Auf den Berg des Glückes kommen...

Was ist der Mittelpunkt unseres Lebens? Wo finden wir Halt, damit uns nicht die Fliehkräfte unseres Daseins an die Wand schleudern? Was ist die Nabelschnur des menschlichen Daseins?

Die Verklärungsgeschichte auf dem Berg Tabor am heutigen Sonntag will uns darauf eine Antwort geben. Kunstvoll und dichterisch schildert sie, wie wir in das Licht eingetaucht werden und das Glück des Lebens erfahren können.

Dabei ist der Berg Tabor nicht ein Ort im Raume unserer Welt, sondern die Aufgipfelung des Glückes im Herzen eines jeden Menschen.

Tabor heißt Nabel, Mittelpunkt. Die Alten stellten sich einen Weltenberg vor, der aufragend in der Spitze den Himmel berührte. Und dort, wo die Erde den Himmel berührt, dort ist der Mittelpunkt unseres Lebens.

Jesus geht also symbolisch mit seinen drei Jüngern auf den Berg, um zu beten. Hier im Gebet erfährt er Verwandlung und Verklärung. Dort ist für ihn der Mittelpunkt der Welt, wo er mit seinem Gott wie mit einer Nabelschnur verbunden ist.

Dabei kann uns der Berg die Ehrfurcht vor ihm und den Anstieg lehren, aber auch die Ehrfurcht vor Gott und das Bemühen ihm zu begegnen.

Wer keine Ehrfurcht vor dem Berg hat, der wird den Anstieg nie meistern können. Wer sich nicht bemüht und ausrüstet, dem wird das Glück der Liebe nie begegnen.

Dies geschieht nicht in einer Massenbewegung, sondern nur abseits der Masse, dort wo der Mensch um Individuation bemüht ist.

Wenn so Gott der Mittelpunkt unseres Lebens wird, dann werden wir die Mühen des Alltages bewältigen können. Bei ihm finden wir Halt gegen alle Widerfahrnisse unseres Lebens.

Am Anfang steht das Gebet. Jener Raum der Stille in den wir eintreten und der uns beschenken will. Gebet zeigt sich hier als die absichtslose Begegnung mit einer höheren Macht und als die Möglichkeit, dass das Wesentliche unseres Lebens

durchscheinen kann.

Als Jesus sich dem Mittelpunkt seines Lebens öffnet, da werde seine Kleider weißt wie Schnee und sein Angesicht strahlt voller Licht. Licht als großartiges Symbol für  das ganze Leben.

Hier findet er die Kraft, den Weg nach Jerusalem, den Weg in seine Passion zu gehen.

Das Glück der Liebe schenkt uns ebenfalls solche Kraft. Trotz aller Schwierigkeiten bei einem liebenden Menschen zu bleiben. Wir brauchen solche Aufgipfelungen, solches Umstrahltsein, damit wir wieder den Berg hinabsteigen können.

Petrus will diese Erfahrung festhalten, Hütten bauen. Aber wir wissen, dass das Glück der Liebe nie festgehalten werden kann, sondern immer wieder neu gesucht werden muss.

Der Berg Tabor ist der Nabel der Welt. Dort berührt sich Himmel und Erde und wir finden letzten Halt. Ein Sich-verlassen auf Gott meint hier. Wir verlassen uns und verlassen uns ganz auf Gott. Er wird der Mittelpunkt unseres Daseins und die

Fliehkräfte des Lebens können gebannt werden.

In dem Wort Verklärung steckt auch das Verb: klären, sich klar werden. Auf dem Berg Tabor klärt sich, wohin wir gehören, wird uns klar: Nur wenn wir Gott zur Mitte unseres Lebens machen, erfahren wir das Glück des Lebens.

Dann vernehmen wir in unserem Inneren die Stimme: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, mein geliebtes Kind.

Dieses Wort der Begnadung durchströmt uns und macht uns lebendig schon in unseren menschlichen Beziehungen. Ja, es ist die einzigste Botschaft, die uns frei und lebendig werden lässt.

In diesem Wort begegnen wir einander absichtslos. Sehen den anderen nicht als jemand der uns nutzen kann oder von dem wir etwas haben wollen, sondern erfreuen uns allein an seinem Dasein.

Dann werden wir einander zum Mittelpunkt, erfahren das Geschenk der Liebe, Was im menschlichen Miteinander uns schon groß und lebendig macht, ereignet sich in der Gottesbegegnung umso intensiver.

Die Taborgeschichte ist also ein Bild und ein Gleichnis wie Gott der Halt unseres Lebens ist. Daran zu glauben und das immer mehr zu verwirklichen, ist wie eine Bergbesteigung, die uns belohnt mit einer großen Weite und Freiheit.

So ist hier nicht ein Geschehen in Raum und Zeit gemeint, sondern die Erfahrung des Glückes der Liebe im Herzen eines jeden Menschen.

Georg Koch

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