesegnete haben, wollen uns daran erinnern, dass die Grünkraft des Lebens uns die Kraft gibt, an Ostern das neue aufgrünende Leben zu erhoffen.

Wir werden in diesen Kartagen, Raum um Raum durchschreiten, um nach Ostern zu gelangen.

Am Gründonnerstag gedenken wir des Abschiedes, am Karfreitag stellen wir uns dem Sterben und dem Tod, am Karsamstag meistern wir das Alleinsein und die Einsamkeit und in der Osternacht tragen wir das Licht in das Dunkle und feiern den Sieg des Lichtes über den Tod.

Das sind nicht einfach Eckpunkte der Leidensgeschichte Jesu, sondern es sind auch Anknüpfungspunkte in unserer eigenen Lebensgeschichte.

Die grünen Zweige wollen uns daran erinnern. Wir sollen auf einen grünen Zweig kommen. Wir sollen, so wollen sie sagen, Boden unter die Füße bekommen.

Im Mittelalter war es üblich, dass jemand bei Kauf eines Grundstückes ein Stück Erde bekam mit einem eingepflanzten grünen Zweig als Symbol für sein neues Stück Land.

Und wir könnten uns heute fragen, wie wir Boden unter die Füße bekommen können.

Zuerst werden wir durch die grünen Zweige erinnert an Noah, der bei der Sintflut eine Taube aussandte, die mit einem grünen Zweig zurück kam. Dieser grüne Zweig war ein Hoffnungszeichen für neues Land, für Boden unter den Füßen.

So können die grünen Zweigen in unseren Händen ein Symbol sein für Boden unter den Füßen.

Wie oft steht uns das Wasser bis zum Hals, drohen die Ängste in unserem Leben uns zu überschwemmen, haben wir keinen Boden mehr unter den Füßen.

Wenn unsere Beziehungen ins Wanken kommen, wenn uns Tod oder Leid begegnen, dann könnte dieser grüne Zweig sein wie ein gutes Wort, eine trostvolle Umarmung, ein in den Arm nehmen. Solche Zeichen sind dann ein Zweig der Hoffnung von Gott her, dass neues Leben im Entstehen ist, dass wir von irgendwoher Boden unter die Füße bekommen.

Befestigen sie diese grünen Zweig sichtbar in ihren Archen, in ihren Wohnungen, damit sie sie daran erinnern, dass unsere Behausungen Orte der Hoffnung sein wollen und nicht Wohnräume der Depression.

Zum zweiten erinnern diese grünen Zweige an Botschaften der Propheten Isaias und Ezechiel. Sie sprechen davon, dass das Volk Israel Gott untreu war und wie ein Stamm gefällt wurde, Aber so künden sie; Gott hat diesem gefällten Baum einen grünen Zweig eingepfropft. Ein Reis, ein grüner Zweig wurde dem toten Baum eingepflanzt und neues, grünes Leben sprießt unmerklich hervor.

Ist es in unserem Leben nicht oft auch so: Ein Sturm reißt nieder, was uns bisher Halt gab, ein Holzwurm frisst unmerklich den Kern unsers Lebens an. Was stolz emporwuchs, wird von der Hinfälligkeit angefressen.

Wie dankbar sind wir dann, wenn von Gott oder von einem Menschen, uns neues Leben, neue Liebe, eingepfropft wird. Wir selber sind in solchen Situationen oft nicht mehr dazu fähig.

Nehmen sie diese grünen Zweige mit nach Hause und bringen sie sie sichtbar an, damit die Zweige sie daran erinnern, das auch aus dem toten Baum neues Leben sprießen kann.

Das alte Israel, das Gesetzesdenken und Leistungsdenken wurde gefällt und ein neue Zweig aufgepfropft. Der Zweig der Güte und der Barmherzigkeit Gottes. Daran wollen diese Zweige erinnern.

Ein drittes: Wir haben in unseren Pfarrkirchen einen Lebensbaum aufgestellt, der mit den Bildern der Kommunionkinder geschmückt ist.

Dieser blühende Baum hier, hatte vor ein paart Wochen noch grüne Zweige. Jetzt blühen sie schon und wollen Früchte bringen.

Das neue Leben was hier sichtbar ist, beginnt im Dunklen, im Stillen, im Verborgenen. Das Korn musste erst sterben, aufgebrochen werden, um dann ins Wachsen zu kommen.

Es wächst dann dem Licht entgegen. Ein Stamm bildet sich, der Halt und Beweglichkeit gibt und die Äste wachsen in die Horizontale. Der Baum wird zu einem Kreuzesbaum und zu einem Lebensbaum, der Früchte bringt.

So ist der Kreuzesbaum von Karfreitag kein Marterwerkzeug, der Kreuzesbaum des Karfreitag ist nur eine Etappe. Das Ziel ist Ostern, wo der Kreuzesbaum zu einem Lebensbaum heranreift und die Frucht des neuen Lebens bringt.

Der Lebensbaum ist ein Symbol für den Sieg über den Tod.

Die grünen Zweige in unseren Händen wollen davon künden, von einem immergrünenden Leben, das Früchte bringt.

Dieses Leben geht aber zuerst in den Tod, in das Dunkle, um dann umso grüner aufzuleben. Die grünen Zweige an diesem Baum werden verwandelt in Blüten und dann in Früchte, in Früchte von denen wir leben können.

Das ist das Geheimnis der Karwoche auf Ostern hin. Wir müssen all diese Räume durchschreiten, Abschied – Gründonnerstag, Sterben und Tod – Karfreitag, Einsamkeit und Alleinsein – Karsamstag, Licht und Leben – Osternacht und Ostermorgen, das ist das Geheimnis der Auferstehung.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, so sagt Jesus. Nur mit ihm verbunden, bringt unser Leben die Frucht der Freude. Denn der Weinstock bringt als Frucht nicht Essig, sondern Wein. Geheimnis der  Verwandlung.

Wenn wir in einer seelenlosen Zeit unseren Kommunionkindern diese Bilder einpflanzen, dann wir ihr Leben zu einem Lebensbaum heranreifen können. Dann werden sie zu Menschen, die geöffnet sind. Denn der geöffnete Mensch ist in den Kreuzes- und Lebensbaum hineingewachsen, damit er ihm geben den Reichtum des Lebens erfährt.

Neben sie diese grünen Zweige mit nach Hause und bringen sie sie sichtbar an, damit sie erinnert werden in dunklen und verzweifelten Stunden an ein Leben, von dem man nie sagen wird: Es ist zu spät.

Nein, es ist nie zu spät, lebendig zu werden und aufzustehen, weil Gott selber in unser oft so totes Leben eine Reis, einen Zweig der Hoffnung in uns einpfropft, damit wir Boden unter die Füße bekommen, damit der gefällte Stamm neues Leben hervorbringt.

Grüne Zweige, die Grünkraft des Lebens – wie Hildegard von Bingen sagt – sie geben uns durch die Karwoche hin zu Ostern ein neues und lebendiges Leben, göttliches Leben.

Georg Koch

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